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"Schongau macht sich lächerlich"

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Gute Stimmung: Tobias Kalbitzer bei seiner Siegesfeier in der North End-Bar. © Herold

Schongau - Die Schongauer Bürgermeisterwahl hat polarisiert – und das wird sie auch noch weiter tun. Denn die große Frage ist: Auf welche Seite schlagen sich die Wähler von UWV und CSU in der Stichwahl? Viele sind entsetzt über das Wahlergebnis.

Laute Musik in der Schongauer North End-Bar, einige Raucher vor der Tür, drinnen steht Tobias Kalbitzer plaudernd mit einigen Spezln, auch sein Vater ist da – so sehen Sieger aus. Spaßeshalber versteckt er das Bier vor dem Fotografen, doch was soll’s? Weder die Bier- Ex-Geschichte, die bundesweit Schlagzeilen gemacht hat, noch die mysteriöse K.o.- Tropfen-Beleidigungsanzeige hat ihm offenbar geschadet. Da wird die eine oder andere Halbe Bier erlaubt sein. „Wir feiern und haben einfach ein bisschen Spaß“, sagt Kalbitzer.

Tobias Kalbitzer ist Vize-Bürgermeister

Der 27-Jährige ist, auch wenn er einige Prozent hinter SPD-Konkurrent Falk Slyuterman zurückliegt, der Mann, über den alle sprechen bei dieser Schongauer Wahl.„Kalbitzer in der Stichwahl? Echt? Ist ja super“, freut sich eine Mutter, die abends ins Rathaus kommt. Kurz darauf verlässt ein Schongauer wutentbrannt den Sitzungssaal. „Da macht sich Schongau doch lächerlich“, poltert er.

Live-Ticker: Der Tag nach der Kommunalwahl

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Meinung der Bürger. Die einen sind begeistert, dass da ein junger, unbekümmerter und vor allem unabhängiger Kandidat antritt, der zwar überhaupt keine Erfahrung hat, aber vieles anders machen will. Die anderen wiederum schütteln den Kopf, wie die Schongauer denn so einen Kandidaten überhaupt in Erwägung ziehen können.

Entsetzen im Café Müller bei CSU und UWV

Letztere Meinung herrscht im Café Müller vor, wo zufälligerweise die Verlierer von CSU und UWV  gemeinsam ihre Wahlparty feiern. Gedrückte Stimmung an den Tischen, Ralf Schnabel  löffelt eine Gulaschsuppe. Er ist zufrieden mit seinem Wahlkampf, alle hätten super mitgezogen. Doch das Ergebnis sei „mit der Logik schwierig zu begründen“. Eine ältere Frau  am Tisch wird deutlicher: „Das ist beschämend, peinlich für Schongau“, zischt sie. „Armes Schongau“, sagt auch Uschi Holzhey, Frau von UWV-Urgestein Fritz Holzhey.

Bilder von den Wahlpartys in Schongau

Bei der tief deprimierten CSU einen Tisch weiter schaut es nicht viel anders aus. FürRalf Paul  haben die einen aus Protest, die anderen aus „Jux und Tollerei“ Kalbitzer ihre Stimme gegeben.„So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten“, sagt die tief deprimierte Christa Erlenbruch. Doch Paul ist auch selbstkritisch: „Das ist die vierte Niederlage hintereinander. Da muss man schon mal die Frage stellen, warum.“

Die Stimmung bei der SPD, die im Ballenhaus-Café feierte, war gelöst, aber nicht euphorisch. Das lag aber nur an der Klatsche für Landrat Friedrich Zeller und die Ungewissheit, wie viele Stadtratssitze herausspringen. Hans Fickler, langjähriger SPD-Stadtrat, kann zwar auch nur den Kopf schütteln über die Wahl Kalbitzers. Aber er sieht ihn als schlagbaren Gegner in der Stichwahl: „Das ist gut für uns, was Besseres hätte uns gar nicht passieren können.“

Von Boris Forstner

Reaktionen auf Facebook

Auf der Facebook-Seite von Tobias Kalbitzer überschlagen sich nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses die begeisterten Reaktionen. 843 User (Stand: Montag 9 Uhr) haben seine Statusmeldung "Stichwahl Baby! 28,8% 1481 Stimmen! Heftig!" mit einem "Gefällt mir" markiert. Die 79 Kommentare sind ausnahmslos positiv. Eine Auswahl:

Am Montagmorgen hat sich auch Falk Sluyterman auf seiner Facebook-Seite zum Wahlausgang vom Sonntag geäußert:

"Liebe Schongauerinnen und Schongauer,

sehr viele von Ihnen haben mir bei der Bürgermeisterwahl am 16. März ihre Stimme gegeben. Dafür herzlichen Dank!

Mein Ergebnis von 34,3 % macht dennoch eine Stichwahl nötig. Deshalb bitte ich Sie, am 30. März noch einmal zur Wahl zu gehen. Besonders bitte ich diejenigen unter Ihnen um ihr Vertrauen, die im ersten Wahlgang einen anderen Kandidaten gewählt haben.

Danken möchte ich vor allem meinen Mitbewerbern für den fairen Wahlkampf und ich bin fest davon überzeugt, dass sich das die nächsten zwei Wochen nicht ändern wird. Meinem Gegenkandidaten Tobias Kalbitzer gratuliere ich zu seinem Einzug in die Stichwahl!

Nutzen Sie am 30. März Ihr Wahlrecht – für die Zukunft unserer Stadt.

Ich bitte Sie um Ihr Vertrauen. Ihre Stimme zählt!

Mit herzlichen Grüßen Falk Sluyterman"

Auch bei Sluytermans Statusmeldungen (insgesamt neun "Gefällt mir"-Angaben) sind die Reaktionen der User ausschließlich positiv. "Hi Falk, wir hatten Dir gestern die Daumen gedrückt - und werden das auch noch weiterhin tun!!!!!!", heißt es unter anderem.

Wie Robert Stöhr das Wahlergebnis bewertet, bleibt zumindest in den sozialen Netzwerken unklar. Seine Facebook-Wahl-Seite "Robert Stöhr - Bürgermeisterkandidat" (mit zuletzt 629 folgenden Usern) ist aktuell nicht mehr erreichbar. Wurde sie bereits gelöscht? Auch auf seiner privaten Facebook-Seite findet sich am Montagmorgen keine Reaktion.

Auch Ralf Alexander Schnabel hat sich auf seiner Facebook-Seite noch nicht zum Wahlergebnis geäußert. Der letzte Eintrag ist vom Sonntagnachmittag und lautet: "In ca. 1 Stunde werden wir die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in Schongau kennen. Ich freue mich darauf und möchte ALLEN danken, die mich die letzten Monate unterstützt haben, gestärkt, Vertrauen geschenkt und mir Mut gemacht haben meinen Weg zu gehen, um Schongau voranzubringen."

Update, Montag, 12.26 Uhr: Mittlerweile hat sich auch Ralf Alexander Schnabel zu seinem Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl geäußert. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er um kurz nach 11 Uhr:

"Vielen Dank an alle Schongauer Bürgerinnen & Bürger, die mir Ihre Stimme gegeben haben. Gerne hätte ich als Bürgermeister Schongau dabei geholfen, das volle POTENTIAL zu entfalten. Nun besteht die Chance im Stadtrat. Vielen Dank für Ihr Vertrauen! " Ich bereue nichts im Leben – außer dem, was ich nicht getan habe." Dieses Zitat von Coco Chanel entspricht meinem Leitbild. Es war ein intensiver und engagierter Wahlkampf, gemeinsam mit einem engagierten, motivierten UWV TEAM. DANKESCHÖN!"   

fro

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