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Weilheims Stadtrats-Älteste appelliert an ihre Kollegen: „Wir brauchen mehr Improvisation“

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Von: Magnus Reitinger

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Dank des Kunstforums an Ragnhild Thieler (Mitte): Im Sommer 2021 bekam die Kulturreferentin und Nestorin des Stadtrates eines der Künstlerbücher geschenkt, die zum 20-jährigen Bestehen des Kunstforums Weilheim entstanden. Auch Museumsleiter Tobias Güthner erhielt ein Buch aus den Händen der damaligen Kunstforum-Vorsitzenden Susanne Kohler (l.).
Dank des Kunstforums an Ragnhild Thieler (Mitte): Im Sommer 2021 bekam die Kulturreferentin und Nestorin des Stadtrates eines der Künstlerbücher geschenkt, die zum 20-jährigen Bestehen des Kunstforums Weilheim entstanden. Auch Museumsleiter Tobias Güthner erhielt ein Buch aus den Händen der damaligen Kunstforum-Vorsitzenden Susanne Kohler (l.). © archiv gro

„2021 war aufregend, aber nicht immer nur im positiven Sinne“: Als Stadtrats-Älteste warf Ragnhild Thieler in der Weihnachtssitzung einen nachdenklichen Blick auf das zu Ende gehende Jahr. Auch der Umgang im Ratsgremium war dabei ein Thema – mit einer deutlichen Mahnung an die Kollegen.

Weilheim – Seit 2002 gehört Ragnhild Thieler dem Weilheimer Stadtrat an, mit 76 Jahren ist sie aktuell die Älteste des Gremiums, die so genannte Nestorin. Und als solcher obliegt es ihr, in der letzten Sitzung des Jahres den Blick über das Tagesgeschäft hinaus zu lenken – mit aller politischen und menschlichen Erfahrung. Die Rede des Nestors ist traditionell (fast) der Schlusspunkt des Sitzungsjahres, ihr folgen nurmehr die Weihnachtswünsche des 1. Bürgermeisters.

Angesichts der fortdauernden Corona-Pandemie mahnte Thieler zu Beginn ihre Ansprache „Umsicht, Verzicht und Rücksicht“ an, aber auch „Zuversicht, Tatkraft und Vernunft“. Sie dankte den Ärzten und Pflegern, die „oft bis zur völligen Erschöpfung und nicht selten darüber hinaus um jedes Menschenleben kämpfen“ – und bat bisherige Impfskeptiker und -gegner dringend: „Gehen Sie zum Impfen, Sie schützen sich und andere, es geht hier nicht mehr um den Einzelnen, es geht um unsere Gesellschaft.“

Kulturelle Veranstaltung bieten Zuversicht

Zuversicht boten für Thieler zuletzt zwei kulturelle Initiativen in Weilheim: Philipp Geists „Hoffnungslicht“ am Kirchturm der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt (zu sehen noch bis 6. Januar: täglich von ca. 17 bis 22 Uhr) und der digitale „Klingende Adventskalender“ mit Beiträgen heimischer Musiker (abrufbar unter www.weilheim.de). „Vielen Dank allen, die uns diese schönen Momente ermöglicht haben“, sagte Thieler, die auch Kulturreferentin des Stadtrates ist.

Die Stadt müsse auch und gerade in der Krise die Wirtschaft vor Ort stärken, die Digitalisierung vorantreiben und Maßnahmen zum Klimaschutz beschleunigen, forderte die Nestorin. Und insbesondere „unsere schöne Innenstadt, um die uns viele Orte zu Recht beneiden“, gelte es weiter zu fördern und aktiv zu gestalten: Sie sei „ein wichtiger Lebensmittelpunkt für unsere Bürgerinnen und Bürger“, ein Ort von „gesellschaftlicher Begegnung, sozialem Austausch und wirtschaftlicher Entwicklung“.

Gleichwohl könnten viele sinnvolle, schöne und wichtige Vorhaben nur gelingen, wenn es die städtischen Finanzen zulassen – „das muss auch der Bevölkerung leider deutlicher vermittelt werden“, betonte die BfW-Vertreterin. Nötig seien aber auch finanzielle Unterstützungen von Bund und Freistaat für die Kommunen, unkompliziertere Förderbedingungen und flexiblere Ordnungsvorschriften: „Wir brauchen mehr Mut zu weniger Bürokratie und mehr Improvisation.“

Wunsch, manchmal bekannte Wege zu verlassen und Neues zu wagen

Die Stadtratsmitglieder zeichne eine große Bürgernähe und „der direkte Draht zu den Menschen“ aus, konstatierte Thieler. Sie stelle aber „leider auch in unserem Gremium fest, dass manchmal der respektvolle Umgang miteinander leidet“. Der Stadtrat müsse nicht einer Meinung sein, „aber auf ein Ziel sollte er sich verständigen können“, sagte die Nestorin – und monierte: „Schlecht durchdachte Forderungen häufen sich.“ Kurzfristig funktioniere das in öffentlichen Sitzungen womöglich, langfristig gehe es jedoch auf Kosten der Qualität im politischen Betrieb.

Im Sinne der „uns gestellten Aufgaben“ appellierte Thieler an ihre Ratskollegen: „Ich wünsche uns allen die Kraft und den Mut, manchmal bekannte Wege zu verlassen, die Bereitschaft, Neues zu wagen, und die nötige Entschlossenheit, schneller zu handeln.“

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