Die Kurve zeigt zuletzt stark nach unten: Die Zuschauerentwicklung der neun Heimspiele dieser Saison. grafik: cf

Zuschauer-Flaute beim SCR: „Irgendwas stimmt nicht in diesem Ort“

Garmisch-Partenkirchen - Trainer Zdenek Travnicek und Kapitän Tim Regan enttäuscht vom geringen Interesse

„Ich finde es einfach nur traurig.“ Zdenek Travnicek nimmt kein Blatt vor den Mund. Dass die Partie des SC Riessersee gegen Hannover am Sonntagabend nur 1200 Zuschauer sehen wollten, das stellt den Trainer der Eishockey-Profis vor ein Rätsel. „Ich verstehe das nicht“, gibt er zu. „Der ganze Ort spricht über Eishockey, aber keiner geht hin.“

Diesen Eindruck hat er in den vergangenen Wochen gewonnen. Natürlich nimmt er nicht die treuen Anhänger aufs Korn, die allwöchentlich ins Stadion pilgern. „Ich bin wirklich froh, dass wir die haben.“ Darauf legt auch Kapitän Tim Regan Wert: „Denen kann man keinen Vorwurf machen. Das sind um die 1200 Patrioten, die immer wieder da sind.“ Aber auch er kann seinem Trainer nur zustimmen: „Das Interesse am Eishockey macht einen schon nachdenklich“, betont der 37-Jährige. „Ralph Bader hat eine gute Mannschaft mit sehr wenig Geld aufgestellt, er hat den Wunsch vieler Fans erfüllt, ist in die zweite Liga gegangen und hey, wir spielen wirklich nicht schlecht momentan - aber das alles wird nicht honoriert.“

Travnicek geht es nicht um sich selbst, sondern um die Mannschaft. „Das hat sie nicht verdient, dass so wenige Leute kommen.“ Die Jungs würden sich die Beine ausreißen, sich mit dem Verein identifizieren - „alle sind richtig zufrieden hier in Garmisch-Partenkirchen. Aber irgendetwas stimme nicht in diesem Ort“, meint der 43-Jährige. „Solch einen Verein mit dieser Tradition gibt es wirklich nicht oft in Deutschland. Und dann steht der auf dem letzten Platz in der Zuschauertabelle.“ Das frustriert nicht nur den Coach, sondern auch die Spieler. „Die, die schon länger da sind, wissen ja, dass es im November immer ein bisschen ruhig ist“, sagt Regan. „Aber die Neuen haben mich schon mal gefragt, was denn eigentlich hier los ist? Gegen Hannover haben manche beim Aufwärmen gemeint, das wäre eine Privatveranstaltung.“ Travnicek ärgert vor allem, dass er überall im Ort mitbekommt, wie über Eishockey gesprochen wird. „In den Geschäften, in den Restaurants, jeden interessiert Eishockey, aber alle hocken lieber daheim. Wenn sie Zeiten wie früher zurückhaben wollen, dann müssen sie auch kommen.“

GmbH-Chef Bader kennt die schwierige Situation seit Jahren. Doch auch ihn erstaunt die derzeitige Flaute im Stadion. „Hannover war absoluter Minusrekord, nochmal 150 Zahlende weniger als gegen Bietigheim. Wir diskutieren in der Geschäftsstelle auch viel darüber, aber wir sind ehrlich ratlos.“ Auch bei ihm haben sich schon Spieler gemeldet: „Sie sind enttäuscht.“

Finanziell liegt Bader aber im Soll - noch. „Wir sind im Plan.“ Im Schnitt 1521 Besucher kamen zu den bisherigen neun Begegnungen. „Jetzt hoffen wir halt, dass wir durch Spiele wie gegen Rosenheim und an Weihnachten uns einen Puffer aufbauen können, damit wir solche Partien wie gegen Hannover wegstecken können. Auf die Dauer geht das aber nicht.“

Travnicek kann nur den Kopf schütteln. „Wir haben acht Spiele in Folge gepunktet, vier sogar gewonnen - das ist dann wie ein Schlag ins Gesicht für die Jungs.“ (cf)

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