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Stadtbus Landsberg: Waibels lässige Kapitulation

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Von: Werner Lauff

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Stadtbus Landsberg - Waibel
Fährt nur noch im Stunden-Takt: der Stadtbus Landsberg. © KB-Archiv

Landkreis – Waibel kapituliert, das Landratsamt notifiziert – so stellt sich die Lage zwei Tage nach der überraschenden Ankündigung des Busunter­nehmens dar, die Zahl der Fahrten wegen „dauerhaften Fahrermangels“ für unbestimmte Zeit zu halbieren. Betroffen sind seit Montag (12. September) der Stadtbusverkehr der Linien 1, 2, 3 und 5 sowie die LVG-Linie 70 (Landsberg - Weil - Scheuring - Prittriching - Mering). Mit Verständnis der Nutzer können weder das Unternehmen noch die Behörde rechnen. Auch die Stadt Landsberg bezeichnete die Reduzierung als „ausgesprochen kontraproduktiv“.

Das kam aus heiterem Himmel: Erst am Dienstag, dem 6. September, teilte der Prokurist und Betriebsleiter der Waibel GmbH, Horst Argesheimer, der Presse mündlich mit, dass das Unternehmen zeitlich unbefristet erhebliche Streichungen am Fahrplan vornehmen will – und zwar bereits ab Montag, dem 12. September. Der Grund: Waibel findet keine Busfahrer mehr.

Der „eklatante Personalmangel“ habe sich bereits länger abgezeichnet, erläuterte Arges­heimer im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Viele Busfahrer gingen in Rente. Junge Menschen scheuten den hohen Aufwand für den Busführerschein von 10.000 bis 13.000 Euro. Außerdem bilde die Bundeswehr kaum noch Busfahrer aus. Hinzu komme ein Problem bei der Bezahlung. Waibel gehöre zum „Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen“. Dessen Tarifvertrag beinhalte „die schlechtesten Fahrerlöhne in ganz Deutschland“.

»Vertragsbruch«

In den sozialen Medien löste die Ankündigung Waibels erhebliche Kritik aus. Nutzer erinnerten daran, dass das Unternehmen den Auftrag durch eine europaweite Ausschreibung erhalten habe und nun seine Versprechungen erfüllen müsse. Die Firma, die Teil der deubus AG mit Sitz im hessischen Kirchhain ist, stach 2017 mit seinem Gebot die Landsberger Firma Eisele aus, die den Stadtbusbetrieb jahrelang zuverlässig durchgeführt hatte. Wenn Waibel jetzt „lässig kapituliere“, also einfach einen Teil der Leistungen nicht mehr erbringe, sei dies ein Vertragsbruch und müsse Konsequenzen haben, hieß es in den sozialen Medien.

Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV)zeigte sich über den Vorgang betroffen. Sie erklärt auf KREISBOTEN-Anfrage: „Die Firma Waibel Bus hat uns leider erst sehr kurzfristig am 6. September mitgeteilt, dass sie ab Beginn nächster Woche erhebliche Fahrplanänderungen beim Stadtbus vornehmen will. Ich kann nachvollziehen, dass es bei den Busfahrern, wie in vielen anderen Bereichen auch, einen Personalmangel gibt und natürlich ist es besonders wichtig den Schulbusverkehr gerade zu Beginn des neuen Schuljahres zu gewährleisten. Andererseits ist die Reduzierung der Taktfrequenz im ÖPNV gerade nach Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein fatales Signal vor allem im Hinblick auf die Ziele, die wir mit der Mobilitätswende verfolgen. Das 9-Euro-Ticket hat dazu beigetragen, die Attraktivität des ÖPNV deutlich zu steigern. Eine Reduzierung der Taktfrequenz unmittelbar danach ist aus meiner Sicht ausgesprochen kontraproduktiv. Ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen möglich sind, stimmen wir mit dem Landratsamt als Aufgabenträger eng ab. Wir hoffen, dass wir so schnell wie möglich zu einem konstruktiven Ergebnis im Sinne der Nutzer des Stadtbusses kommen und Personal in absehbarer Zeit zur Verfügung steht.“

Eine ähnlich lautende Bemühens-Erklärung des Landratsamt gibt es nicht. Es teilte unter der Überschrift „Personalmangel bei Busfahrerinnen und Busfahrern – Fahrplanänderungen ab dem 12.09.2022 auf der LVG Linie 70 und den Stadtbuslinien 1, 2, 3 und 5“ im Wesentlichen lediglich die neuen Abfahrtszeiten mit. Man könnte sagen: Die Stadt Landsberg protestiert (wenn auch vorsichtig) gegen die Ankündigung, das Landrats­amt Landsberg notifiziert sie. Dass das Amt damit der Rolle des Aufgabenträgers für den öffentlichen Nahverkehr ausreichend Rechnung trägt, mag man bezweifeln. Aber vielleicht wird hinter den Kulissen verhandelt.

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