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Cem Özdemir trifft auf kritische Jungbauern

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Von: Sabine Fleischer

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Hans Drexl (Mitte) und sein Sohn Georg (links) zeigen den GRÜNEN-Politikern Cem Özdemir, Ludwig Hartmann, Gabriele Triebel und Gisela Sengl die fast vertrockneten Ackerbohnen hinter ihrem Hof in Kaufering.
Hans Drexl (Mitte) und sein Sohn Georg (links) zeigen den GRÜNEN-Politikern Cem Özdemir, Ludwig Hartmann, Gabriele Triebel und Gisela Sengl die fast vertrockneten Ackerbohnen hinter ihrem Hof in Kaufering. © Fleischer

Kaufering – Vielfalt in der Landwirtschaft, Ausbau der Bio-Landwirtschaft auf 30 Prozent, Modernisierung der Tierhaltung, Ernährungssicherheit trotz Höfe-Sterbens, Flächenfraß und verordneter Brache: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und Vertreter der GRÜNEN-Landtagsfraktion hatten viel Diskussionsstoff bei ihrer Stippvisite im Landkreis dabei.

Bioland-Bauer Hans Drexl – auch Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands – zeigte am Montag Özdemir und Fraktionschef Ludwig Hartmann den Alltag auf seinem Biolandhof in Kaufering; mit von der Partie Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel und die Agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl sowie Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter sowie Jungbauern aus der Region. An jeder Station erklärten Drexl und sein Sohn die Herausforderungen eines Landwirts heutzutage – in der Dinkel-Tenne die schwierige Marktsituation beim Dinkelverkauf oder an der hof­eigenen Kartoffel-Abpackanlage die hohen Anforderungen der Verbraucher an perfekte Kartoffeln oder die Auswirkungen des Klimawandels in der Landwirtschaft. „Durch die hohen Temperaturen ernten wir heuer zwei Wochen früher mit 170 Millimeter Niederschlag weniger als sonst und wir hier sind noch im gelobten Land“, sagte Drexl. Wie trocken es trotzdem ist, davon konnte sich Özdemir selbst überzeugen: Die Ackerbohnen hinterm Hof haben die heißen Temperaturen der vergangenen Wochen nicht gut überstanden. Der Minister sah sich bestätigt, den Klimaschutz weiter voranzutreiben: „Eine Pause im Klimaschutz jetzt aufgrund des Ukraine­krieges führt geradewegs in die Katastrophe.“

Bei der anschließenden Diskussion mit den (Jung-)Bauern der Region ging es um ganz pragmatische Themen: um den Frust durch immer neue EU-Regeln, zu viel Bürokratie (25 Prozent der Arbeitszeit), die Umsetzung der 4-Prozent-Flächenstillegung ab 2023, die Planungsunsicherheit bei nötigen Investitionen sowie das schlechte Image und Anfeindungen im Alltag. Insbesondere die „verbotene“ Begrünung der stillzulegenden Flächen sehen viele Landwirte eher kontra­produktiv, wichtiger guter Boden für die Ernährungssicherheit gehe verloren, der „Unkraut-Druck“ bei gleichzeitig erzwungener Pflanzenschutzmittel-Reduktion würde noch höher.

Cem Özdemir wies mehrfach auf Maßnahmen im Dreiklang seiner Agenda „Ernährungssicherung – Biodiversität – Klimaschutz“ hin. Er setze auch auf neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung. Ludwig Hartmann brachte mögliche „landwirtschaftliche Schutzgebiete“ ins Spiel, um Flächenfraß wie etwa „durch Neubau des Landratsamts auf gutem Ackerboden in regensicherem Gebiet“ zu stoppen. Der Minister versprach, sich beim Finanzminister für die Ausweitung der Subventionen auf laufende Kosten stark zu machen. Das aber sehen die Landwirte kritisch.

„Wir wollen von uns selbst leben und nicht noch abhängiger werden,“ sprach Jungbauer Franz Sießmeir den Anwesenden aus dem Herzen. Eine Stall-Betriebserlaubnis für 20 Jahre würde da mehr helfen.

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