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Im Gespräch mit den Münchnern: Josef Schmid im Wahlkampf, Frühjahr 2014.

Wahlkampf auf der Straße

Josef Schmid: Der für die Sensation kämpft

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„Lasst uns neu denken“ steht über dem Wahlkampf von CSU-OB-Kandidat Josef Schmid. Auf der Straße überzeugt der Kandidat – auch viele Münchner, die bislang eher keine CSU-Wähler waren.

„Siiiiiiie!“ Der Zeigefinger des Mannes saust bedrohlich in Richtung des Kandidaten. „Die CSU ist doch nur eine Arbeitgeberpartei!“ ruft er wütend. Josef Schmid hat einen angenehmen Vormittag hinter sich, die Bürger im Münchner Westen haben positiv auf seinen Straßenwahlkampf reagiert. Aber jetzt ist er vor dem Pasinger Bahnhof doch noch mit den alten Ressentiments gegen die CSU konfrontiert. Sein Gegenüber, lange Haare, „Löwen-Fans gegen Rechts“-Kapuzenpullover, wütender Blick, hat eine sehr klare Meinung über die CSU. „Was! Hamm! Sie! gegen! die! Gewerkschaften!“, ruft er, obwohl Josef Schmid gar nichts Dergleichen gesagt hat.

"So schlecht sanns ja gar ned", sagt der Mann am Ende nachdenklich

Schmid kann Straßen-Wahlkampf. Einen „Basis-Kämpfer“ nennt er sich selbst, seit er 13 ist wirbt er an Info-Ständen. Nur muss Schmid dort kaum noch kämpfen. Die Stimmung gegenüber der CSU sei viel besser geworden, sagt der Kandidat. Wer ihn einen Tag auf der Straße begleitet, wird nicht widersprechen. Wenn doch mal jemand auf ihn zusaust, der nichts mitbekommen hat von Schmids Großstadt-Kurs, von all den Foto-Terminen mit Homosexuellen, von den freundlichen Worten über Mütter, die arbeiten gehen, dann hat Schmid eine Ruhe entwickelt, die selbst den langhaarigen Gewerkschaftsfreund in Pasing überzeugt. Ganz ruhig widerspricht Schmid. „So schlecht sanns ja gar ned“, sagt der Mann am Ende nachdenklich und geht davon. Es ist einer der vielen kleinen Erfolge des Josef Schmids.

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Helfer vor Ort: An den Wahlkampfständen unterstützen Schmid die Mitglieder der jeweiligen Ortsverbände.

Die Frage ist: Machen viele kleine Erfolge den einen großen möglich, kann es in München nach Jahrzehnten wieder einen CSU-OB geben? Bei CSUlern mischt sich in den demonstrativen Optimismus stets ein Schuss Demut. „Ich habe mich nie als Favoriten gesehen“, betont Josef Schmid. 24,4 Prozent holte er 2008 gegen Dauer-OB Christian Ude (66,8 Prozent). Diesmal werden die Karten neu gemischt. Aber wird es reichen?

Fast alle reagieren freundlich auf Josef Schmid

Schmid auf jeden Fall hat vieles richtig gemacht. Wer ihn derzeit beobachtet, kann sich kaum vorstellen, dass er 2008 ein Plakat kleben ließ zum Thema migrantische Gewalttäter. Es war eine Steilvorlage für Rote und Grüne, um ihn in die Nähe rechter Ideen zu stellen. Inzwischen erkennt er jeden Fallstrick, Schmid ist zu einem Profi geworden. Zu einem Profi wohlgemerkt, der sich in den Jahren als Oppositionsführer im Rathaus in unheimlich viele Themen eingearbeitet hat. Das Risiko seiner Taktik ist, dass er konservative Stammwähler irritieren könnte mit all seiner Liberalität. Im Stadtrat wirkt er in seinen schwächeren Momenten manchmal etwas bürokratisch – auf der Straße aber kann er sehr vielen Menschen zu sehr vielen konkreten Problemen etwas sagen.

Zur Person

Josef Schmid wurde 1969 geboren. Der gläubige Katholik ist seit 2003 verheiratet mit Natalie Schmid. Er ist Vater von zwei Kindern. Schmid ist seit 2002 Stadtrat, 2008 kandidierte er erstmals für den Oberbürgermeister- Posten, verlor aber mit nur 24,4 Prozentpunkten deutlich gegen Christian Ude. Politisch aktiv ist der Metzgersohn aus Allach aber schon viel länger: Bereits mit 13 Jahren trat er in die Schüler-Union ein, mit 17 in die Junge Union, mit 18 ging er zur CSU. Sein Abitur legte Schmid am Ignaz-Taschner- Gymnasium in Dachau ab, den Wehrdienst leistete er bei den Pionieren in München. Schmid studierte Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft in Passau und München. Zwischen 2000 und 2003 war er als selbstständiger Rechtsanwalt tätig, bis heute arbeitet er neben seiner Tätigkeit im Stadtrat als Partner einer überregionalen mittelständischen Anwaltskanzlei. Seit 2008 ist Schmid Mitglied im Deutschen Städtetag, seit 2011 ist er auch Vize-Chef der Münchner CSU. Schmid ist auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats bei der städtischen Wohnbaugesellschaft GEWOFAG.

Zum Beispiel auf einem Supermarkt-Parkplatz am Westkreuz. Es ist Samstagmorgen, der VW-Bulli, der zu seinem Markenzeichen geworden ist, parkt neben einem CSU-Sonnenschirm. Schmid geht auf die Menschen zu, ohne aufdringlich zu werden. Er verteilt Rosen, sagt immer wieder die gleichen Worte: „Mein Name ist Josef Schmid. Ich bin Oberbürgermeister-Kandidat der CSU. Am 16. März ist Wahl. Es würde mich freuen, wenn ich Sie überzeugen könnte.“ Fast alle reagieren freundlich, nehmen die Rose, dazu eine Broschüre von Schmid. Andererseits dauert es sehr lange, bis Menschen, die nicht mit den örtlichen Parteifreunden bekannt sind, aus Neugier zum CSU-Stand kommen. Fast alle sind aufgeschlossen gegenüber Schmid. Ob es aber eine Wechselstimmung ist, das wird der 16. März zeigen.

Schmid schaut sehr, sehr zufrieden

Schmids Wahlkampagne mit den modernen Plakaten wird mit Lob überschüttet. Seine Themen kommen auf der Straße an – zumindest teilweise. „Wir sind die, die wollen, dass marode Schulgebäude wieder in Ordnung kommen“, sagt er zu Eltern, die über die Zustände an den Schulen ihrer Kinder schimpfen. Im Westen betont er auch, dass er eine U-Bahn nach Pasing und Freiham will. Über die städtischen Kliniken, eines seiner Spezialthemen, das die CSU auch plakatiert hat, will an diesem Samstag kein einziger Bürger mit dem Kandidaten sprechen.

Wo ist der Wähler? Josef Schmid geht selbst auf die Menschen zu, auch auf dem Supermarkt-Parkplatz.

Die besten Momente für Schmid sind die, wenn Münchner zu ihm kommen, die nicht wie klassische CSU-Wähler wirken. In Pasing sagt ein Künstler aus dem Senegal, Rasta-Haare, breites Grinsen, er wähle ihn. Schmid schaut sehr, sehr zufrieden. Sowas bestätigt ihn in seinem Kurs, die CSU zu modernisieren.

Josef Schmid: "In München ist ein CSUler nie vorne"

Jetzt, in der heißen Phase, sollen ihm, dem lange Unterschätzten, endlich Promis der Union helfen. Am Donnerstagabend sollte Horst Seehofer mit ihm auf einer Bühne stehen. Angeblich könnte vor einer Stichwahl sogar Angela Merkel kommen und helfen, die Sensation zu schaffen. Angesprochen auf Reiters Vorsprung in Umfragen sagt Schmid in Pasing: „In München ist ein CSUler nie vorne. Aber vielleicht schaffen wir es ja auf den letzten zwei Metern.“ Die Zielgerade, sie liegt jetzt vor ihm.

Kurz und persönlich

Mit wem würden Sie gerne ein Bier trinken gehen?

Schmid: Mit dem Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson.

Mit wem würden Sie niemals ein Bier trinken gehen?

Schmid: Mit Wiktor Janukowytsch, dem Präsidenten der Ukraine.

Welcher Politiker hat Sie am meisten beeindruckt?

Schmid: John F. Kennedy.

Ihr erstes Auto?

Schmid: Ein roter Ford Escort.

Ihr Traum-Auto?

Schmid: Mein VW-Wahlkampf-Bulli T1 von 1968.

Meine größte Macke

Schmid: Manchmal bin ich etwas ungeduldig.

Was muss an einem besonderen Tag auf den Esstisch?

Schmid: Wüstl mit Sauerkraut und naturtrübes Kellerbier.

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Von Felix Müller

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