Barbara und Jürgen Fischer  vom Fischerhof in Hohenfurch
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Barbara und Jürgen Fischer sind auf die Geflügelpest gut vorbereitet. Ihre Tiere am Fischerhof sind längst sicher im Stall.

Vogel-Virus vor den Landkreistoren

Geflügelpest: „Für Menschen ungefährlich“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Geflügelzüchter im Landkreis Weilheim-Schongau sind in Alarm-Bereitschaft: Nur einen Steinwurf von der Landkreisgrenze entfernt in Apfeldorf wurde ein Fall von Geflügelpest bestätigt. Der wichtigste Punkt vorweg: „Im aktuellen Geflügelpestgeschehen gilt der bislang nachgewiesene Erreger als für Menschen ungefährlich“, betont Jens Lewitzki, Leiter des Veterinäramts Weilheim-Schongau.

Landkreis – Nur einen Steinwurf vom Hohenfurcher Geflügelhof Fischer entfernt ist die Fundstelle des infizierten Schwans. Für Hof-Chefin Barbara Fischer ist das nicht wenig überraschend. „Wir haben aus der letzten Geflügelpest gelernt“, erinnert sie sich an 2016, als das Virus zuletzt aufgetreten war. Das Geflügel auf dem Fischerhof ist längst im Stall untergebracht.

Ausnahmsweise dürfen die freilaufenden Tiere in den Stall

Eine Ausnahmeregelung, die nach dem Vorfall in Apfeldorf umgehend in Absprache mit dem Veterinäramt als Sofort-Maßnahme getroffen worden war. Denn: „Eigentlich müssen unsere Tiere raus, das ist Vorschrift.“ Und zwar für alle konventionellen Betriebe.

Jens Lewitzki ist Leiter des Veterinäramts.

Dass die Tiere jetzt erst mal auf ihr glückliches Freiland-Leben verzichten müssen, ist für die Fischers übrigens eine reine Vorkehrungsmaßnahme. Denn von dem riesigen Naturschutzgebiet im Lechrain liegen sie weit entfernt. „Wir liegen nicht in der Schneise, die die Wildvögel dort anfliegen.“ Kaum eines der Tiere, die die Seuche einfliegen könnten, hat sich jemals auf den Fischerhof verirrt, sagen sie.

Der Kot infizierter Tiere ist die Gefahrenquelle

Genau hier lauere aber theoretisch die Gefahr: Ein Wildvogel landet im Freilandgehege, friss mit den anderen Tieren und verteilt den Virus auf dem Hof über Kot-Hinterlassenschaften. Rein theoretisch. Denn: Einen solchen Fall gab es in Hohenfurch noch nie.

„Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis auch in unserem Landkreis erste Fälle zu erwarten sind.“

Jens Lewitzki, Leiter des Veterinäramts Weilheim-Schongau

Zirka 1000 Geflügelhalter sind derzeit im Landkreis Weilheim-Schongau registriert, zählt Jens Lewitzki, Leiter des Veterinäramts im Landkreis, auf. Seit in Bayern der Erreger H5N8 Ende November erstmals bei Stockenten im Landkreis Passau nachgewiesen worden war, sind sie gewarnt. Allerdings: „Uns liegen aktuell keine Meldungen über verendete Wildvögel im Landkreis vor“, so Lewitzki. Auch im Nutzgeflügelbereich gäbe es derzeit keine Anhaltspunkte für ein Auftreten der Erkrankung. Jedoch stimmt Lewitzki mit seinem Landsberger Kollegen überein: „Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis auch in unserem Landkreis erste Fälle zu erwarten sind.“ Er verweist dabei auf die Erfahrungswerte aus dem Geschehen im Jahr 2016.

Kurzfristig kann es zu einer Stallpflicht kommen

Je nach Entwicklung der Situation und einer damit einhergehenden Veränderung der Risikobewertung könne es auch im Landkreis Weilheim-Schongau „kurzfristig zu einer Stallpflicht für alle Geflügelhaltungen kommen, hält sich der Veterinär weitere Maßnahmen offen. Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten hat man hierzu gezielte Vorbereitungen getroffen. Unter anderem sei eine landkreisspezifische Risikobewertung für den Fall des Auftretens der Erkrankung im Landkreis erstellt worden. Auch am bayernweiten Wildvogelmonitoring ist der Landkreis beteiligt.

Schon jetzt gilt für alle Geflügelhalter: Die Maßnahmen zur „Biosicherheit“ müssen erhöht werden. Als „Biosicherheit“ wird die Disziplin bezeichnet, die sich mit der sicheren Handhabung und Eindämmung von infektiösen Mikroorganismen befasst. Gerade auf größeren Betrieben wie beispielsweise dem Fischerhof seien ohnehin schon hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards etabliert, betont Lewitzki.

Massen-Veranstaltungen wegen Corona ohnehin abgesagt

Was Massen-Zusammenkünfte mit Ansteckungsgefahr anbelangt, so bringt die Corona-Krise hier auch Gutes mit sich: Börsen und Märkte sowie Veranstaltungen ähnlicher Art, bei denen Geflügel verkauft, gehandelt oder zur Schau gestellt werden, sind Corona-bedingt ohnehin abgesagt.

Info Das FLI-Merkblatt „Schutzmaßnahmen gegen die Geflügelpest in Kleinhaltungen“ kann im Internet unter dem Link https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00000891/Merkblatt-AI_2016-11-25.pdf heruntergeladen werden. Hier gibt es für Leser und Geflügelhalter alle Basisinformationen zur „Biosicherheit“.

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