Einen kleinen Windpark hat die Gemeinde Berg vor Jahren bauen lassen (Blick von Neufahrn aus). Sie ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
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Einen kleinen Windpark hat die Gemeinde Berg vor Jahren bauen lassen (Blick von Neufahrn aus). Sie ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Bis 2024 könnte das Projekt realisiert sein

Windpark im Forstenrieder Park: Landkreis federt das Risiko ab

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Windkraft aus dem Forstenrieder Park – das Projekt wird immer konkreter: Vier bis sechs große Rotoren könnten entlang der A95 im Wald gebaut werden.

Landkreis – Neuried und Pullach haben eine Arbeitsgemeinschaft (Arge) initiiert, Schäftlarn ist beigetreten, auch Baierbrunn hat zugestimmt, vorausgesetzt der Landkreis beteiligt sich an den Kosten. Das hat der Ausschuss für Energiewende, Landwirtschafts- und Umweltfragen am Dienstag einstimmig befürwortet. Mehrere Millionen wird der Windpark kosten, die könnten aber wohl schon nach zwölf Jahren ausgeglichen sein. Bis zum 31. Dezember können Gauting, Starnberg und der Landkreis Starnberg noch entscheiden, ob auch sie als Anrainer der Arge beitreten wollen. Anschließend werden die Mitglieder entscheiden, ob jedes Mitglied ein Windrad erhält: Also, ob der Windpark mit vier, fünf oder sechs Windrädern realisiert wird. Wenn alles gut läuft, ist der Bürgerwindpark im Herbst 2024 Realität, spätestens Mitte 2025.

Pullach und Neuried arbeiten schon länger an der Umsetzung

Pullach und Neuried gehen der Idee eines Windparks im Forstenrieder Park schon länger nach. Sie haben sich bei der Regierung von Oberbayern erfolgreich um einen sogenannten Windkümmerer beworben. Mit dem Sollner Energiefachmann Peter Beermann treiben sie das den Windpark Schritt für Schritt voran. Im Forstenrieder Park ist eine gemeindefreie Fläche am Ludwigs-Geräum gefunden, die die 10-H-Regel in alle Richtungen erfüllt: Da die Windräder rund 240 Meter hoch werden, müsste der Abstand 2,4 Kilometer betragen.

Sechs Windräder könnten maximal kommen

Sechs Windräder könnten Platz finden, bei einem Abstand von 2700 Metern. Ein Windrad wird voraussichtlich zehn bis zwölf Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren: „Das entspricht dem Stromverbrauch von etwa 3000 Haushalten“, so Beermann.

Etwa 5000 Quadratmeter Fläche benötigt jedes Windrad, wobei nach dem Aufstellen der Anlage 2500 Quadratmeter am Standort wieder bepflanzt werden. Die übrigen versiegelten Quadratmeter werden am Rand des Bannwalds aufgeforstet, „daher wird der Forstenrieder Park am Ende etwas größer sein.“

Langzeit-Windmessung steht aus

Als nächstes wird eine Langzeit-Windmessung in Auftrag gegeben, auch die naturschutzrechtlichen Fragen werden in Gutachten untersucht. Anschließend wird das Bürgerprojekt organisiert. „Ausgehend vom Kirchturmprinzip dürfen sich die Bürger der beigetretenen Kommunen finanziell beteiligen“, so Beermann. Wer näher dran wohnt, hat zuerst Zugriff auf Anteile. Allerdings sind große Einzelbeteiligungen nicht erwünscht, „man will eine breite Bürgerbeteiligung erzielen“, so Beermann. Schließlich steigere dies die Akzeptanz. Mit 5000 bis 10 000 Euro wird man sich Anteile kaufen können. Geht man davon aus, dass der Bürgerwindpark als GmbH & Ko KG gegründet wird, und es bei der für 2024 prognostizierten EEG-Vergütung bleibt, könnte die Verzinsung bei fünf Prozent liegen.

Landkreis tritt der Arge nicht bei

Der Landkreis wird – auf Wunsch der beteiligten Kommunen – nicht selbst der Arge beitreten, aber das Kostenrisiko abfedern, für den Fall, dass das Projekt scheitert. Anders als bei den Projekten im Hofoldinger und Höhenkirchner Forst, wo der Landkreis Mitglied der Arbeitsgemeinschaften wurde, ist das vom Windkümmerer begleitete Projekt im Forstenrieder Park weit fortgeschritten: Ein Standortsicherungsvertrag mit den Staatsforsten, die Grundeigentümer sind, wurde geschlossen und die Arbeitsgemeinschaft Forstenrieder Park gegründet.

Das Projekt könnte verzögert werden

„Wir würden Mitglied werden, ohne noch mitreden zu können, ich weiß nicht, ob das gut wäre“, begründete Landrat Christoph Göbel (CSU) die Zurückhaltung. In den anderen beiden Arbeitsgemeinschaften hatte der Landkreis die Aufgabe übernommen, Verträge mit den Staatsforsten auszuarbeiten, finanziell in Vorleistung zu gehen und Gutachten in Auftrag zu geben. „Das ist hier alles schon passiert“, sagte Göbel, mit einem Beitritt werde man das Projekt am Ende noch verzögern.

Falls das Projekt wider Erwarten abgebrochen werden sollte, trägt der Landkreis zu 100 Prozent die Kosten für die Gutachten und schultert sogar weitere Planungskosten der einzelnen Gemeinden zu 50 Prozent. Geht alles glatt, und das Projekt läuft erfolgreich, tragen die Gemeinden als künftige Betreiber die Planungskosten selbst.

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