Streit bei Almabtrieb

Mountainbiker zeigt Landwirt an

Eschenlohe - Der Eschenloher Rinder-Almabtrieb endete mit einem Besuch der Polizei: Ein auswärtiger Mountainbiker hat einen beteiligten Viehhalter nach einer Auseinandersetzung angezeigt.

Der Zwist enzündete sich auf dem Weg von der Eschenloher Kuhalm ins Tal. Der Mountainbiker zeigte den Landwirt nach Polizeiangaben wegen Nötigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung an.

Den Einheimischen, erzählen Zeugen, habe bei der Rückkehr in den Ort eine Polizeistreife erwartet. Der Landwirt, Mitglied im Alm- und Weideverein, der wie andere die insgesamt rund 200 Stück Jungvieh aus Eschenlohe und Schwaigen auf der Strecke begleitet hat, findet sich nun als mutmaßlicher Täter in einem Ermittlungsverfahren wieder. Die Auseinandersetzung, erklärt ein Beamter der Inspektion Murnau, soll ihren Lauf genommen haben, als der beschuldigte Landwirt den Mountainbiker nicht am Vieh vorbeilassen wollte.

Ein Vorgang, der Beteiligte ebenso alarmiert wie Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU): Generell komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen, wenn Biker rasant auf Bergstraßen unterwegs sind, sagt er - insbesondere auf der etwa 13 Kilometer langen, kurvenreichen Strecke von der Kuhalm, die überregional als Dorado für Radler gilt. Der Großteil verhalte sich vernünftig, sagt Kölbl, „aber einzelne gehen völlig egoistisch vor“. Immer wieder höre er von Stürzen sowie Beinahe-Kollisionen mit Holzfuhrwerken, Pkw und Traktoren.

Besonders haarig wird die Situation, wenn - wie bei den Almabtrieben, die in diesen Wochen im Landkreis laufen - Rinder im Spiel sind. Mountainbiker, die sich von hinten nähern, könnten die Tiere erschrecken, betont Jakob Schönach, Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands und Zweiter Vorsitzender des Alm- und Weidevereins Eschenlohe. Begleiter zwischen den Kälbern seien deshalb „angehalten, Radler darauf hinzuweisen, dass sie nicht durch die Herde fahren können“. Generell gilt: Gerät ein Tier in Panik und ins Laufen, überträgt sich dies auf die Herde. An Engstellen können tödliche Abstürze die Folge sein, wie es sie beim Eschenloher Vieh schon gegeben hat.

Auch Schönach betont: „Der Großteil der Mountainbiker verhält sich vorbildlich, manche lassen es aber richtig krachen. Es gibt immer wieder gefährliche Situationen.“ Den aktenkundigen Vorfall vom 8. September - den genauen Hergang muss die Polizei ermitteln - bekam er am Rande mit. „Es wird noch so weit kommen, dass wir beim Abtrieb beantragen müssen, den Weg zu sperren, wenn es nicht anders geht.“ Er rennt damit bei Kölbl offene Türen ein. Schönach, der indes auf eine Lösung im Guten hofft und an die Vernunft der Biker appelliert, hat zum einen das Risiko fürs Vieh im Blick, zum anderen die Menschen, die sich beim Abtrieb engagieren: „Jeder macht das ehrenamtlich, opfert einen Tag und hilft, dass die Almbewirtschaftung funktioniert - da kann es nicht sein, dass einer im Tal von der Polizei erwartet wird.“

Der Konflikt zwischen Mountainbikern und Vieh bleibt nicht auf Eschenlohe beschränkt. Auch Alois Kramer junior, Chef der Krüner Weidegenossen, kennt Probleme mit einzelnen schwarzen Schafen: „Die überwiegende Mehrzahl ist vernünftig - doch es gibt auch welche, die fahren von hinten in die Herde.“ Diese müsse man zur Rede stellen. (sj)

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