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Fast immer mit Vollgas unterwegs

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Von: Dietrich Limper

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MC Welden - Indoor-Strecke Fuchstal
Heißer Zweikampf in der Ruf-Arena: bis zu 60 Stundenkilometer schnell sind die Elektroautos, die indoor ihre Runden auf der mit ETS-Teppich belegten Strecke drehen. © Limper

Fuchstal – Werner Ruf strahlt. Der 53-jährige Präsident des MC Welden schaut auf das Projekt, das jüngst abgeschlossen wurde und ist hochzufrieden: die nagelneue Indoor-Glattbahn, in der eigens dafür gebauten Halle vor den Toren von Fuchstal. Der Modellsportclub Welden hat sich seit 1988 den ferngesteuerten Autos verschrieben – unabhängig von der Jahreszeit.

Die Outdoor-Strecke „Fuchs­talring“ ist auch dank ihrer einzigartigen Steilkurve weit über den Landkreis Landsberg hinaus bekannt. Doch dieser Parcours lässt sich im Winter nicht nutzen und wenn die Saison im Oktober endete, musste der MC Welden auf Behelfslösungen ausweichen. Für einige Jahre konnten die Fahrer eine Strecke in Merching bei Augsburg benutzen, aber damit war 2019 Schluss und guter Rat teuer.

„Es geht unter anderem darum, dass wir auch in den Winter­monaten den Kontakt zu den Mitgliedern halten möchten“, erzählt Werner Ruf. „Das war nach der Schließung der Anlage in Merching nicht mehr möglich. Also haben wir mit der Planung für eine eigene Halle angefangen und im Sommer 2020 war sie fertig.“ Die Stromversorgung für das 540 Quadratmeter große Schmuckstück erfolgt über die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Fußbodenheizung wird durch die benachbarte Biogasanlage gespeist, so dass es im Winter angenehme 20 bis 23 Grad hat.

Fast alle Arbeiten haben die rund 100 Mitglieder selbst ausgeführt. Entstanden sind 32 „Schrauberplätze“ mit den nötigen Werkzeugen für Fine-Tuning und Reparaturen an den kleinen Boliden. Ein erhöhter Fahrerstand, von dem aus die Rennwagen gesteuert werden und ein professioneller Gastro-Bereich für die Versorgung der Mitglieder und Gäste. „Wir haben mit Bernd Kern einen Koch in unseren Reihen“, erzählt Werner Ruf grinsend, „und der hat unsere Küche und alles drumherum perfekt geplant und gebaut.“

Die Mitglieder schenkten ihrem Präsidenten zur Einweihung ein großes Schild mit der Aufschrift: „Ruf Arena“. „Eigentlich gebe ich nichts um Personen­kult, aber diese Geste hat mich schon sehr gerührt“, gesteht der Namensgeber Werner Ruf. Was nun noch fehlte, war die eigentliche Strecke. Im Juni vergangenen Jahres begann die Planung, zunächst im kleinen Kreis. MC-Mitglied Robert „Robby“ Leydolph präsentierte ein erstes Layout. Schließlich einigte man sich auf eine finale Version mit zwölf Kurven und einer 20 Meter langen Geraden. Die Gesamtlänge beträgt 111 Meter. „Wir haben alles selbst gebaut, nur bei den Schreinerarbeiten hat uns ein Freund aus Stuttgart geholfen“, so Ruf. „Vor allem die Elektrik und permanente Zeitnahme dürften in Deutschland einzigartig sein.“ Sobald das Licht in der Halle angeht, läuft auch die Zeitmessung für die Runden auf der Strecke und wird über einen großen Fernseher angezeigt.

Flüssige Strecke

Als Streckenbelag dient ein spezieller ETS-Teppich, der auf allen Indoor-Strecken in Europa Standard ist. „Es ist wichtig, dass die Fahrer überall die gleichen Bedingungen vorfinden“, erklärt der Präsident, „ansonsten könnte es zu Wettbewerbsverzerrung kommen.“ Die Leitplanken sind aus Holz und die Randsteine in den Kurven, die sogenannten „Curbs“, aus flachen Metallplatten. Werner Ruf schätzt, dass um die 450 Arbeitsstunden und 10.000 Euro in den Kurs geflossen sind. Herausgekommen ist eine „flüssige Strecke“, wie man in Modell-Racing-Kreisen sagt. Will meinen: Es gibt keine Kurven, vor denen komplett abgebremst werden muss, die kleinen Autos bleiben stets in Bewegung.

Outdoor werden Buggys im Maßstab 1:8 gefahren, die ein Gemisch aus 78 Prozent Methanol, 4 % Rizinusöl, 8 % synthetischem Öl und zehn Prozent Nitomethan, das als chemischer Turbolader fungiert, im Tank haben. Diese Verbrennungsmotoren wären in der Halle nicht nur viel zu ungesund, sondern verursachen auch einen Lärm, der kaum erträglich ist. Zwangsläufig sind auf der neuen Indoor-Strecke nur Elektro-­Autos unterwegs, die aber auch Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer pro Stunde erreichen. Gefahren werden Pancars im Maßstab 1:12 oder Tourenwagen im Maßstab 1:10. Bei „Stock-Rennen“ fahren alle Autos mit der gleichen Drehzahl unter denselben Bedingung. Lautet die Regel jedoch „Modified“, darf an den Flitzern getunt und geschraubt werden, was das Material hergibt.

„Wir hatten mit Simon Lauter einen echten Champion zu Gast, der hier über 600 Runden gefahren ist. Er war begeistert von der Strecke und seine Bestzeit im Stock-Modus hat noch Bestand“, berichtet Werner Ruf mit leuchtenden Augen. Nachzulesen sind die Bestzeiten an der „Wall of Fame“-Tafel, auf der Simon Lauter mit 10,379 Sekunden ganz oben positioniert ist. „Wir sind uns aber sicher, dass irgendwann die neun vorne stehen wird“, schaut der Präsident lachend in die Zukunft.

Kostspieliges Hobby

Derweil hat Robby Leydolph sein Auto für die Strecke präpariert und dreht eine Runde nach der anderen. Surrend wie eine Hornisse, fliegt sein grüner Flitzer durch die Kurven und wird auf der Geraden halsbrecherisch schnell. Unfälle gilt es zu vermei­den, denn das Material ist nicht billig. Nach zig gefahrenen Runden präsentiert er seine abgefahrenen Reifen und schüttelt den Kopf: „Die Reifen sind nicht mehr zu gebrauchen, ich muss einen neuen Satz aufziehen. Der kostet um die 30 Euro.“ Er setzt sich seufzend an seinen Schrauberplatz und nimmt das Fahrzeug vorsichtig und fachmännisch auseinander.

Einen gebrauchten Elektro-Racer samt Fernsteuerung gibt es für rund 500 Euro auf einschlägigen Börsen. Ein Neuwagen kostet ungefähr das doppelte. „Man sollte sich aber darauf einstellen, dass man am Anfang viel Lehrgeld zahlt, denn es ist nicht leicht, die Autos zu steuern“, warnt Ruf. „Erst wenn man nicht mehr über die Bedienung der Fernsteuerung nachdenken muss, sondern intuitiv handelt, hat man es geschafft.“

Gastfahrer sind beim MC Welden immer willkommen. Präsident Werner Ruf weist eindringlich auf die vorherrschenden Bedingungen in Zeiten der Corona-Pandemie hin: „Wir freuen uns immer über Besucher, aber wir bitten inständig darum, dass man sich vorher auf unserer Homepage über die aktuellen Maßnahmen informiert.“

MCW-Präsident Werner Ruf stemmt die Hände in die Hüften und lässt den Blick durch die Halle schweifen: „Endlich gibt es einen Ort für alle Mitglieder, wo man sich gerne aufhält und trifft. Wir haben nicht nur eine tolle Strecke gebaut, sondern ein wunderschönes Vereinsheim.“

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