Zwei Listen

Die Freien Wähler spalten sich

Dachau - Der Wahlzettel für den Kreistag wird eine Überraschung präsentieren: zwei Listen der Freien Wähler. Denn Edgar Forster hat sich von Josef Baumgartner losgelöst.

Nun ist es raus. „Ja, es stimmt. Wir haben für die Kreistagswahl eine eigene Liste“, sagt Edgar Forster, Chef der Freien Wähler Dachau. Und fügt sogleich hinzu: „Das ist nichts Besonderes.“ Das sei ganz normal, betont Forster: „Es gibt dann eben eine Land-Liste und eine Stadt-Liste.“ Also: „Wo soll das Problem liegen?“

Bei ihm. Findet Josef Baumgartner, Chef der Kreisverbands der Freien Wähler. Denn: „Es war noch nie einfach mit den Dachauern. Weil der Herr Forster schon immer sein Ego befriedigen wollte.“ Baumgartner habe gehofft, dass es besser werden würde - „aber es hat sich nur verschlimmert“.

Forster sieht das jedoch ganz entspannt. „Wir sind alle keine Feinde“, betont er. Außerdem sei die zweite Liste ja ein Vorteil. Erstens für die anderen Listen - „Konkurrenz belebt das Geschäft“ - und zweitens für den Wähler: Denn es gibt dadurch mehr Kandidaten, also mehr Auswahl.

Genau dieses Argument sieht Baumgartner allerdings als Nachteil: „Mir ist das ja relativ wurst - aber das Problem für den Wähler ist doch: Wo liegt der Unterschied?“ Baumgartners Liste soll „Freie Wähler“ heißen, Forsters Liste „Freie Wähler Dachau“. Hört sich ziemlich ähnlich an. Doch Forster weist jeden Vorwurf von sich: „Mir ist es doch egal, wie die sich nennen.“ Außerdem seien „die Freien Wähler anders konstruiert als eine Partei“ - es ist eben nur eine „Wählergruppe“.

Diese Gruppe hatte aber zumindest schon eine Landratskandidatin präsentiert: Michaela Steiner. Ist sie das Problem? „Damit hat das nichts zu tun“, wehrt Forster ab. Einen eigenen Kandidaten will er auch nicht aufstellen. Und wen unterstützen? „Da bin ich überfragt“, sagt er. Steiner habe er schon bei seinem Stammtisch vorgestellt, aber den CSU-Kandidaten Stefan Löwl auch. Und vielleicht kommt Martin Güll (SPD) auch noch, frohlockt Forster: „Wir haben da keine Berührungsängste.“

Über all das kann Steiner nur lachen: „Deren Unterstützung brauche ich nicht“, sagt die Dachauerin. Sie selbst sei eine „freie Kandidatin“ - und das Listen-Problem eine „interne Sache der Freien Wähler“. Das sie sich so erklärt: „Herr Forster hat das Bedürfnis, unbedingt in den Kreistag zu kommen.“

Ähnlich äußert sich Maria Kaltner aus dem Vorstand der ÜB. Es liege daran, dass die Dachauer Kandidaten bei den vergangenenen Wahlen Probleme hatten. „Der Altomünsterer Wähler wählt eben den Altomünsterer Kandidaten“, sagt Kaltner. Aber: „Das heißt noch lange nicht, dass ein Dachauer Wähler einen Dachauer Kandidaten wählt.“ Die ÜBler störe das nicht, sie konzentrieren sich auf die Stadtpolitik, bleiben also bei der „üblichen Liste“, und unterstützen die Kandidatin Steiner „zu 100 Prozent“. Für Forster aber, sagt Kaltner, sei die neue Liste „ein Versuch. Und vielleicht schafft er es ja, einen Kandidaten rein zu bringen.“

Wenn ja, wäre Forster bereit. Er wird selbstverständlich auf Platz eins stehen. Dahinter sind „nicht nur No-Names“, so Forster, sondern, nur zum Beispiel, die beiden „jungen Kandidaten“, die eben einen „guten Wahlkampf“ geführt haben, so Forster: Markus Erhorn und Sebastian Leiß, Forsters Neffe. Außerdem sind die Dachauer Stadträte dabei, viele Karlsfelder und „ein paar Leute aus dem Hinterland, die ein Problem hatten und zu uns kommen wollten“. 75 Kandidaten hat er schon, betont Forster.

„Is’ scho’ Recht“, sagt Baumgartner auf diese Ansage seines Gegners hin. „Wir haben 60 Kandidaten.“ Reicht auch. Denn der Kreistag hat nur 60 Sitze.

Nina Praun

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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