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Alle Züge Richtung München sollen in Oberau auf Gleis 1 halten. Das fordert Jürgen Haase.

Zwei Züge halten noch auf "falschem" Gleis und besserer Übergang fehlt

Besteht Lebensgefahr am Oberauer Bahnhof?

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Oberau - Die gute Nachricht: Die Lage am Oberauer Bahnhof hat sich gebessert. Mehr Züge in Richtung München halten auf Gleis 1. Die weniger gute: Optimal ist sie in den Augen von Gemeinde und Kunden weiter nicht. 

Jürgen Haase (64) hat sich ja schon einmal sauber beschwert: Vor gut einem Jahr konnte er kaum fassen, was er am Oberauer Bahnhof beobachtet hatte. Nach einem Fahrplanwechsel fuhren, wie berichtet, einige Züge in Richtung München nicht wie gewohnt auf Gleis 1, sondern auf Gleis 2 ein. Das hat viele Wartende überrascht. Und weil der Fußmarsch über den offiziellen Übergang auf den gegenüberliegenden Bahnsteig zu lange dauert, liefen sie einfach über die Schienen. Eine lebensgefährliche Situation – zumal genau in dem Moment der Schnellzug in Richtung Garmisch-Partenkirchen durch den Bahnhof rauschen konnte. Das wollte Haase nicht hinnehmen.

Den Landtagsabgeordneten Harald Kühn schaltete er ein, einen Brandbrief an den Deutsche-Bahn-Vorstand Rüdiger Grube schrieb er, an die Presse ging er. Haase meint, dieser Einsatz und der öffentliche Druck haben etwas bewirkt. Vielleicht ist auch einfach ein erneuter Fahrplanwechsel der Grund. Fakt ist: Die Situation hat sich verbessert. Unter der Woche halten die Züge nach München wieder auf Gleis 1. Nur: Das reicht Haase nicht. Am Wochenende sieht er nach wie vor Lebensgefahr auf Oberaus Gleisen. Denn die Züge um 8.16 und 10.16 Uhr fahren weiterhin auf Gleis 2 ein. Und der Oberauer kann nicht nachvollziehen, warum. „Das muss doch machbar sein. Da hat doch bei der Bahn jemand einen Fehler gemacht und traut sich nicht, den zuzugeben.“

Aus "fahrplantechnischen Gründen" halten Züge auf Gleis 2

Haase schimpft nicht nur ins Blaue hinein. Der 64-Jährige, der regelmäßig die Bahn ab Oberau benutzt, hat sich bei dem Unternehmen erkundigt. Nur hinterließ ihn die Antwort ratlos. Demnach sei die Nutzung von Gleis 1 zu besagten Zeiten wegen Zugkreuzungen in Oberau nicht möglich. Auch auf Tagblatt-Anfrage gibt der Sprecher „fahrplantechnische Gründe“ an. Aber er betont ausdrücklich, man sei „immer bestrebt, die Ankunfts- und Abfahrtgleise der Züge so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten“.

Kundenfreundlichkeit – für Haase ein gutes Stichwort. Denn daran hapert’s in seinen Augen gewaltig. Ganz abgesehen von den beiden in seinen Augen fehlgeleiteten Zügen. Er stört sich auch an den schlecht auffindbaren Fahrplänen. Denn anders als früher hängen sie nicht mehr direkt neben dem Ticketschalter – der Glaskasten ist leer. Der Bahnsprecher hat hierzu eine Erklärung: Man habe das Empfangsgebäude verkauft; daher sei dort kein Plan mehr angebracht.

Schön und gut, sagt Robert Zankel, Geschäftsleitender Beamter der Gemeinde Oberau. Er aber stellt sich die Frage: Warum werden Planänderungen nicht via Lautsprecher verkündet? „Die Durchsagen funktionieren nicht“, bemängelt er. Auch nicht in Ohlstadt und Eschenlohe. Dass der Zug außerplanmäßig auf Gleis 2 hält, erkennen die Wartenden also erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Und wie reagieren sie? Sie rennen über die Gleise. Dadurch begeben sie sich nicht nur in Lebensgefahr, sondern riskieren auch eine saftige Strafe. Laut Zankel drohen mehrere 100 Euro Buße und drei Punkte in Flensburg.

Zumindest die Durchsagen erklingen mittlerweile wohl wieder: Die Störung an der Anlage sei beseitigt, verkündet der Bahnsprecher.

Die Gemeinde Oberau gibt sich damit aber nicht zufrieden – denn das grundsätzliche Problem bleibt ihrer Ansicht nach bestehen: Es fehlt ein Übergang, der schnell zu erreichen ist. „Die aktuelle Lösung geht komplett an der Praxis vorbei“, kritisiert Zankel. Die Gemeinde wird sich also weiterhin für Verbesserungen einsetzen. In Haase hat sie einen treuen Unterstützer.

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