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Bürgerbegehren gegen Wohnblockanlage in Denklingen

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Von: Johannes Jais

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Anita Gropp und Manfred Gayer, die Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt haben.
Plädoyer für einen „verträglichen Wohnraum“: Anita Gropp und Manfred Gayer, die Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt haben. © Jais

Denklingen – „Wir brauchen Wohnraum. Aber der muss verträglich sein“. Das ist der Gedanke, der Anita Gropp und Manfred Gayer aus Denklingen antreibt, die Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln. Nach dem Bau der knapp 60 Wohnungen auf dem früheren Schelkle-Bauernhof treibt sie die Sorge um, dass Investor Stefan Friebe auf einem zweiten Grundstück, das er neulich nebenan an der Bahnhofstraße gerodet hat, weitere Wohnanlagen errichten möchte.

Gut 300 Unterschriften sind auf den Listen für das Bürgerbegehren bereits vermerkt, einige sollen noch hinzukommen. Die Initiatoren – als Vertreter des Bürgerbegehrens werden Anita Gropp, Manfred Gayer und Bernhard Klingele benannt – wollen bewirken, dass zu einer möglichen weiteren Verdichtung ein Bürgerentscheid herbeigeführt wird. Dann sind alle erwachsenen Bewohner und Bewohnerinnen in Denklingen, Epfach und Dienhausen gefragt.

In der Gemeinde Denklingen mit ihren knapp 3.000 Einwohnern gibt es circa 2.200 Wahlberechtigte. Davon müssen mindestens zehn Prozent für das Bürgerbegehren unterschreiben. Die notwendige Zahl sei inzwischen erreicht, erklärt Anita Gropp, die als Lehrerein vor allem die schulfreie Woche nach Allerheiligen nutzte, um von Haus zu Haus zu ziehen. Gayer ist Rentner und konnte auch einige Zeit in das Sammeln von Unterschriften investieren.

Auf dem früheren Schelkle-Hof hatte der Unternehmer Stefan Friebe vier Wohnanlagen errichtet. Drei davon sind mittlerweile bezogen. Eine, die nahe an der Bahnhofstraße steht, wird noch fertiggestellt. Westlich davon hat der Investor ein weiteres Grundstück erworben, auf dem noch ein altes Haus steht und wo der Garten inzwischen gerodet wurde. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben nun die Sorge, dass dort weiter massiv mit Wohnungen verdichtet wird.

„Nach dem Erwerb des Eckgrundstücks Bahnhofstraße/Birkenstraße durch den Bauunternehmer und nach dem unverzüglichen Kahlschlag des Grundstücks liegt der Verdacht nahe, dass der Bestand hier erweitert und die Gemeinde vor vollendete Tatsachen werden soll.“ Diese Ansicht haben die Gegner des Projekts in der Begründung zum Bürgerbegehren niedergeschrieben.

Die Fragestellung geht dahin, ob das Ortsbild Denklingens mit einer Erweiterung einer bereits bestehenden Wohnblock-Gruppe samt Tiefgarage weiter entscheidend verändert werden dürfe. Ein Stichwort ist auch die Verkehrssituation auf dem Weg zur Grundschule an der Birkenstraße, die durch ein erhöhtes Aufkommen an Pkw-Verkehr verschärft werde.

Außerdem soll verhindert werden, dass durch eine große Tiefgarage im Ernstfall ein erhebliches Risiko für die Freiwilligen der Feuerwehren entsteht. Gropp: „Mir ist schleierhaft, wie man eine so große Tiefgarage brandschutztechnisch genehmigen konnte!“

Behutsame Entwicklung

„Wir wollen eine behutsame Entwicklung“, formulieren Manfred Gayer und Anita Gropp. Das Wachstum der vergangenen Jahre habe in Denklingen dazu geführt, dass im Baugebiet An der Obstwiese und nunmehr auch in den schon errichteten 56 Wohneinheiten an der Bahnhofstraße viele Familien und Menschen wohnen, die kaum einen Bezug zur Ortschaft aufbauen.

Wer sich in die Liste einträgt, ist gegen die Erweiterung der Wohnblock-Anlage an der Bahnhofstraße. Gropp und Gayer wollen im November noch weiter sammeln. Wer Interesse bekundet, kann sich auch bei ihnen melden. Die Unterschriftenliste möchten sie anschließend an Bürgermeister Andreas Braunegger überreichen.

Der hat Erfahrung mit Bürgerbegehren in Denklingen. Denn er war selbst treibende Kraft beim Bürgerbegehren gegen den Bau eines neuen Rathauses auf dem früheren Neuwirt-Grundstück. Damals gab es im Mai 2014 beim Bürgerentscheid ein klares Votum gegen diese Pläne. Braunegger ist seit Januar 2018 selbst Chef im Rathaus, das sich seit zwei Jahren im aufwändig sanierten ehemaligen Gasthof Hirsch befindet.

Die aktuelle Unterschriftensammlung gegen weitere Wohnblöcke an der Bahnhofstraße möchte Braunegger auf Nachfrage unserer Redaktion (noch) nicht kommentieren. Er wolle abwarten, „was uns da bald übergeben wird“, formuliert er zurückhaltend.

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