Luftreiniger - Grundschulen Landsberg
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Rechtzeitig zum Schulbeginn sind alle Grundschulen der Stadt Landsberg mit Luftfiltern ausgestattet. Das stimmt auch Thorsten Winzer vom städtischen Schulreferat, Stadträtin Margit Däubler (SPD), Geschäftsführer Christopher Veit und Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (von links) zufrieden.

Termingerecht betriebsbereit

Die Luftreiniger in den Landsberger Grundschulen sind installiert

  • Werner Lauff
    VonWerner Lauff
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Landsberg – Die Stadtverwaltung hat in Zusammenarbeit mit dem Landsberger Unternehmen Veit alle 50 Klassenräume der Grundschulen mit jeweils zwei Luftreinigern ausgestattet. Sie sind pünktlich zum Schulbeginn betriebsbereit. Damit setzten die Beteiligten einen Beschluss des Stadtrats von Ende Juli um. Die Gesamtkosten betrugen 158.000 Euro; 55 Prozent davon trägt der Freistaat.

Die von der Firma Veit entwickelten Geräte arbeiten mit UV-C-Strahlen. Damit könnten über 99,9 Prozent der Coronaviren in der Luft eliminiert werden, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Christopher Veit. Dabei würden auch andere Viren, Bakterien und Pilze in der Luft unschädlich gemacht. Das Unternehmen hatte sich vor einem Jahr, ausgelöst durch eine Anfrage aus Rumänien, entschlossen, freie Kapazitäten zu nutzen, um in der Corona-Krise zu helfen. Ein besonderes Anliegen war dabei, den Präsenzunterricht in den Schulen und damit die soziale Anbindung der Schüler wieder zu ermöglichen (Lesen Sie dazu auch unser Interview).

Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) und die Schulreferentin des Stadtrats, Margit Däubler (SPD), zeigten sich bei einem Besuch der Grundschule an der Pössinger Straße erleichtert, dass die Verwaltung unmittelbar nach dem Beschluss des Stadtrates die Ausschreibung für die Geräte auf den Weg gebracht hat und die erforderliche Anzahl an Luftreinigungsgeräten pünktlich beschafft werden konnte. Sie seien ein wichtiger Baustein von vielen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Erfordernisse Abstand-Hygiene-­Alltagsmaske würden weiterhin gelten. Die Mittelschule Landsberg, die ebenfalls von der Stadt unterhalten wird, benötige keine Geräte, da das Haus über eine entsprechende Filteranlage verfüge.

Zweifelnder Stadtrat

Der Stadtrat hatte den Antrag der CSU-Fraktion, Luftreinigungsgeräte mit UV-C-Technologie zu erwerben, im März 2021 noch abgelehnt. Damals gab es für diese Variante noch keine staatliche Förderung; außerdem waren Sicherheitsbe­denken laut geworden. Inzwischen liegen zur Wirksamkeit und zur Gefahrlosigkeit der UV-C-Technologie aber Gutachten vor, insbesondere vom Fraunhofer-Institut. Auch bei der Beschlussfassung Ende Juli waren Zweifel an der Wirksamkeit noch nicht ausgeräumt; der Stadtrat verständigte sich am Ende auf die von Dieter Völkel (SPD) formulierte Wendung „Ob es hilft, wissen wir nicht. Schaden tut es sicher nicht. Also tun wir, was nicht schadet und vielleicht hilft.“

Aerosolforscher Christian Kähler (Universität der Bundeswehr) hatte auf Anfrage des KREISBOTEN eine positive Bewertung der Luftreiniger abgegeben. Sie seien die „mit Abstand sicherste Methode, um Schüler und Lehrer vor Ansteckung in Innenräumen zu schützen“. Durch Lüften könne man die Luft im Klassenraum nicht effizient tauschen. Das scheitere an den Menschen und an der Physik. Wenn die Temperatur der Luft außen und innen gleich sei, finde im Übrigen kein nennenswerter Austausch mehr statt. Daher sei das Lüftungskonzept des Bundesumweltamtes („konsequentes Querlüften“) „vollkommener Quatsch“.

Kommentar:

Schutz der Kinder

Mit der schnellen Umsetzung des Stadtratsbeschlusses von Ende Juli hat die Landsberger Verwaltung gezeigt, was in ihr steckt. Das Thema Luftreiniger lag den zuständigen Mitarbeitern ersichtlich am Herzen; sie wuchsen über sich hinaus. Während in Landsberg nun die Luftfilterung an allen Schulen im Verantwortungsbereich der Stadt gesichert ist, lassen entsprechende Maßnahmen an anderen Schulen und in anderen Städten und Gemeinden noch auf sich warten.

Die Erklärung ist einfach. Bei uns haben sich weder der Stadtrat noch die Verwaltung angemaßt, klüger als der Freistaat und die Wissenschaft zu sein. Ihnen genügte die Erkenntnis, dass die Geräte wirksam sind und keine Nebenwirkungen haben.

In welchem Umfang es dann tatsächlich in den Klassenräumen zu Aerosolen kommt, die Corona­viren enthalten, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Aber die Stadt hat hier alle wirtschaftlichen Überlegungen beiseite gelassen. Ob sich die Investition rechnet, war ihr nicht wichtig. Sie hat sich für den Schutz der Kinder entschieden.

Dass das Landsberger Unternehmen Veit als günstigster Anbieter die Ausschreibung gewann, war eine glückliche Fügung. Veit hatte bereits vorsorglich Geräte auf Halde produziert und konnte vor Ort bei der Installation helfen. Das Thema „Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts“ war insbesondere dem jüngsten Gesellschafter der Familie, Christopher Veit, ein großes Anliegen; er plädiert seit Langem für permanentes soziales Engagement des Mittelstands.

Die Digitalisierung bietet viele Chancen. Beispielsweise lässt sich Unterricht gezielt ergänzen, auch wenn eine Klassenstärke nicht erreicht wird. Die Basis ist aber immer der Präsenzunterricht. Findet er nicht komplett statt, entwickeln sich Jugendliche immer mehr zu Einzelgängern. Wie steht es dann um ihre Teamfähigkeit? Welche Auswirkungen hat das auf ihre kommunikative Kompetenz? Wir sollten das nicht testen wollen. Die Stadt Landsberg kann nicht garantieren, dass es nicht doch wieder zu Lockdowns und Quarantäne kommt. Aber sie hat einen Beitrag zur Reduzierung des Risikos geleistet und damit ein gutes Signal gesetzt. Werner Lauff

Quelle: Kreisbote

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