Hier wollen die Stadtratswahl-Kandidaten 2020 hin: in den Alten Rathaussaal in München

Kommunalwahl am 15. März 2020

Listenplatz 80 bei der Kommunalwahl in München: So fühlen sich die „Schlusslichter“ 

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Ist man bei der Stadtratswahl München auf einem hinteren Listenplatz chancenlos? Wir haben Kandidaten gefragt - mit überraschendem Ergebnis.

  • Bei der Kommunalwahl Bayern 2020 treten in München auch Kandidaten auf Platz 80 einer Liste an. 
  • Viele glaube, so weit hinten hat man kaum eine Chance, tatsächlich in den Stadtrat einzuziehen.
  • Es zeigt sich aber: Der letzte Platz ist vielleicht ähnlich populär wie der erste.

München - Am 15. März wählen die Münchner einen neuen Stadtrat und Oberbürgermeister. Maximal 80 Politiker können im Sitzungssaal des Rathauses die Interessen ihrer Parteien vertreten. Das schreibt das Wahlrecht so vor, und es hängt von der Größe der Kommune ab. In Nürnberg gibt es beispielsweise nur 70 Stadträte. In München nominieren die meisten Parteien 80 Personen für ihre Wahllisten

Um die vorderen Plätze gibt es oft ein großes Gerangel, schließlich gilt es als aussichtsreicher, unter den ersten zehn oder 20 Kandidaten zu sein als auf einem Platz ab 60. Doch nicht immer bedeutet ein hinterer Platz Chancenlosigkeit. So zog Josef Assal 2014 bei der SPD von Platz 51 auf Platz 25 vor und in den Stadtrat ein. Wir haben uns bei den Helden der Hinterbank umgehört und wollten wissen, warum sie auf dem letzten Platz 80 für ihre Parteien kandidieren.

Christian Werner (FDP)

Christian Werner (FDP München)

Christian Werner ist Angestellter im öffentlichen Dienst, wohnt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in Au-Haidhausen. „Meine Grundeinstellung ist liberal“, sagt der 65-Jährige, der seit 2005 Mitglied der FDP München ist und dort schon in verschiedenen Funktionen tätig war. Für den Bezirksausschuss Au-Haidhausen tritt er als Spitzenkandidat auf der FDP-Liste an. Dort läge auch der Schwerpunkt seines politischen Engagements. „Als Mandatsträger und aktives ehrenamtliches Mitglied in der Kommunalpolitik ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, meine FDP und deren programmatische Kommunalpolitik mitzutragen und auch auf den Listen zu kandidieren und für die gemeinsamen Ziele zu werben“, sagt er.

Julia Sterzer (SPD)

Julia Sterzer (SPD München)

„Platz 80 auf der SPD-Stadtratsliste kann man sicherlich eine gewisse Prominenz attestieren – immerhin ist er das Pendant zu Platz eins unseres amtierenden Oberbürgermeisters Dieter Reiter“, sagt Julia Sterzer (52). Münchens AWO-Chefin will zeigen, dass sie die Arbeit der SPD-Fraktion im Rathaus unterstützt. „Die SPD prägt unser schönes München mit ihrer Politik seit Jahren maßgeblich, und ich wünsche mir, dass das so bleibt.“ Das Programm der SPD überzeuge sie und decke sich, insbesondere in der Sozialpolitik, mit den Positionen der AWO. „Ich stehe für eine bunte, solidarische Stadtgesellschaft, in welcher auch Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, diese bekommen und ihren Platz haben.“

Ferdinand Brinkmöller (CSU)

Ferdinand Brinkmöller (CSU München)

Der IT-Fachmann Ferdinand Brinkmöller ist glücklich darüber, ein Teil der CSU-Stadtratsliste zu sein. „Wir verfügen über viele engagierte Kommunalpolitiker“, sagt der 61-Jährige. Aufstellen lassen habe er sich, um seine 45-jährige politische Erfahrung und Kompetenz als Petrologe (Steinkundler) und EDV-Sachverständiger einzubringen. „Zudem bin ich seit 2008 Mitglied des Bezirksauschusses Untergiesing-Harlaching.“ Brinkmöller gilt darüber hinaus als der Erfinder des W-Lans. Mit dem MagNet schuf Brinkmöller 1995 ein technisches System zur drahtlosen Datenkommunikation zwischen zwei oder mehreren PC-Systemen oder Peripheriegeräten. Es war eines der ersten Systeme, das drahtlose Vernetzung ermöglichte, und ist so bis heute in kleinen PC-Netzwerken nutzbar.

Max Döring (Grüne)

Platz 80 sei natürlich kein aussichtsreicher Listenplatz, sagt Max Döring (62). Aber: „Ich will die Grünen bei der Stadtratswahl, so gut es geht, unterstützen. Und das geht auch von Platz 80 aus.“ Für ihn zähle allein ein starkes grünes Gesamtergebnis und nicht sein individuelles Abschneiden bei der Stadtratswahl. „Auf welchem Platz ich am Schluss lande, ist nebensächlich. Wenn aber meine erzielten Stimmen Neonazis oder Rechtspopulisten den Einzug in den Stadtrat verwehren könnten, wäre das für mich persönlich sehr viel wert.“ Bei der Bezirkswahl im Herbst 2018 hatte der 62-jährige Döring im Stimmkreis München-Bogenhausen mit 27,97 Prozent der Stimmen das Direktmandat gewonnen.

Mehr zum Thema im Video: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

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