Elias Kollmann - TSV Landsberg - Bayernliga Süd
+
Elias Kollmann (helles Trikot, Bildmitte) erzielte mit dem 1:1 in Hankofen seinen ersten Saisontreffer für Bayernligist TSV Landsberg.

Kurioses Eigentor von Bayernligist Landsberg

Aus 30 Metern in die eigenen Maschen

  • Dietrich Limper
    VonDietrich Limper
    schließen

Hankofen – Vor der stattlichen Kulisse von 750 Zuschauern haben die Fußballer des TSV Landsberg am Samstag beim Bayernliga Süd-Spitzenreiter SpVgg Hankofen-Hailing mit 1:3 verloren. In der Tabelle stehen die Lechstädter nun mit 17 Punkten auf Platz 6. . Spielertrainer Muriz Salemovic benennt in der Analyse die Gründe für eine vermeidbare Niederlage.

Der Höhenflug der Spielvereinigung aus dem Landkreis Straubing-Bogen ist eng verknüpft mit dem Namen Heribert „Heri“ Ketterl. Der 60-jährige ehemalige Torwart ist nicht nur seit 2017 Schulamtsdirektor in Straubing, sondern seit Herbst 2020 auch Trainer des momentanen Spitzenreiters. Als er die Mannschaft übernahm, steckte sie tief im Abstiegsstrudel. Heute ist sie der Primus in der Bayernliga Süd.

Der Pädagoge verbindet Fußball mit Philosophie. In der Kabine leitet er das Motto für das anstehende Spiel auch mal von der griechischen Mythologie ab. Oder er lässt Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo über Motivation referieren. Die Trainingslehre von Pep Guardiola oder Julian Nagelsmann kombiniert Ketterl mit taktischen Psycho-Tricks, die von seinen Jungs begierig aufgenommen und umgesetzt werden. Bisher gibt ihm der Erfolg recht: Der kleine Dorfverein eilt von Sieg zu Sieg. Von der grauen Maus zum strahlenden Phoenix.

TSV-Coach Salemovic war von den Komplimenten des gegnerischen Trainers dement­sprechend beeindruckt: „Heri strahlt große Ruhe, Erfahrung und Kompetenz aus. Er hat mir zur Halbzeit gesagt, dass er seit Jahren keine Mannschaft in Hankofen gesehen hat, die so gut war wie wir.“ Umso absurder mutet die Tatsache an, dass der TSV nach 45 Minuten mit 1:2 ins Hintertreffen geraten war.

Für den verletzten Kapitän Anzenhofer spielte Holdenrieder auf der rechten Abwehrseite. Kollmann ersetzte den für drei Spiele gesperrten Hoffmann, rückte allerdings in die Sturmspitze, während Nikolic und Hutterer die Doppelsechs bildeten. Neuzugang Benede und Schmeiser gaben die Innen­verteidigung. Die Anfangsphase gehörte den Gästen aus Landsberg, wie Salemovic erzählt: „Wir hatten die absolute Spielkontrolle und wahrscheinlich 70 Prozent Ballbesitz. Aber wir machen die Tore nicht und verschulden die zwei Gegentore vor der Pause selbst.“

Leistungsträger Brank Nikolic unterlief nach 27 Minuten ein ausgesprochen kurioses Eigentor: Er wollte den Ball aus rund 30 Metern zurück zu Keeper Witet­schek spielen, doch er traf die Kugel zu hart und sie trudelte unerreichbar zum 0:1 ins Netz. Landsberg ließ sich trotzdem nicht hängen, wie Salemovic erzählt: „Ich muss den Jungs ein großes Kompliment machen, dass sie nach diesem unseligen Eigentor vor dieser Kulisse einfach weitergemacht haben. Wir haben uns davon nicht beeindrucken lassen.“

Sieben Minuten später fand Elias Kollmann mit seinem ersten Saisontreffer die passende Antwort: Er nahm eine Kopfball­verlängerung von Schmeiser, nach einer Ecke von Salemovic, volley und drosch das Leder zum überfälligen 1:1 ins Tor. Danach erspielte sich der TSV weitere Chancen. Aber sowohl Lutz als auch Fülla konnten das Spielgerät nicht über die Linie bringen. Es war dann ein Ballverlust ohne Not, der nach 44 Minuten die erneute Führung der Gastgeber einleitete. Vincent Ketzer schaltete am schnellsten und traf zum 2:1 für die SpVgg Hankofen-Hailing. Ein Nackenschlag zur Unzeit, der den Untergang des TSV Landsberg einleitete.

„Hankofen ist mit unserer Spielweise gar nicht zurecht gekommen. Sie haben ihr System mehrmals umgestellt, aber bekamen keinen Zugriff. Es ist verrückt, dass wir zur Pause nicht vorne liegen. Ich kann meinen Spielern insgesamt gar keinen Vorwurf machen“, sagt Salemovic zerknirscht.

Vergebene Torchancen

Maximilian Holdenrieder blieb zur zweiten Halbzeit in der Kabine und wurde durch Plator Doqaj ersetzt. Bis zur 60. Minute marschierten die Lechstädter unbeirrt weiter, aber es war erneut der fahrlässige Umgang mit guten Torchancen, der den Ausgleich verhinderte. Das Trainergespann Salemovic/Hutterer brachte den genesenen Manuel Detmar (62.) für Andreas Fülla. Kevin Gutia (71.) kam für Kazuki Date und der TSV spielte nun mit Dreierkette noch offensiver.

„In der letzten halben Stunden mussten wir alles riskieren und dadurch ist Hankofen wesentlich besser ins Spiel gekommen. Sie hatten dann auch ihre Chancen, vor allem bei Kontern“, erklärt Salemovic die Auswirkungen der Umstellungen. SpVgg-Stürmer Andreas Wagner nutzte so eine Gelegenheit in der 83. Minute und sorgte mit seinem siebten Saisontreffer für die Entscheidung zum 3:1.

Eine Szene sieht TSV-Coach Salemovic als symptomatisch für die derzeitige Situation an: In der 89. Minute spielte Lutz einen Ball scharf in die Mitte, den erst Kollmann verpasste und Detmar schließlich aus fünf Metern nicht im leeren Tor unterbringen konnte. „Nach einem Drittel der Saison kann man nicht nur von Pech reden, wenn vorne die Tore nicht gemacht werden. Spielerisch können wir uns kaum verbessern, die Qualität ist da. Wir wissen, dass wir jede Mannschaft in dieser Liga schlagen können. Aber unsere mangelnde Chancenverwertung und einige Rote Karten haben uns viele Punkte gekostet.“ Noch ist der TSV Landsberg allerdings im Soll, denn das Saisonziel ist ein Platz auf den ersten sechs Rängen.

Schon am heutigen Mittwoch gibt es die Gelegenheit, die gesammelten Erkenntnisse in die Tat umzusetzen: Um 18.30 Uhr ist der TSV Kottern im 3C-Sportpark zu Gast, der am Wochenende 0:5 gegen die Münchener Löwen unterging. Beide Teams benötigen einen Sieg, um den Abwärtstrend zu stoppen.

Für den TSV Landsberg liefen auf: Witetschek - Lutz, Schmeiser, Benede, Holdenrieder (ab 46. Doqaj) - Nikolic, Hutterer, Salemovic - Fülla (ab 62. Detmar), Kollmann, Date (ab 71. Gutia).

Quelle: Kreisbote

Auch interessant

Kommentare