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Die jugendliche Neugier bewahren

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Von: Susanne Greiner

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Franz Lichtenstern im Konzert Landsberg
Franz Lichtenstern bei einem Konzert mit dem Collegium musicum. © privat/Collegium musicum Landsberg

Landsberg – Gitarre, Saxophon, Schlagzeug: Instrumente, die ‚cool‘ sind. Aber Cello? Zwar hat es einen besseren Ruf als die Bratsche – Bratschisten werden gern als ‚Ostfriesen des Orchester‘ bezeichnet. Dennoch, stellt man sich einen kleinen Jungen vor, dürfte das große Streichinstrument nicht die erste Wahl sein. „Ich wusste am Anfang nicht mal, was das war“, gibt der Landsberger Franz Lichtenstern unumwunden zu. Dennoch ist er heute Profimusiker. Und als solcher oft bei der von ihm initiierten Landsberger Konzertreihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ zu hören. Zum Cello kam er aber eher wie die Jungfrau zum Kinde.

Wie viele Kinder hat auch Lichten­stern seine ersten Musik-Erfahrungen mit der Blockflöte gemacht: in der Landsberger Singschule „bei Herrn Kuhn­lein“, erinnert er. Auch wenn Lichten­stern später im Blockflötenquartett spielte, richtig gut war er nie. „Ich hab auch nie geübt“, gibt er zu. Das höchste der Gefühle war ein dritter Platz bei Jugend musiziert – auf Regionalebene. Weil Kuhnlein geraten habe, was „Gscheits“ zu lernen, hakte Franz‘ Vater Anton bei Alfons Schmidt, Leiter des Collegium musicum Landsberg, nach, welches Instrument denn gerade gebraucht werde: „Cello, da hab ich wenig“, antwortete der – und beschloss damit Lichten­sterns Schicksal.

Unterricht gab‘s vorerst nur bei Schmidt selbst – der Klavier spielte, nicht Cello. Erst später, da war Lichtenstern bereits 14, sollte Cellistin Dorothea Meißner (damals noch Bader) diese Aufgabe übernehmen. Als sie ihn mit zu den Geigenklasse-Wochenenden von Urs Stiehler, seit 1984 Dozent am damaligen Richard-Strauss-Konservatorium in München, nahm, zündete bei Lichtenstern die Cello-Begeisterung: „Da haben wir nächtelang Kammermusik gemacht“, erinnert er sich. „Ohne Urs hätte ich nicht weitergemacht.“ Viele Leute von damals seien heute noch Freunde, erzählt er. Denn was ihn vor allem beim Musizieren gehalten habe, das sei die Gemeinschaft gewesen. Und die jugendliche Neugier, die man sich als Musiker bewahre – sogar bewahren müsse. Manchmal, auf Tournéen, habe er das Gefühl, wieder mit einem Jugendorchester unterwegs zu sein. Zum Beispiel, wenn er mit den Kollegen des Bayreuther Festpielorchesters, bei dem er seit 2016 mitwirkt, unterwegs ist.

Aufgrund der Kammermusikwochenenden mit Stiehler entscheidet sich Lichten­stern schließlich für das Cello-Studium. Bis es soweit ist, verdient er sich das Geld für die Cellostunden als Postbote: „Mein Bezirk war Allach“, erinnert er sich. 1992 geht er dann in den hohen Norden: nach Lübeck an die Musikhochschule. Vier Jahre später kommt Lichtenstern nach München zurück, absolviert ein Aufbaustudium und bekommt 1997 die Stelle am Gärtnerplatztheater.

Das Leben als Profimusiker ist nicht nur Honigschlecken: „Es bedeutet 365 Tage im Jahr Arbeit, da kommt man nicht raus. Aber natürlich hat man auch eine gewisse Freiheit“, erzählt Lichtenstern. Der Vater dreier Kinder – das jüngste ist gerade drei Jahre alt – lebt zudem mit Geigerin Kumiko Yamauchi zusammen, wie er im Gärtnerplatztheater angestellt und oft bei den Konzerten in der Bibliothek dabei – sowie bei zahlreichen anderen Projekten: „Sie arbeitet noch viel mehr als ich“, sagt Lichtenstern. Organisation heißt das Zauberwort. Denn auch wenn man freie Tage habe, müsse man üben. Es gilt, das Programm im Theater vorzubereiten, auch die Stücke der Konzerte müssen in Finger und Kopf gespielt werden. „Wenn man zwei Wochen nicht übt, verliert man die Verbindung zum Instrument.“ Was trotz Übung bleibt, ist die Aufregung, vor jedem Konzert. „Aber seit zehn, 15 Jahren kann ich damit umgehen“, sagt der Cellist – und erinnert sich mit Grauen an seine Klavierprüfung: „Die war extrem anstrengend.“ Klavier muss jeder Musikstudent vorspielen. Ein Instrument, dass Lichten­stern, so sagt er selbst, aber nie beherrscht hat.

Auch wenn die ersten Unterrichtsstunden bei Schmidt nicht Lichtensterns Idee waren, haben sie doch zu seiner Konzertreihe in Landsberg geführt: Denn Schmidt ging öfter von der Malteserstraße mit Franz in den Bibliothekssaal, um dort Stücke mit Klavierbegleitung zu spielen. „Ich habe den Raum als riesig in Erinnerung gehabt, weil ich damals noch so klein war“, erinnert sich Lichtenstern. Später wird er aber erst mit den Kollegen die Akustik des doch nicht so großen Raums prüfen, bevor er 2009 mit der Konzertreihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ startet.

Die aktuelle Situation empfindet Lichtenstern als anstrengend. Im Theater seien oft mehr Menschen auf der Bühne als davor. Wie es mit der Landsberger Konzertreihe weitergeht, weiß er nicht. Mit den aktuell im Bibliothekssaal erlaubten 27 Zuhörern rechnet sich ein Konzert nicht. Im Februar ist ein weiteres geplant. „Das würde ich gerne in der Maschinenhalle machen, da dürften immerhin 50 Leute rein.“ Aber ob so viele überhaupt kommen? Beim letzten Konzert im Dezember seien die Plätze gerade so besetzt gewesen. Einige hätten Angst, anderen sei der Aufwand mit Test und Co. zu groß. Aber Absagen mag Lichtenstern auch nicht. Er uns seine Kollegen machen weiter – so gut es eben geht.

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