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Ein Landkreis-Netz für die Pflege

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Von: Susanne Greiner

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Für Alzheimer-Erkrankte gibt es Unterstützungsmöglichkeiten
Eine bessere Zusammenarbeit zwischen beruflichen, privaten oder auch ehrenamtlichen Einrichtungen soll das PflegeNetz im Landkreis ermöglichen. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Landkreis – Pflegekräfte fehlen – schon lange und momentan durch die Coronakrise verstärkt. Laut einer Studie wird sich der Pflegenotstand in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Wissenschaftler haben eine Prognose bis 2040 entwickelt – und warnen vor einer Versorgungskatastrophe. Um dieser Tendenz zumindest etwas entgegenzusetzen, will der Landkreis Landsberg ein regionales Netzwerk für die Pflege aufbauen: das PflegeNetz. Es soll die strukturierte Zusammenarbeit aller Personen, die Pflegebedürftige und deren Angehörige versorgen und unterstützen, verbessern.

Mit dem PflegeNetz soll gewährleistet werden, dass Leistungserbringer – zum Beispiel Pflegeschulen, Krankenkassen, aber auch ehrenamtliche Initia­tiven – gemeinsam mit den Betroffenen, Pflegebedürftigen, deren An- und Zugehörigen und allen interessierten Mitbürgern Lösungen erarbeiten können, ist in der Sitzungsunterlage zu lesen. Denn „Pflege kann und muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Herausforderung verstanden werden“. Berufliche Pflege allein werde in Zukunft das Problem nicht mehr bewältigen können, sagt der Koordinator des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts des Landkreises Pajim Rais-Parsi. Im PflegeNetz soll es zweimal im Jahr eine Vollversammlung geben, dazu diverse, multidisziplinäre Arbeitskreise zu den Themen Hospiz-/Palliativ­versorgung, Pflegeausbildung oder auch Demenz.

Koordiniert werden solle das PflegeNetz von einem Steuerkreis, so Rais-Parsi. Im Steuerkreis werde der Pflegebeauftragte – hierfür hat der Seniorenausschuss vergangene Woche dem Kreisausschuss Erich Püttner vorgeschlagen –, der/die Moderator/in des Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerks, die Geschäftsstellenleitung der Gesundheitsregionplus und der/die Mitarbeiter/in der Koordinationsstelle Seniorenpolitisches Gesamtkonzept sitzen.

Schlechte Werte

Dass neue Wege im Bereich der Pflege dringend notwendig sind, zeigt auch eine Studie der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB). Dort wird untersucht, wie fachpflegerische Versorgung in den kommenden Jahrzehnten aussehen wird – für alle bayerischen Städte und Landkreise.

Dafür wurden nicht nur die Zahl der Pflegekräfte und offenen Stellen in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten abgefragt, sondern auch Ausbildungsplätze, Bevölkerungszahlen, Altersstrukturen und Pendlerströme in die Studie aufgenommen. Daraus wurde ein Index entwickelt, der anzeigt, wie die fachpflegerische Versorgung in den Regionen aufgestellt ist. Die Skala reicht von 0 bis 50. Je höher der Wert, desto schlechter die Versorgung.

Bayernweit liegt der Index bei 31,22, elf der insgesamt 18 Planungsregionen liegen darunter. Größtes Sorgenkind ist dabei die Planungsregion München mit dem Index 42,96 – und zu der gehört auch der Landkreis Landsberg. Diese Region sei besonders stark vom demografischen Wandel betroffen, die Ausbildungszahlen aber in Relation zu den bestehenden Stellen gering. Mit dem Status Quo sei die Pflege in Zukunft nicht mehr zu halten, betont demnach auch Jurist Bernhard Krautz von der VdPB. „Wir laufen da sehenden Auges in eine Versorgungskatastrophe hinein.“ Wenn das Gesundheitssystem nicht völlig neu aufgestellt werde, komme es früher oder später zum Kollaps.

Dafür sei nicht nur die Bundes­politik gefordert, sondern auch die Regionen. Alle Akteure müssten Allianzen aufbauen und an einem Strang ziehen, um die Pflege vor Ort zukunftsfähig aufzustellen. Es gehe jetzt darum, alle Akteure an einen Tisch zu bringen, um „Lösungsansätze zu diskutieren, neue Kooperationen aufzubauen und voneinander zu lernen“ – also genau das, was der Landkreis mit dem PflegeNetz forciert.

Ein Ziel müsse sein, häusliche Versorgungsstrukturen zu stärken, beispielsweise mit neuen Arbeitszeitmodellen oder flexibleren Öffnungszeiten von Kindertagesstätten, konstatiert die Studie. „Den Regionen kommt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik zu“, mahnt auch Thomas Klie, der die Studie zusammen mit Michael Isfort geleitet hat. Denn selbst mit mehr Ausbildung und Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland werde der Pflegenotstand in Deutschland größer. „Die Versorgung muss grundlegend und kleinräumig überdacht werden“, betont Krautz.

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