Bestens präpariert: die Loipe in Kaltenbrunn.
+
Bestens präpariert: die Loipe in Kaltenbrunn.

Kaltenbrunn: Verbände sichern Leistungszentrums-Status zu

Neue Vision für marode Trainingsstätte

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
    schließen
  • Andreas Mayr
    Andreas Mayr
    schließen

Landkreis – Das Wintersportzentrum in Kaltenbrunn ist nicht mehr zeitgemäß. Doch Rettung naht: Im Gespräch ist der millionenschwere Ausbau zu einem Landesleistungszentrum Nordisch - und die Gründung einer gemeinnützigen GmbH als Betreiberin. Der Kreisausschuss sicherte eine finanzielle Unterstützung zu.

„Das Wintersportzentrum in Kaltenbrunn verdient diesen Namen eigentlich nicht. Gut, wenn man den Blick nur auf die Erfolge und Medaillen richtet, auf Laura Dahlmeier, Magdalena Neuner oder Martina Glagow, dann passt der Name Medaillenschmiede schon. Aber wer sich die Anlage zuletzt angeschaut hat, der verließ sie wohl mit demselben Eindruck, den Landrat Anton Speer (Freie Wähler) mitgenommen hat: Die Bedingungen sind miserabel, nicht mehr zeitgemäß.“

Speer berichtet von Parkplatznot, von Plumpsklos und betont: Nur die vielen freiwilligen Helfer machen Training in Kaltenbrunn überhaupt möglich. Doch nach jahrelangem Ringen, nach Verhandlungen bis hoch in die Beletage der deutschen Sportverbände und der Politik tut sich nun ein Pfad auf, der die Rettung für Kaltenbrunn bedeuten könnte. Die Verantwortlichen planen, die Anlage, zehn Minuten von Garmisch-Partenkirchen entfernt, zu einem Landesleistungszentrum Nordisch auszubauen – samt neuer Rollerbahn, Schneekanonen, Multifunktionsgebäude und (am wichtigsten) Fördermitteln vom Staat. Noch steht die Entscheidung des Staatsministeriums aus.

Markus Anwander und Andreas Dillemuth planen das Projekt seit einem Jahr. Sie haben die Ideen, Wünsche und Bedürfnisse in eine Form gegossen. Ihnen geht es um die „nachhaltige Sicherung“ des Standorts. Denn die Bedingungen vor Ort haben sich mit den Jahren erheblich verschlechtert. „Wir sind 30 Jahre hinter der Zeit“, hält Anwander fest. Wer auf Skirollern, dem Ski-Ersatz für Sommermonate, trainieren will, muss nach Seefeld oder auf die Straße ausweichen. Die beiden Macher präsentierten erschreckende Videos von Sportlern, die sich auf der Straße neben Autos den Kesselberg hinauf quälen. „Wir bewegen uns am Rande der Legalität“, sagt Anwander, der Leiter des Olympiastützpunkts (Außenstelle) Garmisch-Partenkirchen. Bislang wichen die Sportler – etwa 350 Kinder Jugendliche aus dem ganzen Oberland bis München – im Sommer auch auf das Bundeswehrgelände am Hohen Brendten aus. Doch bis 2023 schränkt das Militär dieses Angebot ein. „Es wird höchste Zeit, dass etwas passiert.“

In Kaltenbrunn soll kein Hochleistungszentrum entstehen, sondern eine Trainingsstätte, die die Nachwuchsarbeit sichert. Geplant ist ein Areal mit Toiletten, Umkleidekabinen, Besprechungsräumen, einem Parkplatz sowie einer Rollerbahn, 2,3 Kilometer lang. Der anvisierte Ausbau soll in drei Stufen – im Optimalfall bis 2023 – ablaufen und nach derzeitigen Schätzungen zwischen 4 und 4,5 Millionen Euro kosten. Mit den Grundstückseigentümern und dem Naturschutz haben die Macher das Wesentliche geklärt. Sie dürfen sogar Leitungen für Schneekanonen und Licht verlegen. Die Dimension dieses Projekts hält Dillemuth für ausreichend. „Wir brauchen nicht mehr und wir brauchen nicht weniger.“

Bleiben noch die Fragen der Finanzierung und des Unterhalts. Die Macher stellen sich eine gemeinnützige GmbH – kurz gGmbH – vor, die die Anlage plant und betreibt. Als Gesellschafter sollen die betroffenen Landkreise, die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, Skiverbände, Vereine und Grundstückseigentümer einsteigen. In anderen Regionen, wie etwa am Arber, funktioniert dieses Konzept bereits. Vom Landkreis allerdings haben sich Anwander und Dillemuth eine erste Absage eingehandelt. Der Kreisausschuss sprach sich gegen einen Einstieg aus, sicherte aber immerhin eine einmalige Unterstützung von 20 000 Euro zu, falls der Kreistag zustimmt.

Thomas Schwarzenberger (CSU-Bürgermeister aus Krün) wollte auf keinen Fall einen Präzedenzfall schaffen, ansonsten kämen andere Gruppierungen etwa aus dem Kultur-Bereich auf ähnliche Ideen. Parteikollege Peter Imminger (Oberau) störte sich daran, dass der Kreis mit der geplanten Einlage von 5000 Euro nicht einmal über eine Sperrminorität verfügen würde, also praktisch keine Entscheidungsgewalt habe. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP) ging noch einen Schritt weiter und sprach davon, mit einem Einstieg würde man „die Büchse der Pandora“ öffnen. Der Landkreis müsste sich nämlich an den Betriebskosten beteiligen, falls die nicht anderweitig über Sponsoren oder Einnahmen gedeckt werden.

105 000 Euro für den Unterhalt hat Garmisch-Partenkirchen zugesichert, übrig bleiben 70 000 Euro, die die Macher auftreiben müssen. Immerhin kamen vom Deutschen wie dem Bayerischen Skiverband positive Signale. Nach zehn Jahren „harten Verhandlungen“, wie Anwander sagt, sichern die Verbände Kaltenbrunn den Status des Landesleistungszentrums zu. Dazu muss aber die Politik noch ihre Richtlinien überarbeiten, weil nur zwei Zentren pro Bundesland gestattet sind. Danach könnten die Macher endgültig durchstarten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare