Begehrte Ware: Katharina Lass (l.) und Alexandra Becker verpacken in der Garmisch-Partenkirchner Promenaden-Apotheke den bestellten Biontech-Impfstoff für die Auslieferung an die Ärzte.
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Begehrte Ware: Katharina Lass (l.) und Alexandra Becker verpacken in der Garmisch-Partenkirchner Promenaden-Apotheke den bestellten Biontech-Impfstoff für die Auslieferung an die Ärzte.

Rund 60 Arztpraxen beteiligen sich im Landkreis an Kampagne

Corona-Pandemie: Hoffen auf den Impfturbo

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Deutschland gilt in der Corona-Pandemie nicht gerade als Impf-Weltmeister. Doch nun soll mithilfe der niedergelassenen Ärzte der Turbogang eingelegt werden – auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Rund 60 Praxen beteiligen sich hierzulande an der Kampagne. Allerdings gibt es einen Bremsklotz: Impfstoff ist nach wie vor knapp.

Landkreis – Seit rund drei Monaten wird in Deutschland gegen Corona geimpft. Etwas mehr als zwölf Prozent der Bevölkerung haben seither mindestens eine Dosis erhalten. Das ist im internationalen Vergleich eher mittelmäßig, andere Industrie-Nationen wie etwa die USA oder Israel sind weiter. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen macht da keine Ausnahme: 10 313 Personen bekamen bislang die Erstimpfung verpasst, 4616 auch die zweite (Stand: 6. April) – eine überschaubare Quote bei insgesamt rund 88 000 Bewohnern. Das Problem ist bekannt – und überall gleich: Es mangelt an Impfstoff.

Apotheken verteilen Impfstoff

Doch nun zündet Deutschland die zweite Stufe seiner bislang eher schleppend verlaufenden Kampagne: Auch die niedergelassenen Ärzte dürfen in ihren Praxen das schützende Vakzin spritzen. In Bayern startete dazu bereits ein Pilotprojekt, an dem sich auch Mediziner aus der Region beteiligten. Ab dem 7. April wird flächendeckend gepikst. Die ersten Impfstoff-Lieferungen – vorerst wird vor allem das Biontech-Produkt verwendet – kamen am Vortag in den Apotheken an, die diese umgehend verteilten. Der Landkreis ist bestens aufgestellt: Rund 60 Praxen, sowohl Haus- als auch Fachärzte, machen mit. Dies berichtet Dr. Kristina Ott, Koordinatorin der niedergelassenen Ärzte. „Das ist breit gefächert“, berichtet die Allgemeinmedizinerin aus dem Kreisort.

Doch es gibt einen Haken: Die Verfügbarkeit der weltweit begehrten Arzneien, die der Pandemie ein Ende bereiten sollen, hält sich weiterhin in Grenzen. Laut Ott können momentan maximal 50 Dosen pro Woche und Praxis bestellt werden – und vermutlich werde davon nur ein Teil tatsächlich ausgeliefert. „Der Impfstoff ist der limitierende Faktor“, sagt sie. Aus diesem Grund sind derzeit die Menschen mit hoher Priorität an der Reihe: die Über-70-Jährigen und die chronisch Kranken.

Ott ist optimistisch – und setzt auf die Zusage der Bundesregierung, die Mengen deutlich zu erhöhen: „Das sollte zügig mehr werden.“ Ott ist davon überzeugt, dass der Turbo zündet: „Die Praxen können Gas geben. Wenn Impfstoff da ist, geht das ruckzuck.“ Sie und viele ihrer Kollegen setzen große Hoffnung auf den Wirkstoff des US-Pharmariesen Johnson & Johnson, der für Mai erwartet wird und nur einmal verabreicht werden muss – und nicht zweimal wie die Substanzen der Konkurrenz. „Das ist ein Riesenvorteil“, sagt Ott. Ihre Prognose klingt vielversprechend: Im Idealfall könne man bis Sommer alle Impfwilligen versorgen. Eine größere Praxis sei dazu in der Lage, etwa 20 Patienten pro Tag zu verarzten.

Logistische Herausforderung in Praxen

Doch so einfach ist es nicht: Denn zum einen muss der Normalbetrieb weiterlaufen. Und zum anderen muss jeder Geimpfte 15 Minuten lang nachbeobachtet werden. Keine leichte Aufgabe, wenn auch noch Mindestabstände zu berücksichtigen sind. Die Unterammergauer Ärztin Dr. Julia Albert, Otts Stellvertreterin, spricht von einer „logistischen Herausforderung“ – gerade in kleinen Praxen.

Und was ist jetzt zu tun? Der Bayerische Hausärzteverband empfiehlt, erst einmal abzuwarten, um die Kapazitäten in den Praxen nicht zu sprengen. Die Ärzte melden sich nach Angaben der Organisation bei ihren Patienten. Parallel dazu kann man sich online oder per Telefon zentral für eine Impfung anmelden. Der Betrieb in den Impfzentren läuft weiter.

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