Übertragung ins Internet: Redaktionsleiterin Veronika Wenzel interviewt den Reichersbeurer Bürgermeister-Kandidaten Ernst Dieckmann vor laufender Kamera. Foto: arp

Dieckmann: "Sonst geht weiter nichts voran"

Reichersbeuern - Per Direktübertragung ins Internet führte Redaktionsleiterin Veronika Wenzel ein Interview mit dem Reichersbeurer Bürgermeister-Kandidaten Ernst Dieckmann.

Hunderte von Menschen verfolgten im Internet mit, wie sich Ernst Dieckmann die Zukunft von Reichersbeuern vorstellt, wo er Stärken und Schwächen sieht. Dem Bürgermeisterkandidaten wurde nicht widersprochen - seine Gegenkandidatin Maria Fährmann hatte eine Podiumsdiskussion abgelehnt.

Eine Premiere für den Tölzer Kurier: Vor laufender Kamera plauderte Redaktionsleiterin Veronika Wenzel eine gute Stunde lang mit Ernst Dieckmann - das Gespräch wurde per „Live-Stream“ auf die Internet-Seite des Tölzer Kurier übertragen. Es gab 780 Seitenaufrufe.

Immer wieder taucht an diesem Abend das Wort „Vertrauen“ auf - meist mit dem Zusatz „fehlendes“. Dieckmann will im Falle seiner Wahl Vertrauen wieder herstellen, dass er bei der amtierenden Bürgermeisterin Fährmann verloren glaubt. „Der Gemeinderat wird vielfach nicht mit einbezogen, nicht ausreichend und frühzeitig genug informiert“, so der Kandidat der Freien Wähler. Das betreffe nicht nur seine Fraktion, sondern auch die anderen am Ratstisch.

Fährmann wolle als Bürgermeisterin alles selber machen, alles am besten wissen, alles selbst bestimmen. „Sie zeigt einer Putzfrau, wie sie den Boden zu wischen hat, dem Bauhof, wie das Schneeräumen geht - das ist nicht, wie ich mir die Aufgabe eines Bürgermeisters vorstelle.“

Mit der Rathausverwaltung verhalte es sich nicht viel anders. „Mitarbeiter werden zu wenig eingebunden, es herrscht zu wenig Transparenz. Dabei haben wir in der Gemeinde gute und kompetente Mitarbeiter.“ Diese könnten vor allem durch Vertrauen in ihre Arbeit und Kompetenz wieder motiviert werden. Auch zum Thema Rathaus bezieht Dieckmann Stellung: „Das soll ein Rathaus für die Bürger sein, und zwar für alle, um hier Dienstleistungen abzurufen.“ In dem bisherigen Konzept der energetischen Sanierung sei Barrierefreiheit gar nicht vorgehesen. „Aber auch die Alten und die Behinderten müssen hier gut aufgehoben sein.“ Auf die Kosten angesprochen, betonte Dieckmann, die Schätzung für die Sanierung habe sich nahezu verdoppelt, die Kosten für einen Neubau seien unter zwei Millionen anzusiedeln - wie in Königsdorf etwa. Laut Dieckmann könne nach reiflicher Überlegung auch eine Mischung aus Sanierung und Neubau herauskommen. Dass Fährmann, die eine Sanierung bevorzugt, zum Rathaus eine Bürgerbeteiligung wünscht, ist für Dieckmann nur ein Schachzug, um den Gemeinderat auszuhebeln. „Fährmann interessiert die Meinung von zwölf Gemeinderäten nicht, stattdessen will sie ihre Meinung nun mit Hilfe der Bürger durchsetzen, obwohl das Rathaus wirklich eine komplexe Materie ist.“ Ein Bürgermeister „sollte mit dem Gemeinderat entscheiden, nicht gegen ihn“, ist sich Dieckmann sicher: „Echte Bürgerbeteiligung wäre zum Beispiel eine Podiumsdiskussion mit beiden Kandidaten gewesen.“ Er wolle nach seiner Wahl sofort ein Gemeindeblatt ins Leben rufen, um die Bürger regelmäßig über die wichtigen Dinge im Ort zu informieren.

Darauf angesprochen, dass ihn vor allem seine Gegner wegen seiner norddeutschen Herkunft als „Zuagroastn“ bezeichnen, bleibt Dieckmann locker. „Es ist nicht entscheidend, woher man kommt, sondern wofür man steht.“ Wenn er mit der Feuerwehr früh um vier als First Responder ausrücke, „bin ich noch nie gefragt worden, ob ich ein Zuagroasta bin“.

Zum Thema Wohnraum für Einheimische antwortet Dieckmann zwiegespalten. „Familien müssen sich verwirklichen können, denn üblicherweise bauen sie nur einmal im Leben ein Haus.“ Trotzdem dürfe das Dorfbild nicht grundsätzlich verändert werden. Fehlende Spielplätze für Kinder, neue Gewerbeflächen, kontrollierter Zuzug und bedarfsgerechtere Zeiten für die Kinderkrippe waren weitere Themen. Dass der alte Schießplatz nicht erworben wurde, bezeichnet er als „vertane Chance für weitere Gewerbeflächen“. Zum Thema „Sparen“ kritisierte Dieckmann seine Widersacherin: „Wenn ich wie Frau Fährmann heute an der Straßensanierung spare, dafür trifft mich in ein paar Jahren ein viel teurerer Straßenneubau - das ist für mich nicht sparen.“ Man müsse Themen angehen und entschlossen handeln, „sonst geht wie bisher Jahr und Tag nichts voran“.

Was ihm am besten an Maria Fährmann gefalle, will Wenzel noch wissen. „Ihr Mann Hans, der ist ein feiner Kerl.“

Hier können Sie das Live-Interview noch einmal ansehen.

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