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Erste Zeichen für ein neues Miteinander

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Garmisch-Partenkirchen - Die künftige Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), erarbeitet die Geschäftsordnung Gemeinderats mit allen Fraktionen – und hat schon einmal den Bürgermeister-Dienstwagen abgeschafft.

Das Fahrrad gehört zu ihren liebsten Fortbewegungsmitteln. „Damit bin ich auch künftig im Ort unterwegs“, sagt Dr. Sigrid Meierhofer. Einen Dienstwagen beansprucht die künftige SPD-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen nicht, deshalb „werde ich den auch gleich abschaffen“. Der Leasing-Vertrag der Mercedes E-Klasse, mit der Noch-Rathauschef Thomas Schmid unterwegs ist, wird daher im Juni nicht verlängert. „Auch die mehrköpfige Fahrbereitschaft, die bereitstand, um den Bürgermeister rumzukutschieren, wird ersatzlos gestrichen.“ Beweise dafür, dass die 58-Jährige ihre Kritikpunkte aus der Vergangenheit schon vor Amtsantritt anpackt. Der Fahrzeug-Pool des Rathauses, auf den sie im Notfall zurückgreift, sei wahrlich groß genug – auch ohne die Limousine mit Hybrid-Antrieb und dem amtlichen Kennzeichen GAP-TS 314. Ehe sich die gebürtige Baden-Württembergerin, die seit 1990 in Garmisch-Partenkirchen lebt, aber den Finanzen und anderen Themen widmet, hat sie die neue Geschäftsordnung des Gemeinderats auf der Agenda. „Die wird nicht verordnet, sondern gemeinsam erarbeitet.“ Und deshalb hat Meierhofer den Vorschlag der Verwaltung an alle Gruppierungen verschickt, die in den kommenden sechs Jahren die Geschicke des Marktes lenken. Auch das passt zu ihrem Vorsatz, Entscheidungen transparenter zu machen und ein neues Miteinander zu erreichen. Rückmeldungen erwartet sie bis Ende April, um die neue Richtlinie dann „mit dem breitesten Konsens“ in der konstituierenden Sitzung zu verabschieden. Die steht wohl am Mittwoch, 14. Mai, auf dem Programm – nach dem Militärmusikfestival GaPa Tattoo. Ein Thema, das dann auch auf die Tagesordnung kommt, ist die Frage ihres Stellvertreters. „Mein Wunsch ist, nur einen Zweiten und keinen Dritten Bürgermeister mehr zu haben.“ Nachdem die CSU mit zehn Sitzen die stärkste Fraktion im künftigen Gemeinderat ist, deutet viel darauf hin, dass Wolfgang Bauer diesen Posten übernimmt. Dass sie mit ihm gut zusammenarbeiten könnte, hatte die Sportwissenschaftlerin und Ärztin bereits vor der Stichwahl verraten. Allerdings will wohl Daniela Bittner (CSB), die derzeit als Vize im Rathaus fungiert, auch weitermachen – aber nur halbtags. Sieben Sitze konnte die ehemalige Bürgermeister-Parte verteidigen – ob sie es schaffen, eine Mehrheit für diese Personalentscheidung hinter sich zu bringen, scheint fraglich. Spannend wird nicht nur dieser Punkt in der Geschäftsordnung, sondern auch die künftige Besetzung der Ausschüsse. Bislang bilden acht Gemeinderäte die einzelnen Gremien, geht es nach Meierhofer, werden es künftig zehn: „Dann hätten die kleinen Fraktionen zwei Sitze, was meiner Meinung nach den Wählerwillen wesentlich besser repräsentieren würde. Deren Vertreter bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit, es wäre schade, wenn wir die nicht nutzen könnten.“ Auch den Aufsichtsrat der Bayerischen Zugspitzbahn, in dem derzeit noch vier CSB-Vertreter und ein Freier Wähler sitzen, will sie künftig paritätisch besetzen – „das heißt mit zweien von der CSU und je einem von CSB, SPD und Freien Wählern“. Ein Ansinnen, dass die Union zu ihrer Freude befürworte: „Das verdient meinen größten Respekt.“ Schon in den ersten Tagen nach ihrem klaren Wahlsieg jagte ein Termin den nächsten. Neben der Politik unterrichtet die in Rottweil geborene Medizinerin noch an der Krankenpflegeschule. Sie hat wie ihr Mann Dr. Johann N. Meierhofer den Facharzt in Anästhesie, arbeitete aber wegen möglicher Interessenskonflikte nie in dieser Funktion am hiesigen Klinikum. „Meine Themenblöcke mache ich jetzt im April noch fertig, mit den Examensschülern bleibe ich aber weiterhin in Kontakt und habe ihnen angeboten, mit ihnen vor den Prüfungen zu üben.“ Wer unter dieser Doppelbelastung etwas leidet, ist ihre Familie. Auch wenn ihre Kinder, Max (24), Sophie (22) und Fanny (21), bereits studieren, will Meierhofer keinesfalls, dass die Familie zu kurz kommen. Diesen Anspruch kann sie während der Einarbeitung in ihre neuen Aufgaben nicht erfüllen. Das ist ihr klar. Umso glücklicher ist sie, dass das Oster-Wochenende allein ihren Lieben gehört. „Wir treffen uns alle in Danzig.“

Von Tanja Brinkmann

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