Alte Freunde kann niemand trennen: Bereits 1998 haben Hans Baur (l.) und Anton Speer gemeinsam als Spitzenkandidaten um Stimmen gekämpft. foto: fkn

Dank an Wahlhelfer Hornsteiner

Oberes Isartal - Der Schlüssel zu Anton Speers erdrutschartigen Sieg bei der Landrats-Stichwahl liegt im Oberen Isartal. Im Sturm hat er die schier uneinnehmbare schwarze Bastion genommen.

Einer der Strippenzieher fehlte am Sonntagabend bei der spontanen Wahlparty der Freien Wähler im Farchanter Gasthof Kirchmayer: Hans Baur. Dabei hatte der Wallgauer großen Anteil am historischen Sieg von Anton Speer, seinem Freund aus Unterammergau, bei der Landrats-Stichwahl. „Ich war immer davon überzeugt, dass der Toni gewinnt“, meldet sich Baur am Tag danach aus Bad Wörishofen. Dort weilt die Graue Eminenz der Freien Wähler seit kurzem zur einwöchigen Kur. Demnach mussten seine Parteifreunde ohne ihren Hans feiern.

Doch Anton Speer, der sich bis 5 Uhr morgens im Unterammergauer Wirtshaus Stern noch hochleben ließ, erkannte zu vorgerückter Stunde trotz der einen oder anderen Halbe Bier messerscharf: „Der Hans war eine ganz wichtige Stütze für mich im Oberen Isartal. Ich habe ihm unendlich viel zu verdanken.“

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In der Tat sprechen die Zahlen im südlichen Teil des Landkreises für sich: In Mittenwald votierten 61,9 Prozent für Speer, in Krün 65,6 Prozent und in Wallgau sogar 75 Prozent. Zur Erinnerung: Wir sprechen von drei Orten, deren Bewohner regelmäßig mit bis zu 80 Prozent bei Landtags- oder Bundestagswahlen ihr Kreuzchen bei der CSU machen. Diesmal nicht. Das lag zum einen an der befürchteten miserablen Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent, zum anderen aber an der Mobilisierungskraft der Freien Wähler.

Die entwickelten vor allem nach der Attacke von Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) auf den amtierenden Landrat Speer bei der Bürgerversammlung ein nicht für möglich gehaltenes Jetzt-erst-recht-Gefühl. „Dass der so einen elementaren Fehler macht“, wundert sich Baur noch heute über den Angriff auf Speer. Nun ist die Schadenfreude bei den Freien Wählern umso größer: So gröhlte bei der Farchanter Siegesfeier bei Verkündung des Mittenwalder Ergebnisses einer aus der Runde: „Danke an Wahlhelfer Hornsteiner!“

Maßgeblichen Anteil an diesem Wählerschub hatte natürlich auch der gewiefte Hans Baur, der an Stammtischen und Vereinsabenden massiv für Speer trommelte. Ihn und Speer verbindet eine langjährige (politische) Freundschaft. 1998 traten sie als Landtags- (Baur) und Bezirkstagskandidaten (Speer) an. Ihr schlichter Slogan „Des moi uns zwoa“ verpuffte. Das Rennen machten seinerzeit die Schwarzen.

Jetzt mutierte das einst geschlagene Duo zum Gewinner-Paar. Doch der langjährige Geschäftsführer der Bayerischen Waldbesitzervereinigung gibt sich bescheiden. „Das ist Tonis Sieg, er hat alles alleine gemacht.“ Nicht nur in seinem Heimatdorf Wallgau wird Baur für derlei Zurückhaltung entschieden Widerspruch ernten. Denn alle wissen: Der Hans ist ein schlauer Fuchs und mit allen Wassern gewaschen.

Viele gehen davon aus, dass der Wallgauer im künftigen Kreistag eine wichtige Rolle spielen wird - etwa als Fraktionschef der Freien Wähler. „Denn der Toni braucht einen, der ihm den Rücken freihält“, denkt der eine oder andere Parteifreund laut. „Wenn man mich braucht, helfe ich“, fühlt sich der starke Mann im Hintergrund geehrt. Speer und Baur - da passt wirklich kein Blatt dazwischen.

csc

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