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"Kreidl hat sich mal wieder selbst gefeiert!"

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Von: Veronika Mahnkopf

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Landrat Jakob Kreidl entschuldigte sich bei der Podiumsdiskussion mehrmals für seine Fehltritte.
Landrat Jakob Kreidl entschuldigte sich bei der Podiumsdiskussion mehrmals für seine Fehltritte. © Thomas Plettenberg

Miesbach - Ein voller Saal und 70 Online-Kommentare - die Podiumsdiskussion mit Landrat Jakob Kreidl hat viele interessiert. Die interessantesten Reaktionen lesen Sie hier.

18.50 Uhr, der Waitzinger Keller ist voll. Jeder Stuhl ist besetzt, sogar auf der Galerie ist kein Platz mehr frei. Mit diesem Andrang auf die Podiumsdiskussion des Miesbacher Merkur war zu rechnen, tritt an diesem Mittwochabend in Miesbach schließlich der Mann vor die Landkreisbürger, der zur Zeit wie kein anderer in der Öffentlichkeit steht - und zwar durch Negativ-Schlagzeilen: Jakob Kreidl, Skandal-Landrat von Miesbach, für die CSU im Wahlkampf um den Erhalt seines Posten. Gute 1000 Augen sind an diesem Abend im Saal auf ihn gerichtet: Wie wird sich Kreidl geben, wie hart werden seine Konkurrenten und Mitbewerber ums Landratsamt mit ihm umgehen? Fragen, die sich auch die Menschen stellen, die nicht in den Waitzinger Keller gekommen sind, sondern das Rede-Duell zu Hause am Computer im Livestream und Liveticker des Merkur verfolgen. Und die in ihren Kommentaren ihre Meinung zu der Podiumsdiskussion kundtun.

Äußerungen von Jakob Kreidl sorgen für Spott und Häme

Als Stephen Hank, Redaktionsleiter des Miesbacher Merkur, um 19.30 Uhr die Diskussion eröffnet, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Und auch an den Computern beobachtet jeder gespannt, wie Jakob Kreidl auf die Bühne kommt. Angespannt sieht er aus, nervös und eigentlich ganz schön gebrochen. Seine Hände finden keine Ruhe, immer wieder macht er die Merkel-Raute. "Wie geht es Ihnen?", fragt Hank einleitend. "Bei mir sind Gefühle verletzt worden, aber ich will nicht klagen!" Der erste Online-Kommentar dazu kommt prompt: "Er muss sich doch nicht fühlen, als wäre er beim Psychiater",  schreibt User Tante Emma. Eines ist jedenfalls klar: Jakob Kreidl steht die nächsten 15 Minuten im Fokus der Veranstaltung.

Ziemlich schnell ist der Landrat deshalb auch in der Verteidigungshaltung: Er habe die Feier zu seinem 60. Geburtstag 2012 für eine Kundenveranstaltung der Kreissparkasse gehalten, die Kosten seien ihm nicht bewusst gewesen. Das Publikum lacht. Und die User werden grantig. "Niiiiiieeemals nicht hab ich das vorher gewusst ... erst hinterher und eigentlich war es ja eine KUNDENVERANSTALTUNG der Sparkasse - besser als die Heute Show", regt sich zum Beispiel Karl auf. Nach der Diskussion wird es Birgit Weber, 45, aus Agatharied auf den Punkt bringen: "Ich finde, er hat sich ein bissl rausgeredet. Er hat da bissl rumgedruckst."

Ein User ist entsetzt über Applaus für Jakob Kreidl

Bei diesem Eindruck bleibt es auch bei den meisten Usern für den Rest des Abends. Viele sind richtig sauer auf den Landrat. Kreidl nein danke zum Beispiel, der für den Stream "ein dickes Lob" ausspricht und anfügt: "Schade war nur, dass man sich online leider nicht akkustisch beteiligen konnte; sonst wäre dieser Kreidl vom Aufschrei und den Buhrufen der empörten Landkreisbürger von der Bühne geweht worden. Im Saal drängten sich leider überwiegend ergebene Kreidl-Claqueure, um dem "privaten Fehler", Kreidl zu huldigen."

Landrat Jakob Kreidl entschuldigte sich bei der Podiumsdiskussion mehrmals für seine Fehltritte.
Auch die anderen Kandidaten neben Jakob Kreidl wurden von den Usern hart ins Gericht genommen. © Thomas Plettenberg

Der gleichen Meinung ist auch Noch ein Gast: "Kreidl hat sich mal wieder selbst gefeiert, aber leider hat er anscheinend noch zu viele Anhänger, die ihm die Worte von den Lippen ablesen! Auch trotz aller Widrigkeiten wird er wohl auch im März die Wahlen bestehen....LEIDER und sehr schade für alle nicht Kreidel Anhänger im Oberland!" Und Hottel  findet: "War jedenfalls entsetzt über den Applaus den dieser Ex-Doktor teils generiert war und hoffe inständig dass es tatsächlich bezahltes Klatschvolk war - sonst verliere ich den Glauben an die Menschheit."

Doch einige hat Jakob Kreidl auch überzeugt. Anton Reiter, 29, aus Schaftlach, sagte dem Merkur nach der Veranstaltung: "Von Landrat Jakob Kreidl hatte ich einen guten Eindruck.“ Und Matthias Lang, 33, aus Schliersee, fand, dass Jakob Kreidl "gut vorbereitet" war und "Fehler eingeräumt" hat. Andreas Thaler, 33, aus Schliersee war von Kreidl richtig begeistert: "Landrat Jakob Kreidl hat den kompetenten Eindruck gemacht, den ich schon immer von ihm hatte. Meine Wahlentscheidung hat der Abend heute nicht beeinflusst.“

"Der Grüne hätte sich nicht in Jeanshosen aufs Podium setzen sollen."

Wer meint, nur Jakob Kreidl wurde an dem Abend beobachtet, täuscht sich. Die User diskutierten auch angeregt das Auftreten der anderen Kandidaten. Ferkelstinker fragte allgemein: "War das der neue Komödienstadl?" Und HatteMehrErwartet befand: "Viiieel zu Brav für eine Wahlveranstaltung. Das war eher "eine Veranstaltung nach Jauch"... Wer war denn der ganz links im Eck? Hat nix zu sagen und bewegt sich fast nicht." Bazi war der Meinung, dass Huber "äußerst zurückhaltend" auftrat. "Er müsste viel mehr angreifen...... Kreidl hat beste Vorlagen geliefert....... Huber lässt seine Chancen stets verstreichen." Aber: "Kerkel und Huber haben auch eine gute Ausdrucksweise." Inhaltlich bleiben beide farblos, findet Bazi. Und: "Der Grüne hätte sich nicht in Jeanshosen aufs Podium setzen sollen........" Bazis Resümee: "Der Eberhard is scho a echter Spassvogel. Der Grüne verhält sich parteigemäß, Der Kreidl is froh, wenn er seine Ruhe hat. Da rote Huber ist viel zu defensiv und da Kerkel weiß aa nix. Armes MB! Wen sollst Du wählen?"

"Super Merkur, dass Ihr das gemacht habt!"

Auch wenn nicht alle Gäste und User ihre Wahlentscheidung am Mittwochabend treffen konnten - die Podiumsdiskussion hat jedenfalls überzeugt, vor Ort und online. Abgesehen von einiger Kritik wegen der Tonqualität des Streams - Entschuldigung dafür noch einmal an dieser Stelle - waren viele zufrieden. "Super Merkur, dass Ihr das gemacht habt", schrieb zum Beispiel aktu. Und Anton Reiter, 29, aus Schaftlach sagte nach dem Duell: „Mir hat's total gut gefallen. Ich finde es eine gute Idee, dass man so eine Veranstaltung gemacht hat. Es war sehr interessant, alle Kandidaten mal kennenzulernen, vor allem die, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen." Andreas Thaler, 33, aus Schliersee, ging mit diesem Resümee nach Hause: „Mir hat's sehr gut gefallen. Das ist gelebte Demokratie, wenn man hingeht und sich selber informiert."

Von Veronika Stangl und Julia Pawlovsky

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