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Ausblicke auf den Sehnsuchts-See

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Von: Ulrike Osman

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Walter Rose Blick auf Ammersee
Diesen „Blick auf den Ammersee“ hielt Walter Rose vom Höhenzug zwischen Türkenfeld und Grafrath aus fest. Hinter den Dächern des Dorfes Zankenhausen erstreckt sich das Ampermoos, dahinter erscheint als schmaler Strich das Nordufer des Sees bei Stegen. © Osman

St. Ottilien – Er hat vielleicht nicht den Glamour-Faktor des tiefen Starnberger Sees und nicht die touristische Anziehungskraft anderer bayerischer Gewässer. Doch die Schönheit des Ammersees ist unbestritten und lockte spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler an seine Ufer – interessanterweise vor allem ans West-Ufer, wie Pater Cyrill Schäfer, Leiter der Klostergalerie St. Ottilien, zu berichten weiß. Hier ist zur Zeit die Ausstellung „Seeblick“ zu sehen – eine Privatsammlung als vielfältige künstlerische Hommage an den Ammersee.

Gezeigt werden Werke aus der privaten Sammlung des Schondorfers Peter Cornelius Mayer-Tasch. Der Professor für Rechts-, Politik- und Kulturwissenschaft ist selbst das beste Beispiel für die Magie, die das einst als „Bauernsee“ bezeichnete Gewässer auf Menschen ausüben kann. Als Neunjähriger hörte der gebürtige Stuttgarter zum ersten Mal vom Ammersee.

Das Zauberwort

Anrührend beschreibt der inzwischen 83-Jährige im Vorwort des Ausstellungskatalogs jenen glühend heißen Sommertag, an dem sein großer Bruder erzählte, er werde demnächst eine Radtour an den Ammersee unternehmen. Der „Klang dieses Zauberworts“ weckte bei dem Kriegs- und Stadtkind, das Seen bis dahin nur aus Bilderbüchern kannte und noch nicht einmal in einem Freibad gewesen war, eine „Vision von Ferne, Weite und Bläue“. Er sollte den Ammersee nie wieder vergessen.

1971 erreichte ihn ein Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Prompt konnte sich Mayer-Tasch mitsamt junger Familie an seinem Sehnsuchts-See niederlassen. Hier war er schnell mittendrin in der Naturschutz-, Kultur- und Kunstszene und fing an Bilder zu sammeln – künstlerische Spiegelungen des Sees und seines unmittelbaren Hinterlandes. Ein Teil von ihnen ist nun in der Klostergalerie zu sehen.

Lieblich und dramatisch

Die Aquarelle und Ölbilder, Kohle- und Bleistiftzeichnungen stammen zum Teil von Mitgliedern der bekannten Künstlervereinigung Scholle, unter ihnen Walter Georgi, Adolf Münzer, Fritz und Erich Erler. Die Werke zeigen den Ammersee aus zahlreichen Perspektiven, zu allen vier Jahreszeiten und in vielen Stimmungslagen, von lieblich bis dramatisch. Der Ortskundige erkennt auch ohne Blick auf die Bild-Titel die künstlerischen Ausblicke: die Schondorfer Bucht, die Schondorfer Seeanlagen, die Umgebung von Utting, die Herrschinger Bucht mit dem auf dem fernen Berg thronenden Kloster Andechs und viele weitere malerische Stellen.

Der Uttinger Gasthof „Sommer am See“, festgehalten von Walter Rose (1903–1964), mag vielen Neubürgern dagegen kein Begriff mehr sein, denn er wurde vor über 40 Jahren abgerissen. Heute liegt an seiner Stelle der Summer-Park am Dampfersteg. Überlebt haben die Kastanienbäume, die bereits in Roses Gemälde auftauchen.

Aus dem Rahmen fällt ein Bild von Roses Bruder Heinz (1902–1971), das folgerichtig allein in einer Nische hängt. Er malte den See – es könnte allerdings auch ein x-beliebiger sein – mit pferdeförmig auslaufenden Uferwellen, darüber schwebt ein riesiger Vollmond in apokalyptischer Nacht.

Die Gemälde-Ausstellung „Seeblick – Die Ammerseelandschaft im Spiegel der Kunst“ in der Klostergalerie St. Ottilien ist noch bis zum 20. Februar zu sehen. Der Zugang zur Klostergalerie befindet sich auf der Rückseite des Klosterladens. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

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