Vaterstettener CSU stürzt dramatisch ab

Vaterstetten - Alle Parteien haben die Zahl ihrer Sitze im Gemeinderat gehalten oder Mandate hinzugewonnen. Nur die CSU nicht. Die Christsozialen stürzen dramatisch ab. Sie verlieren ihre absolute Mehrheit. Statt 19 Mandate wie bisher sind es jetzt nur noch 13 Sitze.

Verluste hatte CSU-Spitzenkandidat Stefan Huber einkalkuliert. Doch dann kam’s schlimmer als gedacht. Dennoch: „Ich glaube nicht, dass wir die falsche Politik gemacht haben“, sagt Huber zur EZ. Ein Grund für die Verluste sei das geänderte Auszählverfahren nach Hare-Niemeyer.

Bereits am Sonntagnachmittag, noch vor der Schließung der Wahllokale, kam eine Mail der CSU-Führung in der EZ-Redaktion an. Der stellv. Ortsvorsitzende Michael Niebler rechnet darin genau vor: Hätte das neue Verfahren bereits vor sechs Jahren gegolten, hätte die CSU damals 16 Sitze erreicht und nicht 18. Soll wohl heißen: So viele hat die CSU gar nicht verloren. Denn das 19. Mandat war ja nicht durch die Wahl vor sechs Jahren, sondern durch den Wechsel von Christl Mitterer von der SPD-Fraktion zur CSU zustande gekommen.

Aber woher kommen die Sitz-Verluste, die nicht am Zählsystem liegen? Die sind laut Huber dem starken Abschneiden der Freien Wähler geschuldet. Und dieses wiederum liege am Bonus des neu gewählten Bürgermeisters Georg Reitsberger.

Wie geht es bei der CSU weiter? „Jetzt müssen wir noch intensiver arbeiten“, gibt Huber die Marschrichtung vor. Die fehlende CSU-Mehrheit könne bedeuten, „dass manches verhindert wird.“ Offen lässt Huber die Frage, wer nun Fraktionssprecher wird. Es sei ja nicht automatisch so, dass der Spitzenkandidat auch diese Position übernehme, betont er. Und schließlich habe der bisherige Fraktionssprecher Michael Niebler ein gutes Wahlergebnis erzielt.

Jubel bei den Freien Wählern: Sie haben statt bisher zwei künftig fünf Gemeinderäte und stellen den Bürgermeister. FW-Pressesprecher Udo Ricke dankte am Montag allen Wählern, die mitgeholfen hätten, „die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat für eine kooperative Zusammenarbeit zu verändern“. Das sei das eigentliche „erste Ziel“ dieser Wahl gewesen.

Zufriedenheit auch bei der SPD, die fünf Mandate errang. „Wir haben zwei Wahlziele erreicht. Wir wollten unser Ergebnis verbessern und die absolute Mehrheit der CSU brechen“, sagt der Fraktionssprecher der Genossen, Günter Lenz. Beides habe geklappt. „Wir haben eine stabile Wählerbasis und wir konnten unsere Wähler auch mobilisieren.“ Das sei eine gute Ausgangsbasis. „Jetzt muss im Gemeinderat mehr miteinander geredet werden.“

Ähnlich sieht das auch Axel Weingärtner, Fraktionssprecher der Grünen. „Jetzt wird es spannend im Gemeinderat. Da kann es mit wechselnden Mehrheiten zu interessanten Konstellationen kommen. Wir haben einen Sitz mehr. Aber wichtig ist, dass die absolute Mehrheit der CSU weg ist.“ Die Grünen konnten um einen Sitz auf jetzt vier Mandate zulegen.

Die FDP hat ihren Sitz verteidigt, den weiterhin Dauergemeinderat Wolfgang Will inne hat. Er erwartet wegen der „unklaren Mehrheitsverhältnisse“ ein „Kuddelmuddel“ im Gremium, das Entscheidungen schwierig mache. Will, der dezeit noch dritter Bürgermeister ist, kündigte an, sich nicht mehr um dieses Amt bewerben zu wollen.

Wahlsieger ist auch die FBU, die gemeinsam mit der AfD antrat. Die Gruppierung hat nun zwei Sitze und ist damit künftig auch in den Ausschüssen vertreten.

Robert Langer

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