So nah waren sie sich nicht immer: Grafings Bürgermeister Rudolf Heiler (FW) gratuliert seiner Nachfolgerin Angelika Obermayr (Grüne). Foto: sro

CSU: Wir haben Altlasten

Grafing - Kurz nach der Wahlniederlage im Kampf um den Bürgermeistersessel in Grafing ist die CSU dabei, sich neu zu sortieren. Personelle Konsequenzen wird es vorerst nicht geben, kündigte Ortsvorsitzender Josef Carpus an.

Der Ortsverband wird sich in den nächsten Tagen zur Neuorientierung treffen, kündigte Carpus am Montag auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung an. „Wir haben Altlasten in der CSU“, meint er vorsichtig, ohne Namen zu nennen. Das Wahlergebnis war für die CSU mehr als nur enttäuschend. Wie berichtet, kam die CSU-Bewerberin Susanne Linhart (52) nur auf 39,7 Prozent, während die grüne Kandidatin Angelika Obermayr (54) überraschend satte 60,3 Prozent einfuhr. Carpus führt das Ergebnis unter anderem darauf zurück, dass es „keinen themenbezogenen Wahlkampf“ gegeben habe. Er kann der Situation, in der sich die Christsozialen momentan befinden, sogar etwas Positives abgewinnen: „Wenn man ganz unten angelangt ist, kann man frisch anfangen.“

Zur Erinnerung: Die CSU in Grafing hat einen dramatischen Erosionsprozess hinter sich. Nach der Kommunalwahl 2002 waren die Christsozialen mit 14 Sitzen im Stadtrat vertreten, stellte die absolute Mehrheit und den Bürgermeister. Bei der Wahl sechs Jahre später waren es noch 12 Sitze im Grafinger Stadtparlament. Die Querelen in der Partei und die interne Kritik an Rathauschef Heiler führten schließlich zu dessen Parteiaustritt und Eintritt bei den freien Wählern. Der Ortsverband der CSU musste einen dramatischen Aderlass hinnehmen, weil viele altgedienten Mitglieder der Partei den Rücken kehrten und austraten. Der ärger hatte auch den Verlust weiterer Sitze im Stadtrat zur Folge.

Nach dem aktuellen Wahlgang ist die Situation so: Die Christsozialen haben noch acht Sitze, Bürgermeisterin ist die grüne Angelika Obermayr. Ist das das Ende der Verluste? „Wir müssen jetzt neu anfangen“, sagt Carpus, der sich mitten in seiner Periode als neuer Ortsvorsitzender befindet. „Wir dürfen nicht beleidigt sein und nichts blockieren“, kündigt er eine sachbezogene und konstruktive Stadtratsarbeit seiner Mannschaft an.

Dass er keine Notwendigkeit eines Wechsels im Ortsvorstand sieht, begründet Carpus auch damit, „dass ich als Vorsitzender ohne Gegenstimme gewählt wurde“.

Sortieren müssen sich auch die Grünen nach ihrem spektakulären Erfolg. Angelika Obermayr wollte eigener Auskunft nach gestern ins Rathaus gehen und sich dort allen Mitarbeitern als neue Bürgermeisterin vorstellen. „Die meisten kennen mich eh schon aus der Stadtratsarbeit“, ist sie sich sicher. Nächste Woche am Montag werden sich dann die Mitglieder des Ortsverbands treffen „und auch die Fraktion muss sich sortieren“, so die neue Rathauschefin. „Im Moment laufen sehr viele Gespräche“, berichtet sie davon, dass ihr nach dem anstrengenden Wahlkampf kaum Zeit bleibt zur Erholung. Was sie gefreut hat: Bürgermeister Rudolf Heiler hat ihr Hilfestellung angeboten beim Übergang in ihr neues Amt. „Ich bin sicher, das läuft wohlwollend und harmonisch“ freut sich Obermayr auf ihre neue Aufgabe.

Michael Seeholzer

Einen Kommentar zur diesem Thema finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 1. April.

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