Wenn sich mittags die Türen des Schulbusses öffnen, herrscht kurzzeitig großes Gedränge. „Müsste nicht sein“, meint Bettina Köhler, wenn Sicherheitskräfte für Ordnung und die Einhaltung des Abstands sorgen würden.
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Wenn sich mittags die Türen des Schulbusses öffnen, herrscht kurzzeitig großes Gedränge. „Müsste nicht sein“, meint Bettina Köhler, wenn Sicherheitskräfte für Ordnung und die Einhaltung des Abstands sorgen würden.

Polizei sieht kein Problem

Bushaltestelle am Schongauer Schulzentrum: Schüler wird umgerempelt und überrannt - Mutter fordert mehr Kontrollen

Ein Schüler wird an der Bushaltestelle beim Schulzentrum umgerempelt und überrannt. Wie kann es dazu kommen, in Zeiten des Abstands-Haltens? Wer ist für die Haltestelle verantwortlich? Soll dort besser kontrolliert werden, und wenn ja, wer soll dies übernehmen? Die Suche nach der Zuständigkeit gestaltet sich schwierig.

Schongau – Ins Rollen gebracht hat die Diskussion Bettina Köhler aus Hohenfurch. Ihr zehnjähriger Sohn war der Leidtragende des besagten Zwischenfalls. Der besorgten Mutter geht es nicht um das blaue Knie, das ihr Sohn davongetragen hat. „Der Paul ist robust. Der steht auf, schüttelt sich einmal, und dann ist gut“, betont sie. Doch was Bettina Köhler stört, ist, dass die Kinder monatelang nur Wechselunterricht hatten, weil die Abstände im Klassenzimmer nicht eingehalten werden konnten, sogar der Sportunterricht mit Maske stattfand, und „an der Bushaltestelle ist das dann allen wurscht.“

Doch wer ist zuständig für den Bereich der Schulbushaltestelle, für das sichere Ein- und Aussteigen? „Die RVO nicht“, weiß Köhler, die sich durch alle Instanzen telefoniert hat. Diese seien erst verantwortlich, wenn die Schüler im Bus sind. Davor nicht. „Wie es da zugeht, interessiert die meisten Busfahrer nicht. Mir haben mehrere Busschüler bestätigt, dass diese bis zur Abfahrt auf ihr Handy schauen oder aus dem Fenster rauchen“, ärgert sich die Mutter.

Wer ist zuständig für die Bushaltestelle?

Wie sieht es mit der Zuständigkeit beim Landratsamt und der Stadt Schongau aus? „Im Schulzentrum treffen verschiedene Sachaufwandsträger zusammen“, erklärt Schongaus Geschäftsstellenleiterin Bettina Schade. Das heißt: Der Landkreis ist für die Realschule und das Gymnasium verantwortlich, die Stadt für die Grundschule und die Mittelschule. Doch im Fall des Schulbusses eben als so genannter Sachaufwandsträger, der die Dienstleistung der Schülerbeförderung einkauft.

Dennoch wurde im Schongauer Rathaus der aktuelle Fall eingehend diskutiert, der allen „unglaublich leid“ tut. Es sei der erste Fall seit vielen Jahren. Darauf ausruhen wollten sich die Verantwortlichen der Stadt aber nicht. Deshalb ist seit einiger Zeit eine Beschäftigte der Stadt, die eigentlich zur Mittagsbetreuung der Ganztagesschüler eingestellt wurde, zur Mittagszeit vor Ort, um die Schüler auf die Einhaltung des Abstands hinzuweisen. „Die nimmt aber keiner ernst“, weiß Bettina Köhler. Zudem wird sie nicht mehr auf ihrem Posten sein, sobald die Mensa wieder öffnet.

Und die Idee der Stadt Schongau ganz zu Anfang der Pandemie, zivile Kräfte der Bundeswehr um Hilfe zu bitten, damit diese die Einhaltung des Abstands und der Maskenpflicht kontrollieren, wird nicht erneut diskutiert. „Wir sind da ein gebranntes Kind, denn durch die Veröffentlichung dieses Vorschlags wurde eine unsachliche Debatte ausgelöst. Uns wurde unter anderem unterstellt, wir möchten, dass an der Bushaltestelle Panzer auffahren“, erinnert sich Bürgermeister Falk Sluyterman nicht gern zurück.

Dennoch hat er sich mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß besprochen, wie man aktuell reagieren sollte. Nach einem längeren Gespräch sei man sich einig gewesen, dass weder die Stadt noch der Landkreis verantwortlich für Ordnungskräfte an der Bushaltestelle seien. Zudem sei man in diesem Bereich dazu gar nicht befugt, denn bei dem Bereich um die Haltestelle handelt es sich um öffentlichen Grund. Und für die Sicherheit im öffentlichen Raum ist die Polizei zuständig.

Polizei sieht kein größeres Problem

„Wir fahren regelmäßig Schulwegüberwachungen, morgens wie mittags, und das nicht nur in Schongau“, versichert Polizeichef Herbert Kieweg. Er habe sich bei seinen Kollegen vor Ort informiert, wie sich ihnen die Situation an der Bürgermeister-Lechenbauer-Straße darstellt. „Es gibt dort eigentlich kein größeres Problem, die Schüler sind grundsätzlich sehr diszipliniert“, so sein Fazit. Es sei zudem schwierig, die Einhaltung des Abstands zu überprüfen, da mittlerweile zehn Personen zusammenstehen dürfen. „Da kann man nichts beanstanden.“ Doch der Polizeichef versprach, die Situation im Blick zu behalten, und notfalls einzuschreiten.

„Mir war das eigentlich von vornherein klar, dass da nichts Greifbares rauskommt“, zeigt sich Bettina Köhler enttäuscht. Sie würde sich nach wie vor wünschen, dass irgendjemand ein Auge auf die Bushaltestelle hat. Zum Beispiel: „Dass die Polizei dort nicht nur Streife fährt, sondern vielleicht auch mal einer aussteigt und für Ordnung sorgt.“ Doch auch an die Eltern der Busschüler richtet sich ihre, und die Bitte aller Beteiligten: Die Kinder sollten gerade jetzt zu Hause sensibilisiert werden, für sich und für andere Verantwortung zu übernehmen und sich in Rücksichtnahme zu üben.

Christine Wölfle

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