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Wünscht sich mehr Organspenden: Anneliese Moelaert.

Gerettete Murnauerin plädiert für Änderungen

Organspende: Neue Niere, neues Leben

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Deutschland findet immer weniger Organspender. Anneliese Moelaert reagiert auf diese Nachricht alarmiert. Sie weiß, was Schwerstkranke erleiden, die auf ein lebensrettendes Organ hoffen. Der Murnauerin ebnete eine Spenderniere den Weg in ein neues Leben. Ein Appell.

Murnau– Die Zahlen, diese Entwicklung zum Schlechten – Anneliese Moelaert (71) zeigt sich davon „tief berührt“. Mehr als 10 000 Todkranke stehen auf der Warteliste, doch ihre Chancen auf ein neues Organ sind gering. Die Spenden-Bereitschaft hat 2016 in Deutschland den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht.

Moelaert kann das Schicksal der Schwerstkranken nachempfinden. Die gebürtige Murnauerin stand selbst auf dieser Liste, bevor sie nach acht Jahren Dialyse eine neue Niere erhielt – die Niere eines Toten. „Damit hat für mich ein neues Leben angefangen“, sagt sie.

Für viele bleibt dieses rettende Tor verschlossen. 857 Menschen haben 2016 nach ihrem Tod Organe gespendet, seit Jahren verharrt die Zahl im niedrigen Bereich, die eingebrochen ist, nachdem Manipulationen bei der Vergabe publik geworden waren.

Moelaert sieht Nachholbedarf, würde sich ein System wünschen wie in anderen Ländern – Spanien etwa: Dort dürfen jedem Hirntoten Organe entnommen werden, wenn er oder seine Angehörigen dem zuvor nicht ausdrücklich widersprochen haben. In Deutschland ist es andersherum: Es muss eine Einwilligung vorliegen. Zudem beklagt die Murnauerin, viele seien „falsch informiert“.

Moelaert verfügt heute noch über einen Spendeausweis. Sie hat ihn sich in jungen Jahren zugelegt – lange bevor sie wusste, dass sie selbst einmal eine Niere benötigen würde. Und es ist ihr ein „großes Anliegen“, dass mehr Menschen diesem Beispiel folgen. „Ich weiß, was die Patienten mitmachen“, sagt sie.

Ihr selbst war es immer schlechter gegangen. Ein Medikament gegen Depressionen hatte schleichend ihre Nieren zerstört, bis diese kaum mehr arbeiteten. „Ich war körperlich nicht belastbar, hatte keine Kraft mehr.“ In Holland, der Heimat ihres zweiten Mannes, in der das Paar 18 Jahre lang lebte, bekam Moelaert ab 2002 eine Bauchfelldialyse, eine Variante der künstlichen Blutwäsche, bei der das eigene Bauchfell als Filtermembran dient. Moelaert ließ eigenverantwortlich mehrmals am Tag eine Lösung in ihre Bauchhöhle fließen, die giftige Stoffwechselprodukte aufnahm – selbst während der Fahrt in den Urlaub. Reisen ist seit jeher eine Leidenschaft, ihre schwere Erkrankung hielt sie nie davon ab. Unter anderem wählte Moelaert Schiffe mit Dialysestation.

2004 kehrte sie nach Murnau zurück, ab Ende 2005 erhielt sie in der Praxis Dr. Toepfer, die sie ausdrücklich lobt, eine Hämodialyse; ein Gerät mit Membran filterte und reinigte ihr Blut außerhalb des Körpers – quasi eine künstliche Niere. Fünf Stunden dauerte diese lebenswichtige Prozedur, die Moelaert dreimal pro Woche durchlief. Eine Einschränkung: „Das war wie ein Halbtags-Job.“

In all der Zeit stand sie auf der Warteliste für eine Transplantation, rutschte nach oben. „Zwei-, dreimal hätte ich beinahe eine Niere bekommen, aber es hat dann doch nicht gepasst.“ Stets trug sie ihr Handy bei sich, um erreichbar zu sein, wenn ein Organ zur Verfügung steht; der Koffer war gepackt. Im April 2010 traf dann nachts der erlösende Anruf aus Großhadern ein: Ein Mediziner teilte ihr mit, sie solle so schnell wie möglich kommen. Es gebe eine geeignete Niere. „Ich hätte ihn abbusseln können“, sagt Moelaert, die heute im Seniorenwohnen Ruhesitz Staffelsee lebt. Die zweifache Mutter und dreifache Oma fühlte keine Angst, im Gegenteil: „Das war eine Freude, wie wenn man ein Kind bekommt.“ Die neue Niere habe sofort funktioniert, doch ihr geschwächter Körper brauchte Zeit, um sich zu erholen. Seitdem gab es auch mal Komplikationen. Moelaert muss Medikamente nehmen, damit ihr Körper das fremde Organ nicht abstößt. Doch sie sagt: „Es geht mir super.“ Im vergangenen Sommer sei sie 25mal im Staffelsee beim Schwimmen gewesen.

Dem „lieben Gott“ hatte Moelaert einst das Versprechen gegeben, mit den Maltesern auf Wallfahrt nach Rom zu gehen, sollte sie eine neue Niere erhalten. Keine Frage: Es einzuhalten, fiel ihr leicht.

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