Kommunaler Wohnungsbau in Murnau: Unter der Regie der Wohnbau Weilheim entstehen an der Lindenthalstraße im Markt sieben Reihenhäuser mit 42 Wohnungen.
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Kommunaler Wohnungsbau in Murnau: Unter der Regie der Wohnbau Weilheim entstehen an der Lindenthalstraße im Markt sieben Reihenhäuser mit 42 Wohnungen.

Interessenskonflikt unter Landkreis-Gemeinden

Wohnbaugesellschaft: Zugspitz Region soll Einstiegskonzept erarbeiten

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Landkreis – Immer wieder blickt der Landkreis neidisch in Richtung Weilheim. Dort plant, baut und verwaltet die Wohnbau Weilheim seit 1949 kommunale Wohnungen. Auch die Gemeinden Murnau und Uffing beteiligen sich als Gesellschafter an diesem Konstrukt. In der Region Garmisch-Partenkirchen werden die Rufe nach einem ähnlichen Konzept lauter.

Die Frage, mit der sich die Kreispolitik derzeit auseinandersetzt, ist: Wie startet man am besten? Der Kreisausschuss hat sich jetzt auf einen Weg geeinigt. Die Zugspitz Region GmbH soll im Auftrag des Kreises ein Einstiegskonzept erarbeiten. Vor dem offiziellen Start muss nur noch der Kreistag zustimmen.

Ob das Projekt aber sein Ziel erfolgreich ansteuert oder auf dem Weg dorthin untergeht, lässt sich kaum abschätzen. In einer ersten Umfrage signalisierten 19 der 21 Kommunen im Kreis grundsätzlich Interesse an einer Wohnbaugesellschaft, die verwaltet und perspektivisch auch baut (wir berichteten). Allerdings hängt das Vorhaben maßgeblich an den größeren Orten Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Oberammergau, die über einen erheblichen Teil der kommunalen Bauten verfügen. Zumindest wäre es mit ihrer Unterstützung leichter umzusetzen, sagt Sebastian Kramer. Klinkt sich einer aus, könne die Gesellschaft „schwer effizient arbeiten“, betont der Geschäftsführer der Zugspitz Region. 400 Wohnungen, das bestätigte auch Markus Kleinen von der Wohnbau Weilheim im Kreisausschuss zuletzt in Spatzenhausen, bräuchte es schon für einen ordentlichen Start. Machen alle 19 interessierten Gemeinden mit, stünden aktuell 339, mittelfristig sogar 471 Wohnungen zur Verfügung. Dazu überlegen kommunale Unternehmen wie das Klinikum Garmisch-Partenkirchen, das über rund 200 Wohnungen verfügt, ob sich ein Einstieg lohnt.

Größere Kommunen wollen mehr als Hausverwaltung

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP) bekundete durchaus Interesse, falls die Gesellschaft sich künftig auch um Neubauten kümmere. Wie in den übrigen Orten entscheidet aber der Gemeinderat über einen Beitritt. In Garmisch-Partenkirchen setzen sich speziell Grüne und SPD für das Modell ein, während es die CSU um Bürgermeisterin Elisabeth Koch – sie fehlte in der Sitzung – kritischer sieht. Eine Gemeinschaft, die lediglich Wohnungen verwaltet, hilft den größeren Kommunen nicht wirklich weiter, weil sie über genug Ressourcen verfügen, die diesen Part – kostengünstiger – übernehmen. „Mit einer Hausverwaltungs-GmbH kommen wir nicht weiter“, betont Beuting quasi stellvertretend. Ohne neue Wohnungen „wird das Interesse der Größeren relativ schnell erkalten“, sagt der Murnauer Bürgermeister.

Für die kleinen Dörfer wäre schon ein Zusammenschluss, der sich nur um Verwalten und Sanieren kümmert, eine gewaltige Hilfe, da er die Rathäuser vor Ort mit wenig Personal entlastet. Thomas Schwarzenberger (CSU) berichtete etwa aus Krün, dass der Bestand an Wohnungen demnächst von 5 auf 15 wächst. In den kleinen Verwaltungen „haben wir das Knowhow nicht“, sagt der Isartaler. Er schlug einen Drei-Stufen-Plan vor: erstens den Kleinen beim Verwalten helfen, zweitens Sanierungen und Renovierungen angehen, drittens an Neubau denken. „Vielleicht geht das schneller als gedacht.“ Bürgermeisterkollege Christian Scheuerer (parteifrei) aus Ohlstadt bestätigte: „Wir haben genau die gleichen Probleme. Unsere Kapazitäten sind endlich.“

Freistaat fördert kommunale Projekte

Über das Thema Bauen wird man im Kreis ohnehin noch oft genug reden müssen. Momentan lohnt es sich für die Gemeinden gar nicht, einen Neubau auszulagern. Denn die Staatsregierung lockt mit 30 Prozent Zuschuss sowie günstigen Krediten. Der Landkreis, der wie die Gemeinden als Gesellschafter bei einer Wohnbau Garmisch-Partenkirchen einsteigen könnte, verfügt nicht einmal über Grundstücke. Nach 2025, so lange läuft die Förder-Initiative aktuell, könnte die Lage aber anders aussehen, sagt Schwarzenberger. Womöglich wären dann alle froh um eine eigene Gesellschaft, die auch baut. Bis dahin müssen sich aber erst einmal die Kleinen und die Großen auf einen gemeinsamen Weg einigen.

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