Konkurrenten in der K-Frage: Markus Söder von der CSU (li.) und Armin Laschet von der CDU.
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Konkurrenten in der K-Frage: Markus Söder von der CSU (li.) und Armin Laschet von der CDU.

CSU-Zweifel an Tauglichkeit von Armin Laschet als Kanzlerkandidat – Grüne in Jubelstimmung

„Mit Krücken in den Wahlkampf“

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Zwischen Euphorie und Sorgen pendelt das Stimmungsbarometer bei den Politikern im Landkreis, nachdem zuerst die Grünen mit Annalena Baerbock und am Dienstag auch CDU/CSU mit Armin Laschet ihre Kanzlerkandidaten bestimmt haben.

Landkreis – „Gut, dass es jetzt eine Entscheidung gibt, auf die wir uns einstellen können“, sagt der CSU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Florian Hahn. Dass Markus Söder im unionsinternen Ringen um die Kanzlerkandidatur unterlag, bedauert Hahn: „Diese Woche der Entscheidungsfindung hat Spuren hinterlassen. Jetzt müssen wir uns auf Themen besinnen und wahlkämpfen. Bis zur Bundestagswahl sind es noch fünf Monate, da kann man einiges aufholen.“ Eine Anspielung auf Umfragen in denen Armin Laschet „deutlich zurückliegt hinter Annalena Baerbock und SPD-Kandidat Olaf Scholz“. Der CSU-Kreisvorsitzende glaubt, dass beide Schwesterparteien wieder zusammenfinden: „Als Union wissen wir, wofür wir stehen. Für die Pandemie-Bekämpfung sowie das Verbinden von Wohlstand mit Ökonomie. Das eint uns.“

Der frühere Landtagsabgeordnete Engelbert Kupka aus Unterhaching wirkt etwas skeptischer. „Es wird schwer, die Basis wieder einzufangen“, glaubt der 82-Jährige. Denn es sei „zu fahrlässig gewesen, nicht auf Umfragewerte zu achten“. Mit dem Votum gegen Markus Söder habe die Union „die Chance vertan, den Kanzlerkandidaten aufzustellen, der die besten Chancen hat“. Kupka sieht nun mit Unbehagen „ein Generationenduell“ zwischen Annalena Baerbock (40) und Armin Laschet (60). „Mit ihrer Jugend, Dynamik und Ausstrahlung hat sie die Möglichkeit, Emotionen zu wecken“, sagt Kupka. Armin Laschet indes werde „mit Krücken in diesen Wahlkampf gehen“ und könne „am Ende alles verlieren: das Rennen ums Kanzleramt, den CDU-Vorsitz und den Posten als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen“.

Mit gemischten Gefühlen sehen CSU-Bürgermeister aus dem Landkreis die Personalentscheidungen. Markus Böck (Oberschleißheim) hätte „Markus Söder als Kanzlerkandidaten sehr begrüßt“, Annalena Baerbock stehe „als junge Kraft für den politischen Wandel, der in alle Richtungen gehen kann“. Mit Armin Laschet als Spitzenkandidat „wird es enger“, glaubt Böck: „Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir im Herbst ein politisches Beben erleben.“

Sein CSU-Bürgermeisterkollege Maximilian Böltl aus Kirchheim findet: Nachdem jetzt eine Entscheidung vorliegt, müssen wir ganz zügig zurückkehren zur Lösung der wirklich drängenden Sachfragen rund um die Corona-Pandemie.“ Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf müsse die Union „alle Kräfte bündeln und geschlossen agieren“. Armin Laschet verfüge über „die notwendige Erfahrung als erfolgreicher Regierungschef in einem der größten Bundesländer“.

Bei den Grünen preisen derweil die Kreisvorsitzenden Volker Leib und Sabine Pilsinger „diese historische Teamentscheidung“ für Annalena Baerbock „als erste grüne Kanzlerkandidatin“, die sich mit Robert Habeck einvernehmlich abgestimmt hatte. „Sie hat den klaren politischen Kompass, die Energie und die Willensstärke, die es braucht, um Kanzlerin zu werden“, sagen Leib und Pilsinger. „Sie steht für einen anderen Politikstil, sie ist eine Führungskraft und fit in einem breiten Themenbereich, vom Klimaschutz bis zur Außenpolitik. Wir kämpfen um das Kanzleramt und für die Erneuerung, die unser Land nach 16 Jahren Angela Merkel braucht.“

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter aus Unterhaching spöttelt derweil über CDU/CSU: „Der Machtkampf zwischen Söder und Laschet mag ein vorläufiges Ende haben, die Zerrissenheit und inhaltliche Orientierungslosigkeit der Union bleiben. Für die wichtigste K-Frage, die Klimafrage, hat die Union nicht mal Abstimmungsalternativen, geschweige denn eine Lösung. In der Finanz- und Haushaltspolitik verharrt sie in der Schreckstarre.“

Bei den Sozialdemokraten klingt es fast so, als sei ihnen alles zu glatt gelaufen. „Wir gratulieren Frau Baerbock und Herrn Laschet herzlich zur Nominierung“, sagt Florian Schardt, Chef des SPD-Unterbezirks München-Land. „Armin Laschet sollte man nicht unterschätzen, er hat Markus Söder aller Kraft- und Schlaumeierei zum Trotz gezeigt, wo der Barthel den Most holt.“ Zu die Grünen meint Schardt: „Ihnen gebührt Respekt für ihre Professionalität – wobei ich die Ecken und Kanten der alten Wackersdorf-Grünen fast ein bisschen vermisse.“

Als „perfekte Positionierung“ bezeichnet der FDP-Kreisvorsitzende Michael Ritz die Nominierung von Annalena Baerbock, sie werde für die Grünen „ein herausragendes Ergebnis erzielen“. Auch das Unions-Votum für Armin Laschet sei „die vollkommen richtige Entscheidung“. Ihm habe „das Gezeter“ bei CDU/CSU zu lange gedauert, „und an einen gesamtdeutschen Markus Söder habe ich nie geglaubt“. Strategisch sei die Konstellation Laschet – Baerbock spannend: „Die Union muss aufpassen, dass sie sich von den Grünen nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.“

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