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Der Auftakt der „Ammersee Classics“

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Flori Bauer Ammersee Classics 2022
Den 1. Platz sicherte sich Flori Bauer (vorne rechts), Platz 3 ging an Oliver Betz (dahinter). © Villa Amalia

Utting – Beste Bedingungen für die „Ammersee Classics“: Den ganzen Samstag über herrschte heißes Wetter, der See leuchtete karibisch, der Himmel weiß-blau. Es war ein besonderes Regattieren, endlich wieder mit Landgang und Rahmenprogramm. Nur etwas mehr Wind hätte es geben können. Darum beneidetet keiner der Teilnehmer Wettfahrtleiter Markus Wegmann, der entscheiden musste, wann er die 24 gemeldeten Boote der ersten der vier „Ammersee Classics“-Regatten auf die Bahn schickte. Vier Wettfahrten wollten gefahren werden, zwei wurden bei leichtem Wind durchgeführt.

An den Start gehen durften bei der Regatta nur klassische Holzboote, die vor 1970 gezeichnet und gebaut wurden und auch den originalen Konstruktionen und Rissen der ursprünglichen Klasse entsprechen. Neuere Boote dürfen nur teilnehmen, wenn sie den Original-Konstruktionen entsprechen und beim Bau nur Material verwendet wurde, das vor 1970 erhältlich war.

Die älteste teilnehmende Yacht, der „Sturmvogel“, wurde 1908 erbaut, in Breslau auf Kiel gelegt und über den Bodensee an den Ammersee gebracht. Heute dient die Yawl auch als eines der Schulungsboote der Bayerischen Seglervereinigung (BSV) Utting.

Neben den Mannschaften aus den am Ammersee und Starnberger See ansässigen Segelclubs reisten drei Crews aus Stuttgart und vom Bodensee mit ihren Klassikern an: vom Stuttgarter Segel-Club (StSC) Eberhard Renz, Eigner des original erhaltenen Holz-Piraten „Nöck“ (GER 1751) mit seinem Vorschoter Tilman Ratz vom Yachtclub Nürnberg (YCN). 1960 erbaut, ist der Pirat heute noch mit den Original-Segeln, dem Holzrigg und der Gabelpinne so ausgestattet wie bei seiner Auslieferung. Über die Jahre wurde er gut gepflegt, eine Totalrestaurierung war noch nie notwendig. So hat er heute eine perfekte Patina und sein Original-Zustand lässt Klassikersegler bewundernd die Kappe ziehen.

Eine weitere Mannschaft vom StSC, Arno und Finn Becker, nahmen mit ihrem Schwertzugvogel GER 1987, ein ebay-Fund, der noch keinen Namen trägt und wahrscheinlich von 1978 ist, teil. Gebaut wurde er auf der Sabin-Werft am Dümmer. Als dritte auswärtige Crew segelten Robert Geißler von den Kressbronner Seglern (KS) mit seiner Crew Torsten Cyrus (KS) und Christian Meidinger vom Obersulmer Segelsport-Club (OSC 75) mit. Ihre 22er Rennjolle „Monika“ (J-488) von 1937 wurde auf der Pieper Werft in Zürich erbaut, Konstrukteur war Reinhard Drewitz aus Berlin.

Die Platzierungen

Die Siegerehrung feierten alle auf dem Vordeck der „Andechs“. Die Siegerehrung war in malerische Sonnenuntergangstimmung getaucht, umweht von einer sanften Abendbrise. Der 1. Platz ging an Altmeister, Flori Bauer vom ASC, mit seiner O-Jolle „Kleine Freya“ (O-120), erbaut 1936 auf der Steinlechner Bootswerft in Utting. Den 2. Platz belegten Christoph Hagenmeyer, vom DSC, mit seiner Crew Heiner Elbel, DSC, und Manfred Michl, ASC, auf seiner Jubilarin, dem 100-jährigen 35er nationalen Kreuzer „Waggi“ (T-66), erbaut auf der Rambeck-Werft am Starnberger See. 2004 erwarb die Steinlechner Bootswerft die damals 82-jährige „Waggi“. 2008/2009 wurde sie restauriert und 2009 wieder Indienst gestellt anlässlich der „Oldies but Goldies“ Regatta des ASC.

Flori Bauer Ammersee Classics
Darf sich über Platz 1 freuen: Flori Bauer (links). © Villa Amalia

Auf den 3. Platz segelten Oliver Betz mit seiner langjährigen Crew Michi Erhard und Patrick Wittmann, alle vom ASC. Erst Mitte Juni wurde diese Crew Sieger des diesjährigen J-Jollen Euro-Cups im DSC in Dießen a. Ammersee auf der 84-jährigen 22er Rennjolle/J-Jolle „Zwiderwurz“. Konstrukteur: Reinhard Drewitz aus Berlin; erbaut wurde sie 1938 ebenfalls auf der Pieper Werft in Zürich.

Gerade die Hundertjährige „Waggi“ mit ihrer Crew hat beim „Traditionsklassenmeeting“ gezeigt, dass noch so einiges in ihren alten, hölzernen Planken steckt. So hatte sie 2020 den Gesamtsieg über alle vier AC-Regatten eingefahren.

Weiter geht es am kommenden Wochenende, 9. und 10. Juli, im Ammersee Yacht-Club (AYC) in Riederau mit der „Holzpokal“-Regatta. Im Riederauer AYC wird dabei ganz bewusst an den Traditionen für die Klassiker-Regatten festgehalten. So wird anhand einer hölzernen Startanlage mit fünf Korb­bällen, die den Countdown optisch durch einen minütlich fallenden Korbball anzeigt, direkt vom Steg aus gestartet. Und es wird nach traditionellen Kursen gesegelt, so wie es schon vor über 115 Jahren gehandhabt wurde: mitunter durchaus anspruchsvoll.

Mehr Infos unter www.ammersee-yacht-club.de/holz-pokal.

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