Erste Vorarbeiten: An der A 95 bei Weghaus soll eine Halbanschlussstelle entstehen – ein Baustein im Zuge des millionenschweren Großprojekts Auerberg.
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Erste Vorarbeiten: An der A 95 bei Weghaus soll eine Halbanschlussstelle entstehen – ein Baustein im Zuge des millionenschweren Großprojekts Auerberg.

Ergebnis der Online-Umfrage

Klares Votum für Auerbergtunnel

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Auerbergtunnel – ja oder nein? Diese Frage polarisiert und führte in jüngster Zeit zu kontroversen Debatten. Für die Teilnehmer an einer Online-Befragung des Tagblatts ist die Sache klar: Eine deutliche Mehrheit sprach sich nämlich für das geplante Großprojekt aus, das das Nadelöhr am Autobahnende bei Eschenlohe beseitigen soll.

Landkreis – Das Wichtigste gleich vorweg, um Missverständnissen vorzubeugen: Das Ergebnis dieser Online-Umfrage zum verkehrspolitischen Streitthema Auerberg, die drei Tage lang von Freitag bis Sonntag auf der Homepage des Tagblatts (www.gap-tag blatt.de) lief, erhebt keinen Anspruch, repräsentativ zu sein. Die Resonanz war allerdings in der kurzen Zeit enorm: Insgesamt wurden 3667 Stimmen gezählt.

Und es kam ein eindeutiges Stimmungsbild heraus: Fast zwei Drittel (62,26 Prozent, 2283 Stimmen) sprachen sich für das anvisierte Tunnelbau-Projekt aus – und nur etwa ein Drittel (34,22 Prozent, 1255 Stimmen) lehnte dieses ab. Ein kleiner Teil war unschlüssig – und blieb neutral (3,52 Prozent, 129 Stimmen). Interessant auch, aus welchen Kommunen die meisten Voten kamen: Auf den ersten fünf Rängen liegen München (556 Stimmen), Garmisch-Partenkirchen (507), Mittenwald (104), Weilheim (97) und Oberammergau (93).

Staat setzt auf Straßenbau

Wie berichtet, setzt der Staat auf einen massiven Ausbau des Straßennetzes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, um die Autolawinen speziell auf der Bundesstraße 2, der dauerüberlasteten Lebensader, in den Griff zu bekommen und die leidgeplagten Ortschaften an dieser Route von Pkw-Schlangen, Lärm und Abgasen zu befreien. Im Mittelpunkt stehen vier große Tunnel-Projekte, die dem Steuerzahler mehrere hundert Millionen Euro kosten und das Leben der Einheimischen im Urlaubsparadies wieder angenehm machen sollen: Oberau steht kurz vor dem Abschluss, am Kramer wird bereits fleißig gegraben – und Auerberg sowie Wank befinden sich in der Planungsphase.

Doch gerade beim Auerberg – erste Vorarbeiten haben begonnen, die Fertigstellung ist für 2028 angepeilt – scheiden sich die Geister. Für die Befürworter sind die Röhren das letzte und entscheidende Puzzleteil eines Gesamtkonzepts. Kritiker warnen hingegen davor, damit eine Transitstrecke, eine Autobahn durchs Loisachtal zu schaffen und noch mehr Verkehr anzuziehen. Ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wäre, heißt es, das weitaus bessere Rezept.

Reaktionen der Politik

Es ist daher wenig verwunderlich, dass die spontanen Reaktionen der Politik auf die besagte Tagblatt-Aktion gegensätzlich ausfallen. Einer der leidenschaftlichen Befürworter der Tunnel-Lösung ist Oberaus Bürgermeister Peter Imminger (CSU). „Mich freut das. Mich wundert’s, dass ein Drittel dagegen ist“, kommentiert er das Stimmungsbarometer. Auf der B 2 drängen sich seinen Angaben zufolge bis zu 30 000 Fahrzeuge in der Spitze – pro Tag. Er sei daher davon überzeugt, so der Rathauschef weiter, dass das Unternehmen Auerberg genauso wie die Ortsumfahrung seiner Heimatgemeinde eine spürbare Entlastung bringen wird. Der jetzige Zustand sei „nicht mehr tragbar“, betont Imminger.

Aus den Reihen der Gegner, die kürzlich mit einer Radldemo ihrem Unmut Luft machten, sind unterschiedliche Interpretationen zu hören. Das Eingeständnis, möglicherweise eine Minderheitenposition zu vertreten, gehört nicht dazu. Es sei ja nicht überraschend, findet etwa Garmisch-Partenkirchens Altbürgermeisterin und SPD-Bundestagskandidatin Dr. Sigrid Meierhofer, dass Menschen aus dem Norden, vor allem aus der Landeshauptstadt, den Ausbau begrüßen. Denn: „Die wollen am Wochenende nicht im Stau stehen.“ Sie sei sich sicher: Würde man nur den Bewohnern des südlichen Landkreises auf den Zahn fühlen, würde sich das Resultat umdrehen. Die Sozialdemokratin plädiert dafür, stärker auf die Schiene zu setzen – und mehr Geld in ein besseres Bahnnetz, eine attraktivere Taktung und günstigere Tickets zu stecken.

Thomas Stärz, Kreissprecher der Grünen, die wie SPD und ÖDP dem Vorhaben Auerberg ablehnend gegenüberstehen, hält sich in seiner Stellungnahme diplomatisch zurück. Die Erhebung sei nicht repräsentativ, betont er. Einen Meinungstrend erkenne er nicht. „Da kann man wenig rausziehen“, lautet sein Urteil. Allerdings: „Es ist ein tolles Zeichen, dass das Thema die Leute interessiert.“ Bei einer demoskopischen Untersuchung müsste man, so Stärz, auch ein alternatives Mobilitätskonzept zur Abstimmung anbieten.

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