Alternative zu Händeschütteln in Corona-Zeiten: Bürgermeister Arno Nunn (r.) mit Nachfolger Andreas Rödl.

Auszählung hakte zwischendrin

Bürgermeisterwahl in Oberammergau: Andreas Rödl triumphiert

  • Ludwig Hutter
    VonLudwig Hutter
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Das war spannend: Am Ende mit gutem Ausgang für Andreas Rödl. Der CSU-Kandidat gewinnt gegen Ludwig Utschneider.

Update, 27. März: Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen im Landkreis. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen lesen Sie hier live im Wahl-Ticker für die Region Garmisch-Partenkirchen.

Oberammergau – 34 Jahre, seit zwei Jahren verheiratet, Polizist, Häuslebauer, Sänger und Angler aus Leidenschaft. Dann noch: aktueller Gemeinderat, seit acht Jahren CSU-Mitglied. Und schließlich: Oberammergau ist für ihn „der schönste Ort der Welt“. Ein Kurz-Porträt des künftigen Bürgermeisters der größten Gemeinde im Ammertal. Ja, Andreas Rödl ist es geworden. „So richtig fassen kann ich es noch gar nicht. Da werde ich wohl ein paar Tage brauchen.“ 1490 Stimmen (54,8 Prozent) erreichte der smarte Polit-Aufsteiger gegen seinen Mitbewerber, Ludwig Utschneider von der Parteilosen Wählergemeinschaft (PWG), der auf 1229 Stimmen (45,2 Prozent) kam. Ein Ergebnis, das für manche doch überraschend kam.

Die Bekanntgabe des Ergebnisses im Ammergauer Haus, wo die sechs Wahlbezirke ausgezählt wurden, zog sich: Gegen 18.45 Uhr stand der Sieger fest, doch irgendwie hakte es. Offenbar ein Zahlendreher. Zweiter Bürgermeister Eugen Huber unkte gar: „Vielleicht müssen wir alle Stimmzettel noch einmal zählen.“ Derweil im Foyer: Passionsspielleiter Christian Stückl und Werkleiter Walter Rutz kommen, erblicken den neuen Bürgermeister. Stückl verdrängt für einen Moment die Schutz-Etikette: „Trotz Corona, Andi geh’ her“, und lässt eine herzliche Umarmung folgen. Zu spüren an diesem Abend: Es sind nicht so viele interessierte Bürger, die die Stimmenauszählung live vor Ort verfolgen – die aktuelle Gefährdungslage aufgrund des Virus schlägt auch hier durch. Mancher scheut das Risiko, geht auf Nummer sicher und bleibt daheim.

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Dann endlich, um 19.30 Uhr, verkündet Noch-Bürgermeister Arno Nunn das Ergebnis. Vorher würdigt er noch die Bereitschaft beider Kandidaten, schließt in seinen Worten auch den Dienst der Wahlhelfer sowie das Engagement von Wahlleiterin Hella Kessner und Sabrina Neuner mit ein. Nunn ruft noch dazu auf, „in schweren Zeiten zusammen zu stehen“. Schließlich verkündet der scheidende Gemeindechef den Wahlsieger. Beifall, Bravo-Rufe. Andreas Rödl kündigt an, „angesichts der momentanen Situation auf eine große Feier zu verzichten“. Er ruft die im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen dazu auf, „zum Wohle des Dorfes an einem Strang zu ziehen und die Gräben zu überwinden“. Erst einmal freut sich der 34-Jährige, „dass die Anspannung jetzt weg ist“. Vor der vor ihm liegenden Aufgabe hat er großen Respekt: „Wir können diese Situation mit dem Coronavirus und den Passionsspielen, wie sie sich uns gerade darstellt, nur gemeinsam bewältigen und meistern. Es muss ein neues Gefühl entstehen.“

Wahl-Verlierer Ludwig Utschneider, der Rödl „viel Erfolg und Kraft für die bevorstehenden Aufgaben wünschte“, zeigte sich mit dem Ausgang der Wahl „nicht zufrieden“. Wörtlich sagte er: „Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber ich nehme es so hin. 45 Prozent sind ja auch kein schlechtes Ergebnis.“ Woran es letztlich gelegen hat, dass es für ihn nicht reichte, mochte Utschneider am Sonntagabend noch nicht analysieren: „Das ist alles zu frisch, um jetzt schon nach Gründen zu suchen.“ Der Sprecher der Freien Wähler im Gemeinderat sieht den künftigen Bürgermeister in der Rolle, „eine Riesenaufgabe bewältigen zu müssen, mit der vor zwei, drei Wochen nicht annähernd jemand gerechnet hatte . . .“

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