1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landsberg

Rasso-Mühle: Dießen zieht die Karte »Vorkaufsrecht«

Erstellt:

Von: Dieter Roettig

Kommentare

Rasso-Mühle - Dießen
Jeder in Dießen kennt den 1242 erbauten Komplex der ehemaligen Rasso-Mühle an der Herrenstraße 8. Die Marktgemeinde möchte das Anwesen kaufen, um hier bezahlbaren Wohnraum für Einheimische zu errichten. © Roettig

Dießen – Eine Sahne-Grundstück von knapp 2.000 Quadratmetern im historischen Herzen von Dießen möchte die Marktgemeinde unbedingt erwerben. Es handelt sich um die Herrenstraße 8 mit dem ortsbildprägenden Gebäude des ehemaligen Säge­werks Trieb, auch bekannt als „Rasso-Mühle“. Da Eigentümer Hans Trieb im Sommer verstorben und der Erbfall eingetreten ist, will man vermeiden, dass das Objekt auf dem freien Markt angeboten wird und Spekulanten hier Luxuswohnungen bauen.

Die Intention der Marktgemeinde: „Aufgrund der Größe, der Lage und der noch guten fußläufigen Erreichbarkeit insbesondere des Bahnhofs bietet sich die Fläche an, im Rahmen des kommunalen Wohnraumförderprogramms bezahlbaren Mietwohnraum speziell für Einheimische zu schaffen.“ Man denkt dabei auch an ein altersgerechtes Wohnen in zentraler Ortslage. Einstimmig beschloss der Bau- und Umweltausschuss deshalb eine Vorkaufssatzung. Beim Verkauf an einen Dritten steht damit der Gemeinde ein Zugriffsrecht grundsätzlich zu den gleichen Konditionen zu. Bauamtsleiterin Johanna Schäffert betonte aber, dass man vorrangig den Erwerb des Grundstücks auf der Grundlage freier Verhandlungen mit den Erben anstrebt; diese seien nicht ortsansässig.

Ein wichtiges städtebauliches Ziel sei laut Schäffert der Erhalt des zurückgesetzten und ortsbildprägenden Haupthauses, das der Eigentümer erst vor ein paar Jahren renoviert hat. Darüber hinaus soll eine Durchlässigkeit mit einem öffentlichen Fußweg über das Grundstück zum rückwärtig verlaufenden, teils verrohrten und überbauten Mühlbach erfolgen. Man denkt an einen Ruhe- und Aufenthaltspunkt mit Grünflächen zwischen dem zentralen Ortsbereich um das Rathaus und dem nach Westen liegenden Klosterbereich. Der Flächenerwerb durch die Marktgemeinde erleichtere die langfristige Umsetzung dieses Ziels.

Unter Denkmalschutz?

Der Komplex gehört neben dem früheren Kloster zu den ältesten Anwesen in Dießen. Otto von Meranien, Herzog von Andechs und Pfalzgraf von Burgund, schenkte 1242 das Grundstück dem Augustiner Chorherrenstift, um hier eine Mühle zu errichten. Im Rahmen seiner sorgfältigen Renovierung vor ein paar Jahren ließ Hans Trieb zwei Mühlensymbole auf der Stirnseite aufmalen und montierte Tafeln mit Baujahr und Schenkungsurkunde. Trotz seines Alters steht das taubenblaue Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Was sich bald ändern könnte. Denn das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat sich inzwischen mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt und will die Denkmaleigenschaft überprüfen.

Nach den Chorherren gab es wechselnde Besitzer der stattlichen Mühle. Ihren im Volksmund geläufigen Namen „Rasso-­Mühle“ bekam sie von einem Müller mit dem passenden Namen Rasso Müller, dem sie von 1643 bis 1690 gehörte. 1884 erwarb die Familie Trieb aus Rott das Anwesen und unterhielt hier bis 1998 eine Getreide- und Sägemühle. Der im Sommer verstorbene Hans Trieb war der letzte seiner Zunft.

Auch interessant

Kommentare