OB-Wahl München Stimmzettel Auszählung
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Drunter und drüber ging es am Montag offensichtlich in vielen Münchner Wahlbüros. Die Fehlerquote war horrend.

Fehlerquote 80 bis 90 Prozent

OB-Wahl in München: Pannen in den Wahlbüros

  • Johannes Löhr
    VonJohannes Löhr
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Bis zu 90 Prozent der am Montag aus Münchner Wahlbüros gemeldeten Ergebnisse waren fehlerhaft. Das hat das Wahlamt gestern bestätigt. Schuld seien die ungewöhnlich vielen unerfahrenen Helfer gewesen. Ein Wahlbezirk musste sogar komplett neu ausgezählt werden.

Die Auszählung der Kommunalwahlergebnisse hat sich in München unerwartet schwierig gestaltet. 80 bis 90 Prozent der in den 1022 Wahlbüros ermittelten Ergebnisse seien fehlerhaft, hieß es am Dienstag von Seiten des Kreisverwaltungsreferats (KVR).

Nachdem die Ergebnisse der OB-Wahl am Sonntagabend bereits feststanden und auch die Wahlzettel, auf denen ausschließlich eine Liste angekreuzt war, ausgezählt waren, sollte am Montag das Endergebnis ermittelt werden. Dafür mussten die etwa 10.000 Helfer jene Zettel auswerten, auf denen die Bürger ihre Stimmen auf verschiedene Listen verteilt hatten. Dabei sind offensichtlich unglaublich viele Fehler passiert.

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OB-Wahl in München: Haidhausen musste komplett neu ausgezählt werden

Wahlamts-Chef Peter Günther erklärte auf Anfrage, es handle sich fast ausschließlich um Additionsfehler. Die könnten den Zähl-Teams oder dem Schriftführer oder dem Wahlleiter vor Ort unterlaufen sein – denn sie alle übertragen Ergebnisse handschriftlich. Ein Protokoll aus jedem Wahlbüro wird dann im KVR in den Wahl-Computer eingegeben. Der PC checkt anhand einer strengen Plausibilitätsprüfung, ob das alles überhaupt stimmen kann – und das rote Lämpchen leuchtete am späten Sonntagabend und den gesamten Montag über pausenlos. Eine 30 Mann starke Kontrollgruppe musste daraufhin bis auf Team-Ebene zurückverfolgen, wo der Fehler liegt.

Am Dienstag um 17.30 Uhr stand das vorläufige Endergebnis endlich fest. „Bei einem Wahlbüro in Haidhausen konnten wir nicht zurückverfolgen, wo der Fehler liegt“, berichtete Günther. „Da waren mehr Stimmen notiert worden, als aufgrund der Zahl der Wahlberechtigten überhaupt möglich war. Wir mussten dort alles noch einmal auszählen.“

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Stadt musste bei OB-Wahl mit 4500 Ehrenamtlichen ohne Erfahrung arbeiten

Günther betonte, der ungewöhnlich große Anteil ehrenamtlicher Kräfte sei wohl schuld an der massiven Fehlerquote. Normalerweise rekrutiere man den Löwenanteil der Wahlhelfer aus der Stadtverwaltung und aus staatlichen Behörden. „Wir hatten aber nun die vierte Abstimmung in nur neun Monaten, da sind einige altgediente Helfer abgesprungen.“ So habe man mit 4500 Ehrenamtlichen gearbeitet, die zum Teil noch gar keine Erfahrung mit Wahlen hatten.

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Eine besondere Qualifikation brauchen die Freiwilligen nicht, sagt Günther. „Sie sollten lesen und schreiben können – und rechnen, wie man gesehen hat.“ Den Anflug von Sarkasmus nimmt er aber gleich wieder zurück: „Wir waren totfroh, dass wir sie hatten, und es wäre schade, wenn sich die Häufigkeit der Fehler auf die Motivation auswirken würde, künftig wieder mitzumachen.“

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Aber wie vermeidet man künftig solche Fehler? Günther betont, bei der Europawahl am 25. Mai würden wieder vermehrt erfahrene Kräfte mitwirken. „Man braucht dann auch nicht so viele Helfer wie bei der Kommunalwahl.“ Das amtliche Endergebnis der Stadtrats-Wahl wird am 28. März vom Wahlausschuss bekanntgegeben.

Johannes Löhr

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