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Sendlinger Hausmusik: Dieter Reiter spielt gerne Gitarre – seine Frau Petra trommelt manchmal mit.

So ist er privat

Dieter Reiter: Zu Hause beim OB-Kandidaten der SPD

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Mitten in Sendling leben Dieter Reiter und seine Frau in einer Mietwohnung. Wir haben den SPD-OB-Kandidaten ganz privat besucht. Und uns erzählen lassen, wie sich das Paar das erste Mal begegnete, warum es nicht mehr aufs Land ziehen will – und, wie sich der OB-Kandidat als Opa macht.

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Der Weg zu den Reiters führt vom Harras die lärmende Plinganser Straße entlang. Ruhiges Seitengebäude, Klingel ohne Gegensprechanlage, kein Aufzug, erster Stock: Der Mann, der bald die Stadt regieren will, wohnt ziemlich normal. Eine schöne 110-Quadratmeter-Altbau-Wohnung mit Fischgrätparkett und hohen Decken hat Reiter, das schon, aber großkopfert ist sein privates Lebensumfeld ganz sicher nicht.

Ziemlich grün ist es bei den Reiters. Pflanzen, Töpfe, Nudelsieb: alles grün. „Die Küche ist der Ort, wo wir uns am meisten aufhalten“, sagt Dieter Reiter. „Hier sitzen wir auch abends oft zusammen und trinken noch ein Glas.“ Aber jetzt ist Morgen – und es gibt Grapefruit und Filterkaffee.

OB-Kandidat Dieter Reiter ist schon Opa

Das Leben eines Ehepaars wird hektischer, wenn einer in den Wahlkampf zieht. Petra Reiter kämpft diesen Kampf mit. Bis Oktober hat die gelernte Buchhalterin, 52, in Vollzeit gearbeitet. „Jetzt habe ich reduziert, um meinen Mann zu unterstützen“, sagt sie und wirkt sehr eins mit sich und dieser Entscheidung. Bei vielen Abendterminen ist sie dabei, oft auch an Info-Ständen. „Wir haben unseren Tagesplan schon sehr umgestellt“, sagt die Frau des Kandidaten am Holzstich in der kleinen, gemütlichen Küche. „Wir nehmen uns fürs Frühstück Zeit und besprechen die Dinge des Familienlebens morgens.“

Denn Familie ist wichtig für die Reiters. Was viele nicht wissen: Der OB-Kandidat ist schon Opa. „Der Dieter war ein strenger Vater“, sagt seine Frau lächelnd. „Das ist jetzt schon ein Unterschied. Die Enkel dürfen bei ihm alles.“ Genau genommen handelt es sich um Enkelinnen, es sind Zwillinge. „Sie sind dreieinhalb“, erzählt der Opa, „das ist ein tolles Alter.“ Im Flur spielen die Mädchen mit ihm Kaufladen. „Wenn sie da sind, muss ich Semmeln und Müsli fürs Frühstück bei ihnen kaufen“, erzählt er und lächelt.

Dieter Reiter und seine Frau Petra spielten als Kinder zusammen im Hinterhof

Alle drei Reiter-Kinder, 26, 27, 28, leben in München oder der Region. Dieter Reiter und seine Frau haben ein Haus in Straßlach, in dem sie einige Jahre gewohnt haben. Sie haben es vermietet. Und den Umzug zurück in die Stadt nicht bereut. „Für mich ist Sendling die erste Wahl gewesen“, betont Dieter Reiter, der als Kind einige hundert Meter Luftlinie entfernt auf der Schwanthalerhöhe gelebt hat. Seine Frau sagt: „Ich bin in Sendling aufgewachsen, ich mag das Getümmel hier.“ Hört man die beiden vom Viertel schwärmen, fragt man sich, warum sie je weg sind. „Auf dem Land sieht man ja oft den ganzen Tag niemanden“, sagt Dieter Reiter etwa und wie sehr die Fahrerei genervt habe. Sein Auto hat er mittlerweile verkauft. „Petra hat noch einen Smart.“

Die beiden kannten sich schon lange, bevor sie ins Autofahrer-Alter kamen. Von einer Sandkasten-Liebe kann man zwar nicht sprechen, aber von einer frühen Hinterhof-Bekanntschaft. Mit fünf, erzählt Petra Reiter, hätten sie sich das erste Mal getroffen, die Eltern waren Bekannte. „Damals habe ich von ihm aber noch nicht so Notiz genommen.“ Das änderte sich zwei Jahre später. Ihre erste gemeinsame Erinnerung: „Wir haben im Innenhof immer Fahrschule gespielt“, erzählt sie fröhlich. „Dieter war der Fahrlehrer. Wenn er den Arm rausgestreckt hat, haben wir auch alle den Arm rausgestreckt.“

Dieter Reiter spielt mit Hep Monatzeder in einer Band

Zu viel Arbeit? „Wenn du Stress hast, box mich“ steht auf dem Stoff-Männchen auf Reiters Schreibtisch. Ein Geschenk.

Zusammengefunden haben sie erst viel viel später. Geheiratet wurde 2003, Petra brachte zwei, Dieter ein Kind aus erster Ehe mit. Die sind mittlerweile aus dem Haus. Heute spielen die Reiters statt Fahrlehrer Schach im Wohnzimmer – oder Gitarre und Trommel. Dieter Reiter zupft oft abends die Saiten („zum Leidwesen der Nachbarn“), wenn die Zeit es erlaubt, spielt er in einer Band. Bei „Next Generation“ übrigens trommelt einer, der nicht mehr zur nächsten Generation Münchner Politik gehört: der scheidende grüne Bürgermeister Monatzeder. „Der Hep ist ein exzellenter Schlagzeuger“, sagt Dieter Reiter. Er selbst möge jede Musik – „außer deutschem Schlager“. Ernsthaft beschweren sich natürlich keine Nachbarn über Reiters Gezupfe. „Wir haben eine tolle Hausgemeinschaft“, betont Petra Reiter. „Die Nachbarin holt auch mal bei uns Zucker.“

Ihr Mann hat nie eine Funktion in der SPD übernommen, aber ein Blick in sein kleines, privates Bücherregal weist ihn als überzeugten Sozialdemokraten aus. Helmut Schmidt, Georg Kronawitter und, ja, auch das, Christian Ude, stehen dort. Auch seine Frau ist SPDlerin. „Das ist mir in die Wiege gelegt worden“, sagt sie. Ihr Mädchenname war Zwicknagl, fast wie die Frau von Franz Josef Strauß. Ihr Religionslehrer habe gedacht, man sei verwandt, erinnert sie sich. Mit Strauß? „Mein Vater ist extra in die Schule, um aufzuklären, dass wir mit der CSU nichts am Hut haben!“

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Dieter Reiter: "Ich nehme in den Urlaub kein Handy mit"

Im Wohnungsflur hängen bei den Reiters Drucke von Banksy, einem britischen Graffiti-Künstler. „Mir gefällt, dass er ein politischer Sprayer ist“, sagt Petra Reiter und kichert plötzlich fast wie ein junges Mädchen. „Und vor allem, dass er ungefragt Bilder ins Museum gehängt hat.“

Das Wohnzimmer: Hier spielen die Reiters Schach, hier toben die Enkel herum.

Fürs Museum bleibt momentan keine Zeit. Erst an Ostern geht es in den Urlaub nach Kreta, ins Ferienhaus des ehemaligen Stadtkämmerers Klaus Jungfer. „Ich nehme in den Urlaub kein Handy mit, keinen Laptop“, sagt Dieter Reiter. „Ich will einfach mal zehn Tage den Kopf frei machen.“ Mykonos übrigens, Christian Udes Trauminsel, reizt ihn nicht.

Ude wird dieses Jahr viele Wochen Zeit für seine Lieblingsinsel haben. Dieter Reiter hingegen will, aus dem Urlaub zurück, einen neuen Job antreten. Ob dieser Plan aufgeht, wird sich zeigen. Die Wohnung am Harras auf jeden Fall läge schon mal geschickt. „Ins Rathaus“, sagt Dieter Reiter, „wäre es mit der U-Bahn nur eine Station weiter als jetzt“.

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