Bahnhof Landsberg
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Bisher ist am Bahnhof Landsberg Endstation für den Personenzugverkehr. Würde die Fuchstalbahn reaktiviert, könnte sie für Landsberg zur Stadtbahn werden.

Reaktivierung Fuchstalbahn

Eine Stadtbahn für Landsberg?

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Manchmal muss man in der Kommunalpolitik dicke Bretter bohren. Die Reaktivierung der Fuchstalbahn ist ein solches – und lange Zeit schien der Wunsch danach eine Utopie zu sein. Doch nun gibt es neue Weichenstellungen, die das Ziel einer Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs zwischen Schongau und Landsberg ein gutes Stück wahrscheinlicher machen. Für Landsberg könnte sich daraus sogar eine Stadtbahn entwickeln.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stellte Andreas Holzhey, Diplomingenieur für Verkehrswesen und Betreiber des Landsberger Bahnhofs, in einem Eckpunktepapier die aktuellen Rahmenbedingungen dar. Demnach ist die Einwohnerzahl in der Region seit 1984 – dem Jahr der Stilllegung der Fuchstalbahn – um 50 Prozent gestiegen, und mit ihr die Zahl der Arbeitsplätze, die Stärke der Pendlerströme und der Straßenverkehr. Die Bewohner des Fuchstals blieben in dieser Zeit vom Schienenverkehr abgehängt. Sie würden durch eine Reaktivierung des Personenverkehrs auf der – vom Güterverkehr täglich genutzten – Strecke erstmals eine schnelle, vom Auto unabhängige Verbindung in Richtung Augsburg und München erhalten. Die B17 würde ebenso entlastet wie der P&R-Platz in Kaufering. Außerdem wäre eine reaktivierte Fuchstalbahn ein wertvoller Beitrag zu Verkehrswende und zum Klimaschutz, wie Holzhey betonte.

Was aber hätte Landsberg konkret davon? Durch zusätzliche Zughaltestellen – neben dem Bahnhof und dem Haltepunkt Landsberg Schule könnten Stopps am Englischen Garten und an der Augsburger Straße auf Höhe des Aldi hinzukommen – könnte eine Stadtbahn entstehen. „Das könnte für uns attraktiv sein“, befand OBin Doris Baumgartl (UBV).

Die finanzielle Belastung, die für eine Reaktivierung auf die Anliegerkommunen zukäme, ist dank einer Gesetzesänderung deutlich gesunken. Sie müssten nicht mehr für die technische Sicherung oder Beseitigung von Bahnübergängen aufkommen – das würden der Bund, der Freistaat und die Deutsche Bahn übernehmen. Die Kommunen müssten lediglich für Bahnsteige mit Wetterschutz und Fahrgastinfo sowie für Pkw- und Fahrradstellplätze sorgen. Diese Maßnahmen wiederum werden vom Staat finanziell gefördert. Am „historischen Standort“ müssten diese Haltepunkte nicht liegen, so Holzhey.

Petra Ruffing (CSU) befürchtete eine erhöhte Lärmbelastung, wenn alle halbe Stunde ein Zug durch Landsberg fahre. Holzhey entgegnete, dank neuer Antriebstechnik könnten die Züge sehr leise fahren – es handele sich nicht um alte Dieselloks. Und schließlich verursache auch der Pkw-Verkehr Lärm. Die derzeit noch manuell betriebene Bahnschranke in der Katharinenstraße müsste durch eine elektronisch gesteuerte Anlage ersetzt werden, was wiederum die Schließzeiten deutlich verkürzen würde.

Jonas Pioch (Landsberger Mitte) sah in einer reaktivierten Fuchstal- und möglichen Stadtbahn eine gute Option für Pendler, aber auch für Senioren und Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit müsse gegeben sein, stimmte Holzhey zu. Im Übrigen gehe die Zielgruppe weit über Pendler und Menschen ohne Auto hinaus. „Der Freizeitverkehr ist größer als man denkt, und er wächst.“

In ferner Zukunft

So gut das alles klingt – bis die Fuchstalbahn tatsächlich wieder fährt, dürfte noch viel Zeit ins Land gehen. Wie viel, dazu wagte Holzhey keine Prognose. „Das ist ein Blick in die Glaskugel.“ Die Planungsverläufe würden Jahre in Anspruch nehmen, ebenso die Erneuerung der Signaltechnik und die Sicherung der Bahnübergänge. Aber: „Es wäre machbar“, konstatierte Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne). Wichtig sei es jetzt, „nichts Gegenteiliges“ im Flächennutzungsplan zu beschließen und notwendige Grundstücke zu sichern.

Auch Andreas Holzhey erklärte, die nächsten Schritte der Stadt müssten einstweilen tatsächlich nur darin bestehen, „Dinge zu unterlassen, die die Reaktivierung verhindern“. Es brauche nun als Erstes eine Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sowie weitere positive Beschlüsse aller betroffenen Landkreise und Kommunen. In der Gemeinde Fuchstal ist dieser vor wenigen Tagen gefallen.

Deutliches Ja zur Fuchstalbahn

von Johanns Jais

Landsberg/Fuchstal – Ein deutliches Signal, dass die Gemeinde Fuchstal hinter einer Reaktivierung der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau stehen, sendet der Gemeinderat aus. Eine Mehrheit habe sich dafür ausgesprochen, informierte Bürgermeister Erwin Karg nach der Abstimmung in nicht öffentlicher Sitzung.

Grundlage für die Entscheidung war ein Papier mit mehreren Eckpunkten, wie es Verkehrsplaner Andreas Holzhey im Juli in Schongau vorgestellt hatte (Der KREISBOTE berichtete). An der 28 Kilometer langen Strecke zwischen den Städten Landsberg und Schongau gibt es fünf Gemeinden, die von den Reaktivierungsplänen betroffen sind: Unterdießen, Fuchstal, Denklingen, Kinsau und Hohenfurch. Darunter ist Fuchstal mit 4.000 Einwohnern die größte.

Der ehemalige Bahnhof Asch-Leeder befindet sich außerhalb der beiden Ortschaften. Ein Großteil davon gehört der Kommune. Die Ertüchtigung müsste von der Gemeinde übernommen werden. Dafür könnten Investitionen bis zu 800.000 Euro anfallen, wie Karg bereits Anfang August im Gemeinderat sagte, als er von der Zusammenkunft der Bürgermeister in Schongau mit Verkehrsplaner Holzhey berichtete.

Auf der Fuchstalbahn war 1984 die Personenbeförderung eingestellt worden. Seitdem gibt es nur Güterverkehr auf der Strecke, der hauptsächlich für die Papierfabrik in Schongau bestimmt ist.

Quelle: Kreisbote

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