Faire Geste: Maria Fährmann gratuliert ihrem Nachfolger Ernst Dieckmann zu seinem Wahlerfolg. foto: mk

Tränenreicher Wahlabend

Reichersbeuern - Paukenschlag und Tränen in Reichersbeuern: Mit beachtlichen 134 Stimmen Vorsprung zieht Ernst Dieckmann (Freie Wähler) ins Rathaus ein. Zurück bleibt eine niedergeschlagene Maria Fährmann (CSU).

Die Anspannung war Amtsinhaberin Maria Fährmann und ihrem Kontrahenten Ernst Dieckmann gleichermaßen anzusehen. Fährmann - im schwarzen Kostüm -, saß über weite Strecken der Auszählung an einem Tisch in der Reichersbeurer Wahlzentrale in der Volksschule. Nur selten huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Ernst Dieckmann, der erst gegen 18.30 Uhr und im Trachtenanzug im Wahllokal eintraf, war ebenfalls sichtlich nervös. Ein knapper Handschlag verrät, dass es um das Verhältnis der beiden Rivalen nicht gerade zum Besten steht.

Eine erste leise Wasserstandsmeldung gab es bereits kurz nach 18.30 Uhr, als einer der Wahlhelfer Dieckmann zuflüstert: „Es schaut ganz gut aus.“ Unverändert nervös tigerte Dieckmann dennoch immer wieder durch den Raum, verließ ihn ab und an, um zu telefonieren. Um 19.06 Uhr dann die Gewissheit: Gemeinde-Geschäftsstellenleiter Josef Wagner verkündet das vorläufige Endergebnis der Reichersbeurer Bürgermeisterwahl. Maria Fährmann konnte demnach 573 Stimmen auf sich vereinen, 707 Wähler gaben ihrem Herausforderer das Vertrauen. „Die Gemeinde hat damit einen neuen Bürgermeister“, sagte Wagner. Wie sehr die Reichersbeurer an dieser Wahl interessiert waren, zeigte sich an der hohen Beteiligung von 73 Prozent.

Zunächst ergriff, sichtlich zerknirscht, Maria Fährmann das Wort. Sie wolle sich bei allen ihren Wählern bedanken. „Ich habe viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Auch wenn vieles schlechtgeredet wurde“, sagte die scheidende Rathauschefin. Sie sei jeden Tag in den vergangenen sechs Jahren gerne ins Rathaus gegangen, und mit der „Mannschaft“ habe sie stets gerne zusammengearbeitet. In Richtung ihres Nachfolgers sagte sie: „Pass’ mir auf die Mannschaft auf.“ Anschließend brach sie in Tränen aus. Das Leben gehe trotz der enttäuschenden Niederlage aber weiter, so Fährmann. „Es gibt so viele Möglichkeiten.“

Dieckmann, mittlerweile völlig gelöst, versprach in einer ersten kurzen Rede als künftiger Amtsinhaber, sein Bestes zu geben, um in Zukunft verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Maria Fährmann dankte er für einen fairen und sachlichen Wahlkampf. Aber Demokratie lebe eben vom Wechsel. Nun freue er sich auf seine neue Aufgabe. „Ich werde jetzt mit allen reden und schauen, welche Aufgaben zu erfüllen sind.“ Es gebe viele Themen, wie etwa den Kindergarten, die Dieckmann anpacken werde. „Und was ich im Wahlkampf gesagt habe, dazu muss und werde ich jetzt stehen.“

Gefeiert wurde der Wahlsieg, mit dem Dieckmann nicht wirklich gerechnet hatte, im Reichersbeurer „Altwirt“. Jedem seiner Helfer hatte er eine Maß Bier versprochen. (Andreas Huber)

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