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Der neue Kantor für Landsbergs Stadtpfarrkirche

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Von: Susanne Greiner

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Winfried Lichtscheidel Kantor Landsberg
Winfried Lichtscheidel – hier noch an der Woehl-Orgel in Sendenhorst mit seiner Frau Agata, die ebenfalls Kirchenmusikerin ist – übernimmt das Amt des Kantors der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ab dem 1. April. © Lichtscheidel

Landsberg – Es ist kein einfaches Erbe, das Winfried Lichtscheidel ab 1. April in der Kreisstadt antritt: Er wird der neue Kantor der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt – und folgt damit auf Johannes Skudlik, der den Posten über 40 Jahre geprägt hat. „Johannes Skudlik hat dafür gesorgt, dass Landsberg ein internationales Renommee als Orgelstadt bekommen hat“, sagt Lichtscheidel. „Ich schätze ihn sehr!“ Aktuell arbeitet Lichtscheidel noch als Kantor der Gemeinde St. Martinus und Ludgerus in Sendenhorst – im Münsterland.

Dass der 42-jährige Organist nicht aus Nordrhein-Westfalen stammt, ist seiner singenden Sprachmelodie sofort anzuhören. Geboren ist Lichtscheidel Ende März 1980 in Friedrichshafen – der neue Posten in Landsberg ist sozusagen das Geburtstagsgeschenk zum 43sten. Bis 2010 studiert er katholische Kirchenmusik und Orgel als künstlerisches Hauptfach an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und schließt mit dem Master für Kirchenmusik und dem Konzertexamen ab. Anschließend geht es ins Münsterland: nach Sendenhorst.

Der Grund für den Umzug in den – von Friedrichshafen aus gesehen doch eher – hohen Norden: die Orgel in St. Martin, ein Instrument des Marburger Orgelbauers Gerald Woehl, über den Lichtscheidel auch seine Diplomarbeit verfasst hat. „Ich bin ein großer Fan dieser Instrumente! Und ich bin mit Woehl-Orgeln groß geworden.“ Deren „charakteristische Intonation“ und die Klanggestaltung begeistern ihn. An der Sendenhorster Orgel nimmt Lichtscheidel mehrere CDs auf. Und für die Gesamteinspielung der zehn Orgelsymphonien des französischen Organisten Charles-Marie Widor erhält er den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“.

Die außergewöhnliche Landsberger Orgel spricht den Musiker natürlich auch an. Kennengelernt hat er sie 2007 beim zweiten internationalen Orgelwettbewerb, den Skudlik ausgerufen hatte. „Das war das Beste, was damals europaweit geboten war“, sagt Lichtscheidel. Während die Sendenhorster Orgel „Franzosen mag“, biete die Landsberger Orgel liturgisch und als Konzertinstrument eine enorme Bandbreite, sei für unterschiedlichste Stile geeignet: von majestätisch bis hin zu meditativen Klängen. Und habe mit der Tuba mirabilis natürlich auch einen einzigartigen Klang­aspekt. Den Orgelwettbewerb 2007 hat Lichtscheidel übrigens gewonnen.

Nicht nur die Orgel, auch Landsberg spricht Lichtscheidel an. Schon beim Besuch 2007 mit seiner Frau Agata, selbst examinierte Kirchenmusikerin, fallen dem Paar die schöne Stadtpfarrkirche und die pittoreske Altstadt auf. Und sie sind äußerst angetan von dem, „was hier alles machbar ist“. Damals habe er beschlossen: „Wenn es die Möglichkeit gibt, bewirbst du dich hier“, erzählt der Organist. Was er im Oktober letztes Jahr dann mit Erfolg getan hat.

Damit kommt der Kirchenmusiker wieder zurück in den Süden, in die „Heimat“, wie er sagt. Sendenhorst sollte eigentlich nur ein Abstecher werden. „Aber dann kamen die Kinder“, erzählt Lichtscheidel. Die Große kommt jetzt in die erste Klasse, die Zwillinge sind gerade vier Jahre alt geworden.

Was ist machbar?

Als Kantor der Stadtpfarrkirche will der dann 43-Jährige die Landsberger Konzerte weiterführen. Und natürlich auch den Landsberger Orgelsommer. In der Leitung solcher Events ist er geübt: In Sendenhorst installierte der Musiker die Konzertreihe „Sendenhorster Orgelherbst an der Woehl-Orgel“, zu dem ebenfalls Orgelmusiker aus der ganzen Welt anreisten. Die Nachfrage für die Landsberger Konzertreihen sei beim Publikum ja ganz offensichtlich vorhanden. Und auch die finanziellen Möglichkeiten seien gegeben, habe ihm Stadtpfarrer Michael Zeitler gesagt – natürlich in einem gewissen Rahmen. „Wir müssen schauen, was machbar ist.“

Nach seinem Start in der Lechstadt wolle er sich erst einmal „einleben und einarbeiten“, sagt der Musiker. 2023 sei der 150. Geburtstag von Max Reger, das biete sich natürlich für mögliche Konzerte an. Nicht zuletzt habe ihn Reger auch im Studium begleitet. Oder ein Bach-Zyklus in zwölf Konzerten mit den Choralbearbeitungen und den freien Orgelwerken des Barockkomponisten. „Aber auch die musikalische Gestaltung der Lithurgie ist mir ein großes Anliegen“, sagt Lichtscheidel. „Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Stadtpfarrer Zeitler.“ Wichtig sei ihm zudem, dass der Kirchenchor „gut weiterläuft“. Und vielleicht sei ja auch die Reaktivierung des internationalen Orgelwettbewerbs in der Lechstadt möglich.

Ein Problem teilen Lischtscheidel und seine Familie mit vielen anderen, die nach Landsberg ziehen wollen: die schwierige Suche nach einer Wohnung. Man habe ihnen eine Wohnung bereits zugesagt gehabt, erzählt der Organist. Aber dann sei doch noch eine Absage gekommen. Er würde gerne in der Nähe seiner Gemeinde wohnen. Und hofft das Beste: „Aber als fünfköpfige Familie ist das natürlich nicht so einfach.“ Die Aussicht auf den neuen Posten in Landsberg trübt das aber nur am Rande. „Es ist einfach eine große Freude und Ehre, Johannes Skudliks Nachfolge antreten zu dürfen.“ Sie freuten sich als Familie auf das, was da auf sie zukomme. „Das wird auf jeden Fall spannend.“

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