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Impfen? Nein, danke! Veterinäre sehen große Hürden

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Von: Laura May

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30 Millionen Dosen Corona-Impfstoff sollen bis Jahresende in Deutschland verabreicht werden.
Die Tiermediziner wollen unter diesen Bedingungen auf keinen Fall Impfungen verabreichen. Symbolfoto: © Philipp von Ditfurth/dpa

Rund drei Wochen ist es her, dass der Bundesrat dem verschärften Infektionsschutzgesetz zugestimmt hat. Seitdem dürfen auch Tierärzte Menschen gegen Corona impfen. Theoretisch. In der Praxis sehen Tierärzte im Landkreis die Umsetzbarkeit der Idee noch skeptisch.

Landkreis – „Also in den Medien war’s, aber es impft keiner“, sagt etwa ein Tierarzt aus dem nördlichen Landkreis, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch die Nachfrage in mehreren anderen Tierarztpraxen im Landkreis bestätigt: Die Hürden sind bisher offenbar zu groß, die Sinnhaftigkeit des Vorstoßes umstritten, zu viele Fragen ungeklärt:

Wer haftet im medizinischen Notfall? Muss ein Arzt anwesend sein? Können Tierärzte nur Privatpatienten impfen, weil sie keine Kassenzulassung haben? Wie soll die in Pandemiezeiten ohnehin schon komplizierte, Logistik in den Tierarztpraxen funktionieren? Wie ist der rechtliche Rahmen?

Mit der Behandlung von Tieren schon ausgelastet

„Wir sind mit der Behandlung von Tieren schon genug ausgelastet“, sagt eine Tierärztin aus dem südlichen Landkreis. Es sei zudem unklar, welche Schulungen ein Tierarzt noch belegen müsse, um tatsächlich eine Corona-Impfung durchführen zu dürfen.

Dass eine zusätzliche Schulung für Veterinäre nötig ist, sei bereits gesetzlich festgelegt. Sie warte auf jeden Fall noch, bis es mehr Klarheit gibt. „Tierärzte haben eine Versicherung für Tiere, nicht für Menschen“, sagt der Tierarzt aus dem Münchner Norden. Wegen der Formalitäten würde er niemals impfen, nicht mal seine eigenen Kinder, obwohl es fachlich gar kein Problem wäre, meint er.

Impfverordnung müsste geändert werden

„Es ist noch zu viel ungeklärt“, bestätigt Hans Marx, Amtsarzt des Veterinäramts. Auch die bestehende Impfverordnung müsste noch geändert werden. Vor allem die versicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen seien bisher nicht ausreichend geklärt. Vonseiten der Tierärzte im Landkreis München gibt es darüber hinaus Zweifel, ob die Hilfe der Tierärzte wirklich benötigt werde, nachdem die Impfzentren große Kapazitäten haben, die noch weiter ausgeweitet werden könnten. Schon in einigen Arztpraxen sei die Lieferung von Impfstoffen das Problem, nicht der Mangel an Ärzten.

Eine weitere offene Frage besteht darin, wie viel Tierärzte für eine Coronaimpfung bekommen würden. Ärzte bekommen momentan 28 Euro pro Vakzin.

Rechtlicher Rahmen unklar

„Ich bin bereit zu impfen“, sagt Marx, „aber nur, wenn der rechtliche Rahmen geklärt ist.“ Die schönere Variante fände er, wenn die Veterinärmediziner als Teil eines Impfteams ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten könnten, dann wären die Organisation und die versicherungsrechtlichen Fragen nicht so kompliziert. Wer derweil die kranken Tiere behandelt, ist wieder eine andere Frage.

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