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Norbert Kerkel will für Freie Wähler Landrat werden

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Von: Stephen Hank

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Norbert Kerkel Miesbach Landrats Kandidat
Norbert Kerkel kandidiert für die Freien Wähler als Landrat von Miesbach. © Andreas Leder

Landkreis - Die Freien Wähler haben einen Landratskandidaten: Norbert Kerkel (49), Sohn des langjährigen Landrats gleichen Namens, wurde am Mittwochabend einhellig nominiert.

Es holpert ein wenig an diesem Abend im und ums Staudenhäusl in Agatharied. Parkplätze sind angesichts des großen Andrangs kaum zu kriegen, und drinnen mühen sich die Freien Wähler mit Formalien ab. Um mit abstimmen zu können, müssen die Anwesenden Mitglied der politischen Gruppierung sein. Einige haben den Antrag noch nicht ausgefüllt, Delegiertenlisten wie bei den Parteien gibt es nicht. Also wird jeder namentlich aufgerufen und muss seine Stimmzettel abholen.

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Es zieht den Moment in die Länge, auf den eigentlich alle warten und warum sie an diesem Abend in so starker Zahl zur Versammlung gekommen sind: Werden die Freien Wähler einen Landratskandidaten aufstellen – und wenn ja, wen?

Norbert Kerkel hat sich bis zuletzt bedeckt gehalten

Bis zuletzt hatte sich Norbert Kerkel, der seit Ende September Kreisvorsitzender ist, bedeckt gehalten. Weyarns Bürgermeister Michael Pelzer dreht noch ein wenig weiter am Spannungsschräubchen. Er fordert, an diesem Abend nicht nur über Namen, sondern auch über Inhalte zu reden. Erhalt des Krankenhauses, Schutz der Kreissparkasse vor einer Fusion, Tourismus, Wirtschaft und Finanzen – in den kommenden sechs Jahren warten riesige Aufgaben. „Und deshalb müssen wir den Menschen im Wahlkampf Antworten auf ihre Fragen geben“, sagt Pelzer. Ein wenig redet er dann aber doch über Namen – als er die Bürgermeister der Freien Wähler aufzählt und deren Verdienste nennt. „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal in Bayern, dass wir bei uns mehr Bürgermeister als die CSU stellen“, erinnert der Weyarner Rathaus- Chef. „Das ist ein wahnsinniges Pfund.“

Bei der Frage, ob die Freien Wähler auch mit einem Landratskandidaten in den Wahlkampf ziehen wollen, enthält sich Pelzer wenig später. Gemeinderat Wilhelm Eisenlöffel aus Hausham ist ganz dagegen. Die anderen 116 Stimmberechtigten plädieren dafür. „Unsere Mitglieder und auch die Bürger erwarten das“, stellt der frühere Kreisvorsitzende Florian Ruml klar.

Als Kandidaten schlägt der Rottacher Bürgermeister Franz Hafner den Waakirchner Gemeinderat Norbert Kerkel vor. Für den Fall, dass sich kein anderer Bewerber findet, hätte Hafner selbst kandidiert. So aber erinnert er sich begeistert ans Jahr 1986, als die Freien Wähler am selben Ort einen relativ unbekannten Mann gleichen Namens nominiert hatten. Er sollte wenige Monate später gewählt werden und das Amt des Landrats 21 Jahre lang innehaben. „Damals wie heute ist ein Ruck durch die Freien Wähler gegangen“, sagt Hafner. „Der Name Kerkel bürgt für Qualität und besten Ruf. Er ist eine Persönlichkeit, die unbescholten ist und für Ehrlichkeit steht. Er ist unser bester Kandidat.“

Als Landrat will Norbert Kerkel Dienstleister sein

Norbert Kerkel Miesbach Landrat
Norbert Kerkel, Landrats-Kaniddat in Miesbach (links) ist der Sohn des langjährigen Landrats gleichen Namens. © Thomas Plettenberg

Kerkel vermeidet es, in seiner Vorstellungsrede auf seinen Vater einzugehen. Stattdessen spricht er humorvoll über viel Privates, sein Engagement in den Vereinen und seinen beruflichen Werdegang. Die Entscheidung zu kandidieren, habe der Vater zweier Kinder und Geschäftsführer einer Softwarefirma sehr sorgfältig abgewogen. „Ich habe viele ermunternde und auffordernde, aber auch kritische Stimmen gehört“, erzählt er. „Letztlich ist die Entscheidung erst vor zwei Tagen gefallen.“ Als Landrat sehe er sich als Dienstleister  der Gemeinden und jedes einzelnen Bürgers. Großes Ziel müsse es sein, die Finanzlage des Landkreises zu konsolidieren: „Große Sprünge werden nicht möglich sein.“

Höß: Norbert Kerkel "wie der Vater damals“

Den ersten großen Sprung macht Kerkel an diesem Abend trotzdem. Von den 118 Stimmberechtigten votieren in geheimer Wahl 112 für ihn, drei enthalten sich, auf drei Stimmzetteln stehen andere Namen. Bei der Bekanntgabe bricht frenetischer Jubel auf, die Freien Wähler springen auf und klatschen minutenlang im Stakkato. Ruml verspricht dem Kandidaten Rückenwind und Unterstützung und schließt möglicherweise auch diejenigen mit ein, die den 49-Jährigen von einer Kandidatur abbringen wollten. Ehe kurz darauf die Bewerberliste für den Kreistag verabschiedet wird, die Kerkel als Spitzenkandidat anführt, gerät der langjährige Irschenberger Bürgermeister Quirin Höß auf seinem Platz ins Sinnieren. „Die Stimmung, die Begeisterung, das war heute wie vor 26 Jahren“, sagt er. „Und wie sich der Norbert Kerkel vorgestellt hat – wie der Vater damals.“

Norbert Kerkel bei Facebook

Von Stephen Hank

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