Die Schauspieler der Internetaktion #allesdichtmachen sind hier in Video-Standbildern zu sehen.
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Die Schauspieler der Internetaktion #allesdichtmachen sind hier in Video-Standbildern zu sehen.

Was Kulturschaffende zu umstrittenen Satire-Clips von 53 Schauspielern sagen

Häme über Coronapolitik

Satirische Videoclips von 53 prominenten Schauspielern im Netz sorgen für Aufregung. Im Landkreis haben die Kulturschaffenden dazu eine Meinung.

Landkreis – Unter anderem Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Volker Bruch und Ulrich Tukur veröffentlichten unter dem Hashtag #allesdichtmachen kritische Beiträge zu den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Sie lösten damit eine hitzige Debatte über den Wert von Humor in Pandemiezeiten aus – auch im Landkreis München. Für ihre provokativen Aussagen wie: „Verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln Sie nicht“ (Liefers) oder „Es ist jetzt so wichtig, dass wir alle genug Angst haben“ (Bruch), ernteten die Künstler begeistertes Lob, aber auch vernichtende Kritik. Schauspielerkollegen wie Nora Tschirner, Elyas M´Barek oder Christian Ulmen verurteilen die Aktion scharf und sehen darin eine Verhöhnung der Pandemieopfer.

Die 53 Kunstschaffenden distanzieren sich dabei klar von rechtem Gedankengut und Coronaleugnern, finden es aber „wichtig, unsere nicht wieder zu erkennende Welt auf irgendeine Art zu spiegeln oder zu kommentieren“, sagt etwa Heike Makatsch. So sieht das auch Matthias Riedel-Rüppel, Intendant deskleinen Theaters in Haar. „Ich teile nicht jede Meinung, aber Satire ist ein gutes und wichtiges Mittel, um auf Missstände in der Kulturszene hinzuweisen. Wir müssen zu einer Eigenverantwortung zurückkehren und brauchen eine Perspektive.“ Er habe bei den Clips nicht das Gefühl gehabt, dass es darum gehe, Corona zu leugnen oder das Leid der Menschen kleinzureden. „Wenn es für irgendetwas während der Pandemie Platz gibt, dann für Satire.“

„Die Stoßrichtung der Videos kann man nachvollziehen“, sagt auch Michael Blume, Leiter des Kultur- und Kongresszentrums in Taufkirchen. „Ob man es dann gut oder schlecht findet, ist eine andere Sache.“ Gerade mit den neuen Verordnungen der Bundesregierung würden Existenzen bedroht, vor allem in der Kulturbranche. Dabei werden die Gesetze oft „von Menschen beschlossen, die gar keine Ahnung von dem Geschäft haben.“ Vor allem der kommerzielle Kulturbereich, der nicht staatlich subventioniert ist, sei betroffen. „Da verstehe ich jeden, der enttäuscht ist – auch wenn man diese Pandemie endlich in den Griff bekommen muss.“

Das Schwierige momentan ist laut Blume, Kritik zu äußern, ohne direkt in einer Schublade zu landen. „Was natürlich blöd ist, ist wenn man von den falschen Menschen vereinnahmt wird. Ich fände es auch blöd, wenn mir Nazis applaudieren“, stellt Michael Blume fest. Die 53 Schauspieler ernteten unter anderem viel Beifall von AfD-Anhängern sowie Kritikern der Regierung.

Die große Frage bleibt, ob durch die Gefahr, rechte Sympathisanten zu haben, generell auf Kritik verzichtet werden sollte. Intendant Riedel-Rüppel denkt, man könne zumindest „konkrete Gegenvorschläge“ zu den Regierungsmaßnahmen anbringen“, denn nur dagegen zu sein, sei immer einfach. „Ich möchte nämlich nicht in der Haut der Politiker stecken.“

Was ihn am meisten stört, ist, dass Arbeitsplätze wie die BMW-Werke weiterlaufen, während Kulturschaffende nicht mal etwas im Freien veranstalten dürfen. „Wir könnten hier sichere Veranstaltungen mit Hygienekonzept durchführen“, erklärt der künstlerische Leiter des Kleinen Theaters.

Ob man die „allesdichtmachen“-Videos nun unterstütze oder nicht: Es führe immerhin zu einer erneuten öffentlichen Debatte über die theatrale Zukunft. Die Haarer Institution macht momentan ihre 41. Streamingproduktion – das sei eine gute Alternative, „aber so kann es auf keinen Fall weitergehen!“ Laura May

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