Trachtler lassen es anständig krachen

Dießen – Ein größeres Kompliment für seine über hundertjährige Traditionspflege als den Besuch des Bayerischen Ministerpräsidenten konnte es für den Heimat- und Trachtenverein „D’Ammertaler Dießen/St. Georgen“ nicht geben. In seinem Grußwort im voll besetzten Festzelt betonte Markus Söder, dass zum weltoffenen und modernen Bayern die Tracht als besonderes Kulturgut dazu gehöre. Seit Franz Josef Strauß sei der Ministerpräsident persönlich für die Trachtler zuständig. Ein Amt, das er selbst als Franke mit Stolz ausführe. Söder erzählte unter tosendem Beifall vom letzten G 7-Gipfel in Elmau, wo US-Präsident Joe Biden von den bayerischen Trachten ganz hingerissen war. Auf die Frage nach der Aufgabe der Trachtler habe ihm Söder geantwortet: „Die beschützen uns vor den Österreichern...“
Das Bad in der Menge und den anschließenden Festumzug in der Ehrenkutsche zwischen historischen Trachten, Motivwagen, Fahnenabordnungen, Blaskapellen und Spielmannszügen durch den Altort und die Fischerei genoss der Ministerpräsident sichtlich. Mit ihm in der Kutsche die Abgeordneten Michael Kießling (MdB) und Alex Dorow (MdL) sowie Landrat Thomas Eichinger.

Der knapp 300 Mitglieder starke Heimat- und Trachtenverein D’Ammertaler Dießen/St. Georgen kann stolz darauf sein, seit der Gründung vor 102 Jahren Brauchtum, Heimat- und Trachtenpflege, Volkstanz mit Dirndldrahn und Schuhplattln sowie Musik in den unterschiedlichsten Varianten gepflegt und immer wieder an die nachwachsenden Generationen weitergegeben zu haben.
Auch der Spielmannszug des Vereins darf selbstbewusst auf 52 Jahre gemeinsames Musizieren zurückblicken. Zunächst existierte lediglich ein Trommlerzug, der im Laufe der Zeit mit anderen Instrumenten erweitert wurde und sich heute mit Trompeten, Piccolos, Lyra und diversen Trommeln präsentiert.
Zum Doppelgeburtstag mit Corona-bedingter zweijähriger Verspätung hatte der Verein den Volksfestplatz in den Seeanlagen nach acht Jahren Pause wiederbelebt und die ganze Region zum „Mitanander feiern“ eingeladen. Schirmherrin und Bürgermeisterin Sandra Perzul teilte sich die Begrüßung mit Raistings Bürgermeister Martin Höck. Denn auch der Heimat- und Trachtenverein Raisting-Sölb feiert heuer sein 75-jähriges Jubiläum und so hat man sich freundschaftlich für diesen Abend zusammengetan.
Die Trachtler-Chefs Andreas Huber von Dießen und Roland Happach von Raisting begrüßten am Jubiläumsabend viele lieb gewonnenen Freunde von Vereinen aus dem Dachverband „Huosigau“, die zum offenen Tanzabend mit der Hochberghauser Blasmusik gekommen waren. Besonders Willkommen geheißen wurden die 35 Mitglieder des Folklore-Ensembles Javor aus Lomnice nad Luznici in Südböhmen/Tschechien, die fünf Vertreter des Trachtenerhaltungsvereins Denver/Colorado und drei Gesandte des Trachtenvereins „D’Schierachtaler“ aus New York. Sie alle erlebten ein gelungenes Programm mit Alphornbläsern, Blasmusik, Goaßlschnalzern und viel Tanz auf der Bühne und im Parkett. Die Besucher genossen es sichtlich, endlich wieder voll in das bayerische Lebensgefühl eintauchen zu können.

Am Sonntag standen neben dem Festzug mit Böllerschützen ein Gottesdienst im Marienmünster und das Treffen historischer Trachten auf dem Programm. Die 20. Zurschaustellung original bayerischer Haute Couture von anno dazumal der „Vereinigung Historischer Trachten Altbayern“ mit Dutzenden angereisten Gruppen fand aus Anlass des Doppeljubiläums diesmal in Dießen statt. Lust auf Tracht machte auch der Trachten- und Handwerkermarkt mit rund fünfzig Anbietern entlang des Festgeländes. Das Angebot ging von Trachtenhüten über Haferlschuhe und Kropfbänder bis zu Dirndlstoffen und weiß-blauer Keramik aus der Dießener Werkstatt von Wolfgang Lösche.
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Roland Kratzer, Dießens Vize-Bürgermeister, fand zum Finale der „Festtage am See“ nur lobende Worte: „Kompliment an die ehrenamtlichen Organisatoren, die dieses bunte und friedliche Fest so professionell auf die Beine gestellt haben. Das schreit nach Wiederholung auch ohne Geburtstage!“