In deutlicher Hörweite des Autobahnkrachs: Verkehrsministerin Kerstin Schreyer nennt an der A 8 bei Neubiberg das neue Lärmschutzkonzept „einen Meilenstein“.
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In deutlicher Hörweite des Autobahnkrachs: Verkehrsministerin Kerstin Schreyer nennt an der A 8 bei Neubiberg das neue Lärmschutzkonzept „einen Meilenstein“.

Ministerin hofft auf mehr Lebensqualität

Tagsüber neue Tempolimits an A 8 und A 995

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Der Schneeregen machte die Autobahngeräusche noch ein bisschen lauter als sonst. Punktuell prima passend zum Thema, um das es am Mittwoch um 11 Uhr an der A 8 bei Neubiberg ging: um Lärmschutz. Seitdem gelten auf fünf Teilabschnitten rund um München neue Tempolimits.

Landkreis - „Das ist ein ganz großer Meilenstein“, sagte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer, die zusammen mit Michael Kordon, dem Südbayern-Chef der neuen Autobahn-GmbH des Bundes, an der alten Lotsenstation bei Neubiberg symbolisch eins der Schilder für die neuen Geschwindigkeitsbeschränkungen enthüllte. Eine „Lex München“ hatte Kerstin Schreyer im Dezember 2020 im Hinblick auf Lärmschutz an Autobahnen angekündigt (wir berichteten), jetzt erfolgte die Umsetzung: Seit Mittwochvormittag gelten fünf neue Geschwindigkeitsbeschränkungen. Nämlich 100 km/h auf der A 8 zwischen Ramersdorf und Neubiberg, 120 km/h auf der A 995 von Giesing bis Taufkirchen-West (jeweils tagsüber von 6 bis 22 Uhr) sowie rund um die Uhr 60 km/h im Stadtbereich auf A 9, 95 und 96.

„Damit haben wir in diesen Bereichen die schon vorhandenen Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Regel um 20 km/h verschärft“, sagt Kerstin Schreyer. „Dadurch erreichen wir überall eine deutliche Verbesserung für die lärmgeplagten Anwohner.“

Vorangegangen waren umfangreiche Untersuchungen im Rahmen des „Lärmaktionsplans für das Umfeld der Bundesautobahnen in der Landeshauptstadt München“. Das Augenmerk galt Kriterien wie der Überschreitung von straßenbaulichen oder verkehrsrechtlichen Lärmgrenzwerten, der Dichte der Wohnbebauung und der Zahl der Betroffenen, eruiert wurde aber auch die Möglichkeit baulicher Lärmschutzmaßnahmen.

Mit den „passgenauen Maßnahmen für die einzelnen Strecken“ sei man „an die Grenze dessen gegangen, was rechtlich machbar ist“, betont die Ministerin. Sie hofft, dass die Geschwindigkeitsbeschränkungen, die „mit Augenmaß“ verfügt worden seien, niemanden zu Ausweichverkehr in Wohngebiete veranlassen. Durch die neuen Tempolimits erwartet Kerstin Schreyer, „dass die Anwohner nun ein Stück mehr Lebensqualität bekommen“.

Neben den neuen Maßnahmen im Münchner Norden und Westen freute die aus Unterhaching stammende Ministerin sich speziell über die neuen Tempolimits an der A 8 und der A 995. „Schon als Stimmkreisabgeordnete habe ich für Lärmbegrenzung gekämpft – ich freue mich riesig, dass da, wofür ich mich seit vielen Jahren einsetze, diese endlich umgesetzt wird.“ Es gehe um „möglichst viel Lärmschutz für alle“, so Kerstin Schreyer, dafür müsse man in der Gesamtabwägung von Geschwindigkeitsbeschränkungen, baulichen Maßnahmen und Flüsterasphalt „am richtigen Ort das Richtige tun“.

Aufs aktuell im Unterhachinger Gemeinderat aufgekommene Thema, mittels einer Machbarkeitsstudie die Kosten für eine Lärmschutzwand zu ermitteln, ging Michael Kordon am Rande ein. Die Rechenbeispiele von Unterhachinger Lärmschutz-Aktivisten wie Catia Hilgart seien „viel zu optimistisch gedacht“ gewesen, man müsse derlei Vorhaben „sehr gründlich untersuchen, um sie seriös zu berechnen“, unter anderem im Hinblick auf den Bauuntergrund. Aus Erfahrung weiß der Experte: „Viele Gemeinden erschrecken dann wegen der tatsächlichen Kosten.“

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