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Hans-Jochen Vogel (SPD) hat heute Geburtstag. Er war von 1960 bis 1972 Münchner Oberbürgermeister.

Rekordergebnisse wie unter Hans-Jochen Vogel in weiter Ferne  

Kommunalwahl in München: Die Genossen bangen um ihre Bastion

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
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Dieter Reiter (SPD) geht zwar als Favorit ins OB-Rennen, doch seine Partei hat aktuell einen schweren Stand. Die Grünen mausern sich zur neuen Großstadtpartei. 

München - Es gab Zeiten im Münchner Stadtrat, die wirken aus der heutigen politischen Perspektive betrachtet fast unwirklich. Von 1978 bis 1984 zum Beispiel waren im Kommunalparlament nur CSU, SPD, FDP und eine kleine Splittergruppierung vertreten. Gerade mal vier Parteien, im neuen Stadtrat 2020 werden es wohl gut ein Dutzend sein. Die CSU hatte damals unter OB Erich Kiesl sogar die absolute Mehrheit. Für die Christlich-Sozialen war dies allerdings nur ein kurzes Intermezzo der angenehmeren Art. Ansonsten war und ist der Chefsessel im Rathaus seit 1948 fest in SPD-Hand.

Kommunalwahl 2020 in München: Die Genossen bangen um ihre Bastion

Dabei feierten die Sozialdemokraten Erfolge, die bei den heute politisch aktiven Genossen wohl nostalgische Träume auslösen. Hans-Jochen Vogel – er wird heute 94 Jahre alt – erreichte 1966 als OB-Kandidat 78,0 Prozent. Und das, obwohl er mit Georg Brauchle (19,1 Prozent) einen Konkurrenten von der CSU und zwei weitere Mitbewerber hatte. Klingt ebenfalls fast unwirklich. Auch Christian Ude, der OB mit der intellektuellen Note, kam für die SPD drei Mal im ersten Wahlgang auf mehr als 60 Prozent. Georg Kronawitter – Spitzname „Roter Schorsch“ – schaffte dieses Kunststück einmal im Jahre 1990. Von 1948 bis 1978 war München durchgehend rote Bastion. Auch danach gelang es der CSU nur Mitte der 90er-Jahre, die SPD um ein Mandat zu überflügeln.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie am Wahlabend alle Ergebnisse

Doch die Bastion wackelt, und zwar gewaltig. Schon bei der vergangenen Kommunalwahl 2014 rutschten die Sozis erneut hinter die CSU. Das Ergebnis von 30,8 Prozent wurde damals als Betriebsunfall gewertet. Aber die Zeiten ändern sich. Bei der kommenden Kommunalwahl würde die SPD die Sektkorken knallen lassen, sollte sie wieder bei rund 30 Prozent landen. Denn mit dem vor einigen Jahren einsetzenden Dauertief der Genossen begann der grüne Höhenflug. Vor allem in den Großstädten erklimmen sie in der Wählergunst Höhen, die früher nur den klassischen Volksparteien vergönnt waren. Ja eigentlich haben die Grünen im Großstadtmilieu Münchens bereits die Rolle der Volkspartei 2.0 eingenommen. Jeweils rund 31 Prozent bei der Landtagswahl 2018 und bei der Europawahl 2019 bedeuteten mit großem Abstand vor der CSU Platz eins.

Kommunalwahl 2020 in München: Wählerwanderung mehr als ein Warnsignal 

Eine Analyse nach der Europawahl förderte spektakuläres und aus Sicht der SPD schauderhaftes Zahlenmaterial zutage, was die Parteienpräferenz der Altersgruppen betrifft. So holten die Grünen bei den 18- bis 44-Jährigen rund 41 Prozent, die SPD etwa 7,5 Prozent. Speziell bei der jüngeren Generation scheinen die Genossen den Boden unter den Füßen verloren zu haben. Ein Problem, mit dem sich im Übrigen auch die CSU – wenngleich nicht in dieser Dimension – herumschlagen muss. Sicher, die Kommunalwahl unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten, aber vom Grundsatz her sind diese Wählerwanderungen mehr als ein Warnsignal für die Volksparteien der Vergangenheit.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Was sind die wichtigsten Termine?

Damit verschiebt sich auch die Erwartungshaltung für die Kommunalwahl. 2014 bejubelten die Grünen ihr damaliges Rekordergebnis von 16,6 Prozent, nun würde dieser Grad der Zustimmung lange Gesichter verursachen. Allseits wird in München ein Dreikampf um die Spitzenposition zwischen CSU, SPD und Grünen erwartet.

Und erstmals wird es auch einen Dreikampf um den Chefsessel im Münchner Rathaus geben. SPD-OB Dieter Reiter muss sich der Herausforderinnen Katrin Habenschaden (Grüne) und Kristina Frank (CSU) erwehren. Ein Erfolg im ersten Wahlgang, wie ihn seine großen Vorgänger Thomas Wimmer, Hans-Jochen Vogel, Georg Kronawitter und Christian Ude reihenweise einfuhren, wäre heutzutage als Sensation zu werten.

Lesen Sie auch: Kommunalwahl 2020: Münchens Nachwuchs-Politiker - Das finden sie gut, das sind ihre Forderungen 

Wann sie kommt, was in ihr drin steht und wofür der Wähler sie benötigt - alle Informationen zur Wahlbenachrichtigung für die Kommunalwahl 2020 in Bayern.

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