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Ein Hauch von Formel-Eins-Zirkus

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Von: Dietrich Limper

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Alexander Obermaier, MC-Präsident Werner Ruf und Michael Stamnitz
Alexander Obermaier, MC-Präsident Werner Ruf und Michael Stamnitz (von links) feiern ausgelassen ihren Sieg. © Limper

Welden – Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen war das „6 Stunden Teamrennen“ beim MC Welden am vergangenen Samstag ein voller Erfolg. 13 Teams gingen an den Start und steuerten ihre ferngesteuerten Boliden mehr oder weniger unfallfrei über den Fuchstalring. Der Sieg ging an die Lokalmatadoren „Fishermens Friends“ vom MC Welden.

Schon aus der Ferne ist Lärm zu vernehmen, der an ganze Horden von Wespen und Hornissen erinnert. Doch es handelt sich nicht um aggressive Insekten, die auf dem Fuchstalring für Angst und Schrecken sorgen, sondern um kleine Buggys, die auf der Piste ordentlich Betrieb machen. Der Geruch von Methanol und Gummi liegt in der Luft, die kleinen Autos jagen über die Rennstrecke und in der Boxengasse herrscht Hochbetrieb.

Es ist die dritte Veranstaltung dieser Art, zu der der MC Welden geladen hatte. Waren es vor zwei Jahren sechs Teams, wuchs die Teilnehmerschar 2020 auf acht an und heuer waren sogar 14 Teams angemeldet, aber nach einer Absage gingen um 12 Uhr 13 Teams an den Start. Die Liebhaber der kleinen Flitzer kommen aus Senden, Laupheim oder Landshut. Ihre Wohnmobile stehen abseits der Strecke im Fahrerlager. Ein Hauch von Formel-Eins-Zirkus liegt in der Luft.

Die Teams tragen klangvolle Namen wie „NitroSquad“, „Fantastic 3“, „Goaßnvernichter“ oder „Team Schlusslicht“. Eine Mannschaft besteht aus drei Fahrern und drei Autos, davon zwei Verbrenner und ein Buggy mit Elektroantrieb. Die Kontrolle an der Fernsteuerung wechselt regelmäßig. Ein anderes Teammitglied arbeitet an der Box und der dritte im Bunde stellt das Auto wieder auf die Strecke, falls es davon abkommen sollte. Und das passiert oft.

Reparaturen verboten

Die Regeln sind relativ einfach: Pro Team ist immer ein Auto auf der Strecke und der dazugehörige Fahrer steht hoch über der Piste auf der Tribüne und steuert. Wechselt das Auto, muss auch der Mann am Steuer ausgetauscht werden. Es gibt nur einen Satz Reifen für jedes Fahrzeug, Reparaturen auf der Strecke sind verboten und jeder Teilnehmer hat eine Warnweste zu tragen. Ansonsten heißt es: sechs Stunden Vollgas geben und das geht tatsächlich an die Kondition, wie Johannes „Spori“ Sporer vom „Team Schlusslicht“ nach dem Rennen berichtet: „Ich bin fix und fertig. Als ich einmal auf die Uhr geschaut habe, war es gerade mal halb drei. Ich wusste nicht, wie ich die nächsten Stunden noch durchhalten sollte.“

Dank einer Flasche Wasser und eisernem Willen erreichte er mit seinem Team den vierten Platz. Auch das Material wird in Mitleidenschaft gezogen. Spori schildert die Reparaturen, die während des Rennens durchgeführt werden mussten: „Die Lenkung war kaputt, Stoßdämpfer und Schwingen sind gebrochen – zeitweise waren zwei von drei Autos hinüber. Ich musste einmal 45 Minuten am Stück fahren, bis die Autos wieder repariert waren. Das war sportlich.“

Rasen mit Rizinusöl

Die Fahrzeuge sind im Maßstab 1:8 gebaut, dürfen maximal 31 cm breit und müssen mindestens 3.000 Gramm schwer sein. Der Antrieb besteht aus einem Einzylinder-Zweitaktmotor mit höchstens 3,5 cm³ Hubraum. Die Motoren sind absolute Hochleistungstriebwerke und werden mit einem Gemisch aus 78 Prozent Methanol, vier Prozent Rizinusöl, acht Prozent synthetischem Öl und zehn Prozent Nitromethan, das als chemischer Turbolader fungiert, betrieben. Bei einer Drehzahl von ca. 33.000 U/min leisten die Motoren bis zu 2,3 PS und beschleunigen die Buggys in kürzester Zeit auf etwa 70 km/h. Die Verbrenner müssen rund alle acht Minuten tanken, deshalb ist in der Boxengasse ständig was los.

Buggy in Welden
2,3 PS und 70 km/h. Es bedarf hoher Konzentration, um die kleinen Buggys sicher über die Piste zu steuern. © Limper

Nach sechs Stunden Adrenalin, Konzentration, Reparaturen, 454 Runden und insgesamt 154 Kilometern sahen die „Fishermens Friends“ als erste die schwarzweiß-karierte Flagge an der Ziellinie. Und die Freude darüber fiel besonders euphorisch aus, handelte es sich doch um Lokalmatadore: Die MC-Welden-Mitglieder Alexander Obermaier, Michael Stamnitz sowie Präsident und Vorstand Werner Ruf, dessen Augen vor Freude leuchten, als er nach dem Rennen sagt: „Es war Wahnsinn! Die Kunst ist, dass man schnell fährt, aber nicht über seinen Zenit hinausschießt. Wir lagen bis 20 Minuten vor Schluss gar nicht in Führung. Ich bin dann die letzten Runden gefahren, habe den Druck gespürt und bin froh, dass es geklappt hat.“

Gerade einmal drei Runden Vorsprung hatten die Sieger vor den Zweitplatzierten vom Team „Fantastic 3“. Und das „Team Senden“ raste mit 448 Runden ebenfalls noch auf das Podium. MC-Präsident Werner Ruf (53) fährt seit 35 Jahren Rennen und stellt die Prioritäten heraus: „Die ganze Veranstaltung hat sehr viel mit Spaß zu tun und die Ergebnisse sind zweitranging. Wir werden jetzt noch zusammen feiern und im nächsten Jahr werden wir sogar mit 16 Teams fahren. Das Format soll stetig verbessert werden und es wird von allen Beteiligten begeistert aufgenommen.“

Bei der Siegerehrung bekamen die Bestplatzierten gravierte Bremsscheiben als trophäen überreicht und alle Teilnehmer versammelten sich in der Steilkurve für ein Gruppenfoto. Danach wehte nicht mehr der Duft von Gummi über den Fuchstalring, sondern es roch nach Grillgut, Bier und guter Laune. Ein langes Rennen lag hinter den Fahrern und eine ebenso lange Nacht vor ihnen.

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