Alle für ein Bündnis: (v.l., hinten) Kai Kühnel, Susanne Frölian, Michael Boehm, Michael Eisenmann, Lena Wirthmüller, (Mitte) Sabine Geißler, Marion Boehm, (vorne) Mike Berwanger, Bernhard Sturm und Helmut Geißler. kn

Bündnis für Dachau

Die Vision von der Vision

Dachau - Die Mitglieder des Bündnis für Dachau haben sich eingehend Gedanken gemacht. Und nun ihre Ideen zu Papier gebracht: plakativ, kompakt - und strukturiert. Denn sie haben eine Vision: von einer Vision.

Das Bündnis will in Dachau eines: Visionen entwickeln. Heißt: Die Verantwortlichen in der Stadt sollen sich Gedanken machen - und zwar, bevor auch nur irgendetwas entschieden wird. „Es geht darum, vorwärts zu denken und nicht nur zu reagieren“, sagt etwa Susanne Frölian. Das haben sich die Mitglieder gleich selbst zu Herzen genommen - und ihre Vision zu Papier gebracht.

Denn Ideen haben sie, die 15 Mitglieder des Bündnis für Dachau. Jede Menge. Die stellten sie nun dar, auf großen Plakate, kleinen Heftchen - und ausführlich im Internet. Das neue Programm präsentierten sie am vergangenen Mittwoch der Öffentlichkeit. Stolz und erhobenen Hauptes. „Die Grundidee war, dass wir die einzige Gruppierung sind, die ein so umfangreiches Programm erstellt hat“, erklärt Michael Eisenmann. Seit 18 Jahren ist das Bündnis im Stadtrat, betont er, und: „Wir sind stolz darauf, dass viele Ideen von uns übernommen worden sind.“ Dafür hat das Bündnis auch einige „Experten“ aus den ehemaligen Thementischen rekrutiert. Denn: „Deren Arbeit haben wir fast zu 100 Prozent aufgenommen“, betont Eisenmann. „Das war hervorragende Arbeit.“ Das Ziel: Dachau soll mehr Lebensqualität bekommen. In fünf Bereichen:

-Soziales

Das Bündnis hat die Stadt Dachau in Sozialräume aufgeteilt - in Ost, West, Süd, Augustenfeld und Mitte. Und dann die Frage gestellt: „Was braucht das jeweilige Viertel?“, so Susanne Frölian. Etwa: ein Mehrgenerationenhaus in Süd, einen Erlebnisspielplatz in West oder ein Jugendzentrum in Augustenfeld. Das wichtige an jeder Planung: Es sollen Freiräume geschaffen werden, „Begegnungsräume“, so Frölian. „Wo nicht immer alles gelenkt und geleitet wird“, so Sabine Geißler.

-Stadtentwicklung

Mit solchen Begegnungsräumen soll die Stadt urbaner werden - mit moderatem Zuzug, als Erlebniswelt. Eben keine Schlafstadt. Deshalb ist sich das Bündnis in Sachen MD-Gelände und Umsiedelung des TSV 1865 einig: so nicht. Beim ehemaligen MD-Gelände soll ein Mischgebiet ausgewiesen werden, so dass sich auch Handwerks- und kleine Industriebetriebe ansiedeln können. Wohnen plus Arbeiten also. „Dann wird das nicht nur eine Schlafstadt“, so Mike Berwanger. Bis dahin soll es eine Zwischennutzung geben, für Kultur, bürgerliches Engagement - und einen Campingplatz. In Sachen TSV stellt sich das Bündnis sowieso die Frage: „Was bringt das Ganze?“, so Michael Boehm. Nicht mehr Platz für die Mitglieder, sondern nur mehr Verkehr? „Bedenklich“, findet Boehm das.

-Verkehr

Denn der Verkehr ist in den Augen des Bündnisses sowieso eine „Problematik“. In Zukunft soll in Dachau eine „menschengerechte Geschwindigkeit“ entstehen, erklärt Bernhard Sturm. In „Begegnungszonen“ soll gleiches Recht für alle Verkehrsteilnehmer gelten, egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. Nicht nur in der Altstadt seien solche Zonen angebracht, sondern überall dort, wo „Wohngebiete von Straßen durchschnitten werden“, erklärt Michael Eisenmann.

-Kultur und Zeitgeschichte

Gleichzeitig soll der Kulturbegriff der Stadt „weiter gefasst“ werden, sagt Kai Kühnel. Mit: Musik, bildender Kunst, Tanz, Theater, Kabarett, Literatur, Mode, Film, Foto und Jugendkultur. „Wir wollen der bildenden Kunst nichts weg nehmen, aber andere Bereiche höher heben“, so Kühnel. Ein internationales Kulturfest, ein virtuelles Museum oder die „Amperau“ als Wasser-Kunst-Literaturmeile sind einige Ideen des Bündnis.

-Umwelt und Energie

In diesem Bereich sieht das Bündnis ein großes Potenzial: „Wir haben in Dachau zwei unschätzbare Vorteile: Wir haben ein eigenes Stromnetz und ein eigenes Gasnetz“, sagt Eisenmann. „Zusammen sind sie für die komplette Energiewende die perfekte Basis.“ So solle Power-to-Gas (Energie in Gas umwandeln) genutzt und Blockheizkraftwerke gebaut werden. Die Stadtwerke sollen mehr lokale Energie erzeugen. „Wenn das Geld wegfließt, ist es weg“, so Sabine Geißler. „Wir geben etwa 70 Millionen Euro pro Jahr für Energie aus“, sagt Eisenmann. „Wenn wir dieses Geld in der Region behalten, wäre das ein unglaubliches Wirtschaftsprogramm.“

Nina Praun

(Informationen über das Wahlprogramm gibt es unter buendnis-fuer-dachau.de.)

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