Kritiker nennen sie „Rennstrecke“ und „Asphaltwüste“: die Murnauer Bahnhofstraße. Die Strecke, hier der Blick auf das historische Postgebäude (l.), soll attraktiver werden.   Foto: Herpen

Die zweite Einkaufsmeile

Murnau - Die Murnauer Bahnhofstraße soll aufgewertet werden. Bei Murnau Miteinander werden hierfür bereits Pläne geschmiedet.

Die Murnauer Bahnhofstraße ist wahrlich keine Einkaufsmeile, die zum Bummeln und Flanieren einlädt - obwohl sie nur einige hundert Meter von der schmucken Fußgängerzone entfernt liegt. Kritiker sprechen von einer „Rennstrecke“ und einer „Asphaltwüste“, die dringend aufgewertet werden müsste. Dies soll jetzt offenbar auch geschehen.

Für die Marktgemeinde haben sich neue Perspektiven ergeben, was die Gestaltung der Bahnhofstraße und des Bereichs zwischen Kultur- und Tagungszentrum und Postgebäude betrifft. Die ehemalige Staatsstraße wird nämlich - nach der Beseitigung des Bahnübergangs - nicht mehr als Zubringer in Richtung Bad Kohlgrub benötigt und soll zur Ortsstraße herabgestuft werden. Bürgermeister Michael Rapp (CSU) hält sich zurück: Konkrete Vorstellungen oder gar ein Zeit- und Finanzierungsplan bestünden noch nicht, erklärt der Rathaus-Chef auf Tagblatt-Nachfrage. Die Angelegenheit müsse erst im Gemeinderat und mit den Anliegern beraten werden. Soviel steht fest: Ein Städteplaner soll nächstes Jahr beauftragt werden, ein Konzept zu erstellen und Anregungen aus der Bevölkerung mitaufzunehmen. „Das ist ein langer Prozess“, sagt Rapp. Einen Zuschuss für das Projekt erhofft sich die Kommune von der staatlichen Städtebauförderung, ein Antrag wurde gestellt.

Murnau Miteinander ist indessen in der Sache schon recht fleißig. Die Bürgerinitiative zur Gemeinde-Entwicklung schmiedet bereits Pläne für die Strecke zwischen evangelischer Kirche und Gabriele-Münter-Platz - und zwar sehr überzeugende. Der Ingenieur und Rentner Peter Stademann beschäftigt sich ehrenamtlich damit. Sein ehrgeiziges Ziel: Die Bahnhofstraße soll neben der Fußgängerzone zur „zweiten Geschäftsschiene“ werden. „Das wäre für das Zentrum eine enorme Belebung“, ist er sich sicher. So könnte man den Ort wirtschaftlich stärken.

Die Bahnhofstraße bietet seiner Ansicht nach jede Menge Potenzial. Der Murnauer denkt unter anderem an eine reduzierte Fahrbahnbreite, an eine Allee, an Grünflächen, an einen schönen Platz vor dem historischen Postgebäude, an Parkbuchten und an Tempo-Limits. In dem Bereich zwischen Postgasse und Kultur- und Tagungszentrum könnten sogar eine verkehrsberuhigte Zone, in der nur zehn Stundenkilometer zugelassen sind, und damit ein fußgängerfreundlicher Übergang zum Kulturpark entstehen.

Derartige Überlegungen kommen bei den betroffenen Geschäftsleuten gut an. „Das gefällt mir“, sagt Christian Patrzek, der in der Bahnhofstraße eine Eisenhandlung betreibt und sich als Beisitzer im Wirtschaftsförderverein engagiert. Von einer Neugestaltung verspricht er sich vor allem eins: mehr Kundschaft. Patrzek ist davon überzeugt: Die Bahnhofstraße könnte sich als zweite Einkaufsmeile neben dem Ober- und Untermarkt etablieren - wenn die Strecke attraktiver wird. Aber auch die Unternehmer müssten ihren Beitrag dazu leisten, indem sie beispielsweise endlich mal eine Weihnachtsbeleuchtung anbringen und einen Christbaum aufstellen. (as)

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