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Kandidaten-Trio mit Moderator: (v.l.) Thom as Mandl, Franz Späth, Michael Bourjau und Hans Hagn. 

Kommunalwahl 

Bürgermeisterwahl Tegernsee: Die Bewerber auf dem Podium

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Mehr als 150 Tegernseer kamen am Mittwoch zur Podiumsdiskussion der Kolpingfamilie Tegernseer Tal. Über zweieinhalb Stunden diskutierten die Bürgermeisterkandidaten. 

Tegernsee Was ihnen auf den Nägeln brennt, hatten die Bürger zuvor einreichen können. Bei der Diskussion bündelte Moderator Franz Späth, Kolping-Bezirksvorsitzender aus Bad Tölz, die Fragen zu Themenblöcken „Wohnbau“, „Verkehr und Hotelbauten“ und „Energieversorgung“ und ließ die drei Bürgermeisterkandidaten Hans Hagn (CSU), Michael Bourjau (FW) und Thomas Mandl (SPD) Stellung beziehen.

Der amtierende Bürgermeister Hans Hagn punktete mit Erfahrung, Kenntnis in der Fakten- und Rechtslage und einer versachlichten Herangehensweise. So möchte er weiter bezahlbaren Wohnraum schaffen und stadteigene Projekte mit der Zweitwohnungssteuer gegenfinanzieren. „Diese hat noch nicht die Wirkung erreicht, die wir uns vorstellen.“ So könne er sich eine weitere Erhöhung auch auf 25, 27 oder 30 Prozent vorstellen, bei entsprechender Zweckbindung.

Michael Bourjaus Herangehensweise an die Probleme wiesen deutlich auf seine betriebswirtschaftliche Herangehensweise und seine Berufserfahrung als Unternehmensberater hin. Er forderte bei allen Themen – insbesondere bei der Entwicklung der Infrastruktur wie beispielsweise dem Bahnhofsareal – ein strukturiertes Vorgehen durch einen dezidierten Gesamtplan. Ein solcher solle unter sein Ägide für die nächsten 10, 20 Jahre aufgesetzt werden. „Und wenn wir uns konzeptionell einig sind, kann man es Stück für Stück anpacken“, sagte. Generell würde Bourjau Tegernsee mehr als Teil des Tegernseer Tals betrachten wollen – dabei aber die eigene Identität hochhalten.

SPD-Kandidat Thomas Mandls Ansatz ist der soziale und der gemeinschaftliche. Das schließt stets enge Absprachen mit den Nachbargemeinden ein, beispielsweise auch die Verkehrsregulierung durch Großparkplätze und Shuttlebusse. Mandl schreibt das Thema Bürgerbeteiligung groß. So forderte er zur Entwicklung des Bahnhofsareals eine Ideenwerkstatt. Er kann sich auch ein Aufstocken von Häusern und eine maßvolle Nachverdichtung vorstellen. Aber: „Hände weg vom Außenbereich.“

Zum Ende nahmen die Kandidaten noch Stellung zu Fragen aus dem Publikum, etwa zur 5G-Technik (durch die Bank skeptische bis ablehnende Haltung, bis die Risiken geklärt sind), zum Tourismus und zu Angeboten für die Jugend und Senioren. Zukunftsvisionen der drei Bürgermeisterkandidaten rundeten den Abend humorvoll ab (siehe unten).

Eine große Übersicht zu den Bürgermeisterwahlen im Kreis Miesbach finden Sie hier.

Die Kandidaten im O-Ton

Wohnen

Hagn: „Wir haben ein Defizit bei Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen. Aber indem wir die Syltisierung bekämpfen, tragen wir zur Monacosierung bei. Das muss uns bewusst sein.“

Mandl: „Genossenschaftliches Bauen funktioniert, und auch mit Sozialwohnungsbau kann man Erträge erwirtschaften. Wohnen ist ein Grundrecht. Aber wir sollten ruhig auch mit neuen Wohnformen wie Tiny-Houses, Alters-WGs und Mehrgenerationenhäusern experimentieren.“

Bourjau: „Wegen des Zusammenhangs zwischen Arbeitsplätzen und Wohnraum würde ich alle künftigen Gewerbebetriebe und Kliniken dazu verdonnern, Wohnungen für ihre Beschäftigten vorzuhalten.“

Verkehr

Hagn: „Am besten die Münchner steigern erst gar nicht ins Auto, sondern fahren von vorneherein öffentlich.“

Bourjau: „Die BOB bietet keine ausgeglichene Leistungsfähigkeit. Wir sind hier überdies die einzige Region, in der der ÖPNV nicht vernetzt ist. Es fehlt ein Mobilitätskonzept.“

Mandl: „Wir müssen die Mobilität intelligenter gestalten und proaktiv entsprechende Forderungen stellen. Wir brauchen einen gesunden Mix aus BOB, Shuttle-Bussen, Mieträdern usw. Der ÖPNV muss schneller, bequemer und günstiger sein als das eigene Auto.“


Zukunftsvision

Michael Bourjau: „Ich sehe in der Zukunft, dass das gesamte Tegernseer Tal seine Identität und bayerische Kultur mit der Tegernseer Architektur bewahrt hat. Der ÖPNV hat den Verkehr beruhigt, es gibt nur noch wenige eigene Pkw.“

Hans Hagn: „Ich sehe in Zukunft die Hauptstraße ohne Verkehr, weil es uns irgendwie gelungen ist diesen durch das Berginnere zu führen. Ich sehe Schifffahrt und Taxischiffe, dass wir alt und gesund werden, die Unternehmen Gewinne machen und die Tegernseer um ihren Bürgermeister beneidet werden.“

Thomas Mandl: „Ich stelle mir das Tegernseer Tal der Zukunft als eine große Familie vor, eine Gemeinschaft, die Neues ausprobiert und gemeinsame Lösungen findet. Tegernsee ist ein Teil dieser großen Familie und ich bin seit vielen Jahren schon nicht mehr Bürgermeister.

Mehr Nachrichten

aus dem Tegernseer Tal finden Sie hier.

Lesen Sie auch: Der neue Gusto ist da: Der Tegernsee sahnt wieder Pfannen ab

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